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Eine Geisel in Sydney kam durch eine Polizeiwaffe um

Splitter eines Querschlägers trafen eine 38-jährige Frau, als die Polizei das Café stürmte. Der Geschäftsführer des Geschäfts in der australischen Metropole wurde hingegen vom Geiselnehmer regelrecht hingerichtet.

Hätten ihre Leben gerettet werden können? Die Bilder der getöteten Geiseln von Sydney in einem Blumenmeer. (18. Dezember 2014)
Hätten ihre Leben gerettet werden können? Die Bilder der getöteten Geiseln von Sydney in einem Blumenmeer. (18. Dezember 2014)
Reuters
Laut dem australischen Premierminister Tony Abbott ein «tief verstörtes Individuum»: Man Haron Monis, der Geiselnehmer im Lindt-Café von Sydney, hier in einer Archivaufnahe vom 18. April 2011.
Laut dem australischen Premierminister Tony Abbott ein «tief verstörtes Individuum»: Man Haron Monis, der Geiselnehmer im Lindt-Café von Sydney, hier in einer Archivaufnahe vom 18. April 2011.
AAP Image, Dean Lewins, Keystone
Die Menschen von Sydney verfolgen hinter der Polizeiabsperrung die Geiselnahme. (15. Dezember 2014)
Die Menschen von Sydney verfolgen hinter der Polizeiabsperrung die Geiselnahme. (15. Dezember 2014)
Reuters
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Ein Querschläger aus einer Polizeiwaffe tötete offenbar eine der in Sydney ums Leben gekommenen Geiseln. Der zweite Tote wurde vom Täter regelrecht hingerichtet. Die Gerichtsmedizin will nun prüfen, ob die Leben der Geiseln hätten geschützt werden können.

Eine bei der Geiselnahme von Sydney ums Leben gekommene Frau ist von Teilen einer Kugel aus einer Polizeiwaffe getötet worden. Die 38-jährige Katrina Dawson sei von sechs Splittern einer Patrone aus der Waffe eines Polizeibeamten getroffen worden, die von einer harten Oberfläche abgeprallt sei, sagte der Jurist Jeremy Gormly am Donnerstag vor dem zuständigen Untersuchungsgericht in Glebe. Die Frau sei in einer Hauptader getroffen worden und habe schnell ihr Bewusstsein verloren.

Hätten die Geiseln gerettet werden können?

Gormly assistiert dem zuständigen Gerichtsmediziner, der am Donnerstag mit einer Untersuchung begann, die die Umstände klären soll, die zum Tod des Täters und zweier Geiseln geführt haben. Im Zentrum steht die Frage, ob die beiden Geiseln von Angreifer Man Haron M. oder im Schusswechsel mit der Polizei getötet wurden und ob ihre Leben hätten gerettet werden können. Bislang hatten die Behörden dazu keine Angaben gemacht.

M. hatte Mitte Dezember im Stadtkern der australischen Metropole insgesamt 18 Geiseln genommen. Nach 16 Stunden stürmte ein Sondereinsatzkommando das Café, um die Gefangenen zu befreien. Neben M. wurden auch der 34 Jahre alte Manager des Geschäfts, Tori Johnson, sowie eine 38-jährige Anwältin Dawson getötet.

Die andere Geisel starb nach Angaben von Gormly durch Schüsse aus der Waffe des Geiselnehmers. Der Täter habe Johnson gezwungen, sich auf den Boden zu knien. Anschliessend habe er ihm mit einer abgesägten Schrotflinte eine Kugel in den Hinterkopf geschossen, sagte Gormly. Der 34-Jährige sei wahrscheinlich sofort tot gewesen.

Der Jurist berichtete weiter, dass ein Scharfschütze der Polizei Zeuge der Hinrichtung Johnsons geworden sei. Dies habe die Einsatzkräfte zum Eingreifen veranlasst.

Abbott ordnete separate Untersuchung an

Gormly machte klar, dass die Rückschlüsse der Rechtsmedizin zunächst nur vorläufig seien. Die abschliessende Erklärung soll vom Mediziner selbst gemacht werden.

«Selten haben sich solche grauenerregenden Vorkommnisse so öffentlich entfaltet», sagte Gerichtsmediziner Michael Barnes vor dem zuständigen Gericht. Neben Angehörigen der Opfer hätten auch Unbeteiligte um die Geiseln gebangt. Er und seine Mitarbeiter würden nun alles in ihrer Macht stehende tun, um eine gründliche und unabhängige Ermittlung zu gewährleisten. Im Raum steht auch die Frage, ob Scharfschützen M. durch die Fenster des Cafés hätten treffen und so ausser Gefecht setzen können.

Unabhängig davon hat Premierminister Tony Abbott eine separate Untersuchung angeordnet. Sie soll Aufschluss darüber bringen, warum der mehrmals vorbestrafte M. auf freiem Fuss war und wie er trotz der strikten australischen Waffengesetze an eine Waffe gekommen ist. Die Ergebnisse dieser Ermittlungen werden in den nächsten beiden Wochen erwartet.

(SDA)

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