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«Die Vernehmung von Sabine W. ähnelt dem ‹an den Pranger stellen›»

Im Kachelmann-Prozess ist Sabine W. einem Vernehmungsmarathon ausgesetzt. Was dies für die 37-jährige Frau und den Ausgang des Prozesses bedeutet, erklärt die Zürcher Rechtsprofessorin Brigitte Tag.

Johann Schwenn erhebt nach dem Urteil schwere Vorwürfe gegen das Mannheimer Gericht. (31. Mai 2011)
Johann Schwenn erhebt nach dem Urteil schwere Vorwürfe gegen das Mannheimer Gericht. (31. Mai 2011)
Keystone
Kolumnistin Alice Schwarzer prangert das «frauenfeindliche Justizsystem» an.
Kolumnistin Alice Schwarzer prangert das «frauenfeindliche Justizsystem» an.
Reuters
Sabine W. – hier mit einer Buchbotschaft zu Kachelmann – hat im Oktober an vier Tagen vor dem Mannheimer Landgericht ausgesagt. Sie wurde mehr als 20 Stunden befragt.
Sabine W. – hier mit einer Buchbotschaft zu Kachelmann – hat im Oktober an vier Tagen vor dem Mannheimer Landgericht ausgesagt. Sie wurde mehr als 20 Stunden befragt.
Keystone
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Fast 20 Personen - Richter, Staatsanwälte, Gutachter und Verteidiger - befragen Sabine W. ausführlich während mehreren Tagen. Wie stark gefährdet diese ungewöhnliche Vernehmungssituation die Wahrheitssuche im Kachelmann-Prozess?Brigitte Tag: Diese Drucksituation spielt eine grosse Rolle. Denn die Bürde, die auf dem mutmasslichen Opfer lastet, alles «richtig» zu machen, ist immens. Auch kann die Autorität des Befragers und die Anzahl der Gutachter, die die Befragung beobachten, suggestive Wirkung haben. Auch wenn alle Beteiligten, namentlich das Gericht und die Gutachter dies wissen und mit in ihre Bewertung einstellen müssen, bleibt dennoch ein Beurteilungsspielraum, der letztlich nicht überprüfbar ist. Es gilt jedoch: Je häufiger jemand vernommen wird, umso besser kann man in der Regel seine Ausführungen einschätzten. Weichen die Aussagen im Laufe des Verfahrens voneinander ab, so kommt zumeist der Erstaussage unmittelbar nach der potenziellen Tat besondere Bedeutung zu. In diesem Zeitpunkt verfügt der Zeuge – wenn er nicht traumatisiert ist – noch über eine gute Erinnerung. Er erzählt in der Regel spontan und ausführlich und frei von Zwängen.

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