«Eine der schlimmsten Katastrophen der Südhalbkugel»

Tagelang wütete der Zyklon Idai im Süden Afrikas. Diese Videos, Bilder und Grafiken zeigen das ganze Ausmass der Zerstörung.

Hat alles verloren: Eine Frau läuft durch ihre zerstörte Stadt im Zentrum von Moçambique.

Hat alles verloren: Eine Frau läuft durch ihre zerstörte Stadt im Zentrum von Moçambique.

(Bild: Keystone)

Yannick Wiget@yannickw3

Letzten Donnerstag startete der Zyklon Idai seinen zerstörerischen Weg über Moçambique, Malawi und Zimbabwe hinweg und hinterliess ein Chaos. Offiziellen Angaben zufolge gibt es bis jetzt über 350 Tote, Hunderttausende Obdachlose sowie unzählige Vermisste. Die drei Länder im Süden Afrikas gehen davon aus, dass die Todeszahlen noch massiv steigen werden und wahrscheinlich erst in ein paar Monaten klar sein wird, wie viele Opfer es wirklich gibt.

Für die UNO ist schon jetzt klar, dass es sich um ein Unglück handelt, wie man es noch selten gesehen hat. «Das könnte eine der schlimmsten Katastrophen der Südhalbkugel sein, die je durch das Wetter verursacht wurden», sagte ein Vertreter gegenüber BBC. Mehr als 2,6 Millionen Menschen seien wohl insgesamt betroffen.

Weg der Zerstörung: So entwickelte sich der Zyklon Idai seit dem 4. März. Karte: Guardian

Moçambique leidet seit Monatsbeginn unter schweren Unwettern und Regenfällen, als Idai noch ein gewöhnlicher Sturm war. Schon vor dem Durchzug des Zyklons kamen dort mindestens 66 Menschen ums Leben. Im benachbarten Malawi waren es mindestens 56 Menschen, Zehntausende wurden obdachlos.

Dann entwickelte sich Idai zu einem schweren Tropensturm, der immer mehr an Fahrt aufnahm. Am Donnerstag, 14. März abends traf er in der Nähe von Moçambiques zweitgrösster Stadt Beira mit voller Wucht auf Land. Die Weltraumbehörde Nasa registrierte mit ihren Satelliten Windgeschwindigkeiten von bis zu 210 km/h, sehr starke Regen und Gewitter.

So sah es am 15. März aus: Der Zyklon aus Sicht eines Nasa-Satelliten. Bild: Keystone

Die Stadt Beira, die teilweise unter dem Meeresspiegel liegt, wurde grösstenteils überflutet und zerstört. Viele der rund 500'000 Einwohner sind auch knapp eine Woche nach dem Eintreffen des Zyklons weiter ohne elektrischen Strom und Dach über dem Kopf.

Versuchen zu retten, was noch zu retten ist: Einwohner von Beira stehen auf ihren zerstörten Häusern. Foto: Keystone

Im Umland verursachte der schwere Tropensturm ebenfalls Erdrutsche, Sturmfluten und massive Überschwemmungen. Helfern zufolge sind Flüsse so dramatisch über die Ufer getreten, dass «kilometerlange Binnenmeere» entstanden sind. Manche Orte stehen demnach bis zu sechs Meter unter Wasser.

Tausende Gebäude, darunter auch Krankenhäuser und Schulen, wurden zerstört, ebenso wie unzählige Strassen, Brücken, Felder und wichtige Telefonleitungen. Auch das Handynetz ist weitgehend lahmgelegt. Allein in Moçambique wurde ein Gebiet mit einem Durchmesser von hundert Kilometern überflutet. Flüge über dem Katastrophengebiet zeigen das Ausmass der Zerstörung.

Bilder des Grauens: Der Zyklon Idai hinterlässt eine Schneise der Verwüstung. Video: AFP/Tamedia

Die Rettungsmassnahmen liefen nur schleppend an. Viele der am stärksten betroffenen Gebiete sind noch immer von der Aussenwelt abgeschnitten. Die Helfer gelangen nur mühsam in die Hochwassergebiete, weil Brücken eingestürzt und Strassen unter Wasser sind.

Das Militär und Hilfsorganisationen versuchen deshalb, Menschen aus der Luft per Helikopter zu bergen. Viele Betroffene sind auf Bäume oder Dächer von Häusern geflüchtet, sofern diese aus dem Wasser ragen. Dort lauern wieder andere Gefahren, etwa durch Schlangen, die sich ebenfalls ans Trockene retten.

Warten verzweifelt auf Hilfe: Menschen stehen beim Fluss Umvumvu in Zimbabwe vor einer zerstörten Brücke. Bild: Reuters

Zudem droht die Verbreitung einer Seuche. «Es besteht ein grosses Risiko, dass es durch das Wasser zu einem Ausbruch von Cholera, Malaria oder einer anderen Krankheit kommt», warnte eine Hilfsorganisation gegenüber CNN.

Die Rettung von Überlebenden wird mehr und mehr zu einem Rennen gegen die Zeit. Denn viele haben schon tagelang nichts mehr gegessen und getrunken – und die Lage wird sich laut dem nationalen meteorologischen Institut Moçambiques vorerst nicht entspannen. Auch heute herrschen demnach starker Regen, Gewitter und Winde mit Orkanböen. Experten warnen angesichts des anhaltenden Regens und der steigenden Flusspegel, dass sich die Situation weiter zuspitzen könnte.

Das dreckige Wasser birgt Gefahren: Kinder waten durch ein überflutetes Dorf in Moçambique. Bild: Keystone

Während sich das ganze Ausmass der Katastrophe immer mehr abzeichnet, tauchen Fragen auf, ob die Regierung von Moçambique nicht mehr hätte tun können, um die Bevölkerung zu schützen. Das Land wird immer wieder von schweren Wirbelstürmen getroffen. Der Zyklon Favio etwa hatte 2007 rund 130'000 Häuser beschädigt und Zehntausende Menschen zur Flucht gezwungen. Im Jahr 2000 waren infolge des Zyklons Eline knapp eine halbe Million Menschen obdachlos, rund 700 starben.

Mit dem Klimawandel werden Überschwemmungen in Zukunft noch häufiger vorkommen. «Die Atmosphäre enthält heute mehr Feuchtigkeit, weil es im Durchschnitt wärmer ist. Deshalb kann es zu mehr schweren Regenfällen kommen», erklärte Corene Matyas, Forscherin an der University of Florida, dem Magazin «National Geographic».

Moçambique gehört einem UNO-Index zufolge zu den zehn ärmsten Ländern der Welt. Die Regierung dürfte mit der Bewältigung der sich nun abzeichnenden humanitären Krise auch dieses Mal überfordert sein. Zahlreiche Hilfsorganisationen planen daher, ihre Einsätze vor Ort auszubauen, und haben zu Spenden aufgerufen.

*mit Material der SDA

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