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«Dort ist alles tot»

Immer mehr Öl erreicht die Küste Louisianas. Die Küstenbewohner äussern ihren Unmut über die Umweltkatastrophe zunehmend lauter.

Vom Öl verseucht: Küste in Grand Isle, Louisiana.
Vom Öl verseucht: Küste in Grand Isle, Louisiana.
Reuters
Verschmutzte Natur: Das Öl hat sich in der Sumpflandschaft Louisianas ausgebreitet.
Verschmutzte Natur: Das Öl hat sich in der Sumpflandschaft Louisianas ausgebreitet.
Keystone
Regenbogen im Wasser: Der Ölteppich glänzt in allen Farben und ist so nicht zu übersehen.
Regenbogen im Wasser: Der Ölteppich glänzt in allen Farben und ist so nicht zu übersehen.
Keystone
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In Louisiana fragen sich viele Menschen, wie sich das nun schon einen Monat andauernde Öl-Fiasko überhaupt wird aufräumen lassen. «Es ist schwer aufzuräumen, wenn die Quelle immer noch sprudelt», sagt Chris Roberts, Gemeindeabgeordneter von Jefferson Parish in Louisiana. «Man kann es von den Stränden kratzen, aber es ist sofort wieder da.» Das an den Strand der Grand Isle angeschwemmte Rohöl hat die Konsistenz geschmolzener Schokolade.

Auf einer Länge von gut 38 Kilometern sei das Schwemmland verseucht, sagte der Vorsteher der Gemeinde Plaquemines Parish, Billy Nungesser, im US-Fernsehen. Im betroffenen Abschnitt sei kein Leben mehr, sagte Nungesser dem Nachrichtenkanal MSNBC. «Dort ist alles tot». Der Ölschlick zerstört Stück für Stück unser Marschland.» Der Gouverneur des US-Bundesstaates Louisiana, Bobby Jindal, sagte nach einem Flug über das betroffene Gebiet: «Dieses Öl war 177 Kilometer unterwegs, bevor es unsere Küste erreicht hat, und wir machen uns grosse Sorgen, dass dies erst der Anfang ist.»

«Die Regierung hätte eingreifen müssen»

Anrainer fragen sich, warum sich der Ölmulti BP noch immer selbst bei den Aufräumarbeiten überwacht. Die BP betrieb die Bohrinsel «Deepwater Horizon», als sie am 20. April explodierte und im Golf von Mexiko versank. «Die Regierung hätte eingreifen müssen und nicht den Zusicherungen der BP glauben schenken sollen», sagt Wayne Stone aus Marathon im US-Staat Florida, auf den der Ölteppich zutreibt. Er ist passionierter Taucher und sorgt sich um die Auswirkungen der Ölpest auf das Ökosystem.

Thad Allen, Offizier der Küstenwache, hält dagegen, die US-Regierung beaufsichtige die Aufräumarbeiten und Gegenmassnahmen, doch auch er hat Verständnis dafür, wenn die Menschen zunehmend enttäuscht seien. «Es ist normal, wenn die Leute über die Massnahmen frustriert zeigen, ich bin es auch. Niemand mag das Gefühl, nichts gegen ein sehr grosses Problem ausrichten zu können».

Die Privatisierung der Katastrophe

Die Lösung scheint einfach, doch die Regierung darf aus rechtlicher Sicht die Initiative im Kampf gegen die Ölpest nicht an sich reissen, sagt Allen. Nach dem verheerenden Ölunglück, als der Öltanker «Exxon Valdez» 1998 in Alaska havarierte, entschied der Kongress, die Unternehmen müssten fortan im Falle der Katastrophe geradestehen. Sie sollten zur Verantwortung gezogen werden können und auch selbst die Kosten der Aufräumarbeiten tragen - unter Aufsicht der Behörden.

Unterdessen hat die BP angekündigt, es werde mindestens bis Dienstag dauern, bis der nächste Versuch gestartet werden könne, das leckgeschlagene Bohrloch abzudichten. Ingenieure wollen versuchen, das Bohrloch mit Schlamm zu versiegeln. Der sogenannte «Top Kill» wurde an Land schon oft angewendet, doch in etwa 1500 Metern Tiefe, am Grund des Golfs, wurde so etwas noch nie versucht.

Die vergangene Woche haben Wissenschaftler und Ingeneure Messungen gemacht und Vorbereitungen getroffen. Eigentlich hätte der Versuch bereits dieses Wochenende stattfinden sollen. Der Sprecher der BP, Tom Mueller, sagte, der Konzern müsse noch seine Ausrüstung an den Einsatzort bringen und die letzten Tests abwarten, bevor die Mannschaft mit der Prozedur anfangen könne: «Es dauert seine Zeit. Sie nehmen sich diese Zeit. Es ist bisher noch nie gemacht worden. Sie müssen sicherstellen, dass alles stimmt.» Zäher Schlamm soll in die Quelle gedrückt werden, dann soll das Leck permanent mit Zement versiegelt werden.

Niemand weiss, was funktioniert

Zwar hat es die BP geschafft, einen Saugstutzen in das abgebrochene Rohr einzuführen, aus dem das meiste Öl austritt. Damit werden im Schnitt 35'000 Liter täglich abgesaugt. Doch das entspricht nicht einmal der Hälfte der Menge, die aus dem Leck austritt.

Seit dem Unfall vor einem Monat sind geschätzte 22,7 Millionen Liter Rohöl ins Meer entwichen. Das ist bereits mehr als die Hälfte der Menge, die Ende der 80er Jahre in Alaska aus der «Exxon Valdez» ausliefen. Das Unglück damals zählt als bisher grösste Ölkatastrophe.

Ed Overton von der State University of Louisiana sagt, dass das «Top Kill»-Experiment, wenn es schiefgeht, auch dazu führen könnte, dass noch mehr Lecks entstehen. Die BP hat erklärte, es gebe nur eine garantierte Lösung des Problems - das Öl über Ersatzbohrlöcher abzupumpen. Es wird schon gebohrt, doch die Arbeiten werden voraussichtlich noch einen Monat dauern.

ddp/sda/afp/vin

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