Zum Hauptinhalt springen

«Eine spektakuläre Erfolgsgeschichte»

Für einmal gute Nachrichten im Kampf gegen das tödliche Virus: Nach dem Senegal ist nun auch das bevölkerungsreichste Land Afrikas wieder ebolafrei.

Nach Senegal ist nun auch Nigeria wieder ebolafrei: Ein Mitarbeiter probiert in Rodenrijs in den Niederlanden spezielle Kleidung an. (17. Oktober 2014)
Nach Senegal ist nun auch Nigeria wieder ebolafrei: Ein Mitarbeiter probiert in Rodenrijs in den Niederlanden spezielle Kleidung an. (17. Oktober 2014)
Keystone
Wollen Ebola-Kranke aufspüren: Zollbeamte am Internationalen Flughafen von Chicago. (16. Oktober 2014)
Wollen Ebola-Kranke aufspüren: Zollbeamte am Internationalen Flughafen von Chicago. (16. Oktober 2014)
Melissa Maraj/Zollbehörden/AP
Sie muss besonders auf der Hut sein: Krankenschwester in Liberia.
Sie muss besonders auf der Hut sein: Krankenschwester in Liberia.
Ahmed Jallanzo, Keystone
1 / 32

Nach dem Senegal hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) nun auch Nigeria für ebolafrei erklärt. In den vergangenen 42 Tagen und damit nach zwei Inkubationsphasen sei kein neuer Fall mehr gemeldet worden, teilte der WHO-Vertreter Rui Gamaz Vaz in der nigerianischen Hauptstadt Abuja mit.

Er sprach von einer «spektakulären Erfolgsgeschichte». Sie zeige «der Welt, dass sich Ebola in den Griff bekommen lässt». «Aber wir müssen uns im Klaren sein, dass wir nur eine Schlacht gewonnen haben. Der Krieg ist erst gewonnen wenn auch Westafrika für ebolafrei erklärt wird.» Erst am Freitag hatte die WHO für den Senegal Entwarnung gegeben. Ein Flugpassagier aus Liberia hatte das Virus im Juli in die nigerianische Millonenstadt Lagos eingeschleppt, er starb wenige Tage später. Der Fall löste Befürchtungen aus, dass sich die Seuche in der Megametropole sowie in ganz Nigeria ausbreiten könnte.

Die Behörden reagierten rasch: Rund 900 Menschen in Lagos und der Erdölmetropole Port Harcourt, die mit dem Virus in Kontakt gekommen sein könnten, wurden unter Beobachtung gestellt, strikte Kontrollen an allen Flughäfen und Häfen eingeführt. Nach offiziell Angaben steckten sich insgesamt 20 Menschen mit dem Virus an, acht von ihnen starben.

Strategien zur Eindämmung gesucht

Auch die Regierung in Dakar hatte schnell reagiert, nachdem ein Student aus Guinea das Virus eingeschleppt hatte. Nach seiner Erkrankung wurden alle 74 Kontaktpersonen unter Beobachtung gestellt, zudem startete das Land eine gross angelegte Aufklärungskampagne. Der Ebola-Patient ist inzwischen geheilt und nach Guinea zurückgekehrt.

Die Erfolgsgeschichte in Nigeria und dem Senegal werden von Gesundheitsexperten weltweit genau analysiert; sie suchen nach Strategien zu einer Eindämmung der Seuche vor allem in den am schwersten betroffenen Staaten Guinea, Liberia und Sierra Leone. Nach WHO-Angaben haben sich bislang knapp 10'000 Menschen mit dem Ebola-Virus infiziert, mehr als 4500 von ihnen starben.

Entwarnung für Dallas

Auch in den USA gab es einen Lichtblick im Kampf gegen Ebola. Immer noch sind dort zwar zwei Krankenschwestern in Behandlung, die den mit Ebola infizierten Liberianer Thomas Eric Duncan behandelt hatten. Doch eine weitere Ausbreitung zeichnet sich bisher nicht ab.

Für die Freunde und Familie des Liberianers, die in Dallas unter Beobachtung standen, wurde in der Nacht (Ortszeit) Entwarnung gegeben, nachdem sie keine Ebola-Symptome gezeigt hatten. Die Freundin des Liberianers durfte sich erstmals wieder frei bewegen. Ihr war nach dessen Infektion zunächst gerichtlich befohlen worden, mit ihrem Sohn und anderen Verwandten in der Wohnung zu bleiben, in der auch Duncan mit Ebola-Virus gewohnt hatte. Später wurden sie in einer abgeschotteten Wohnanlage unter bewaffneten Wachschutz gestellt, der nun endete.

In Spanien wurden bei einer infizierten Krankenschwester derweil keine Spuren mehr von Ebola gefunden. Sie bleibt allerdings in Quarantäne, bis ein zweiter Test Gewissheit schafft. Üblicherweise erfolgt ein solcher innerhalb von zwei bis drei Tagen. Das spanische Gesundheitsministerium teilte am Abend mit, das Ergebnis werde in den «kommenden Stunden» vorliegen.

Keine Entwarnung für Westafrika

In den von Ebola am stärksten betroffenen Staaten Liberia, Guinea und Sierra Leone gab hingegen keinerlei Entwarnung. Die Europäische Union will deshalb eine Milliarde Euro zur Verfügung stellen, um die Epidemie in den Griff zu bekommen. Die EU-Aussenminister bereiteten in Luxemburg ein Massnahmenpaket vor, das bis zum EU-Gipfel Ende der Woche beschlussreif sein soll. Enthalten sein soll darin neben finanzieller Hilfe auch eine Einigung auf ein gemeinsames Vorgehen bei der Rückholung von Patienten und Behandlungszentren vor Ort.

Auch China will mehr tun und sagte dem Welternährungsprogramm umgerechnet rund 4,7 Millionen Euro für Westafrika zu. Davon sollten Notrationen aus Reis, Linsen und Erbsen gekauft werden, die 300'000 Menschen versorgen könne. Zuvor hatte China bereits mehrere Flugzeugladungen medizinische Güter sowie Hilfsmannschaften in das Seuchengebiet geschickt. Die Entsendung weiterer Ärzte, Krankenschwestern und Soldaten sagte am Montag auch Südkorea zu. Weil nur Freiwillige zum Einsatz kommen sollten, war ihre Zahl noch unklar.

sda/AP/AFP/ajk

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch