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Die «Sun» will ein neues Image – ohne nackte Brüste

Die britische Zeitung «Sun» verzichtet auf komplett entblösste Frauen im Blatt.

Die Seite 3 der «Sun» war seit langem umstritten. Foto: Screenshot
Die Seite 3 der «Sun» war seit langem umstritten. Foto: Screenshot

Nach 44 Jahren scheint das britische Boulevardblatt «The Sun» bereit zu sein, auf seine bekannteste und umstrittenste Einrichtung zu verzichten. Die Zeitung, hiess es jetzt in London, wolle künftig keine barbusigen Mädchen und Frauen auf ihrer Seite 3 mehr drucken – nur auf gewissen Webseiten der «Sun», ganz diskret, werde man die «Page 3 girls» noch finden. Das gedruckte Ende ebendieser hat bei Politi­kerinnen, Aktivistinnen und Kommentatoren beiderlei Geschlechts auf der Insel Beifall ausgelöst. «Längst überfällig» sei diese Entscheidung gewesen, meinte Bildungsministerin Nicky Morgan von den Konservativen. Die Labour-Abgeordnete Stella Creasy erklärte, endlich würden Frauen auch von der «Sun» nicht länger nur als Sexobjekte be­handelt.

Eine feste Institution

In der Tat hat sich die «Page 3» der «Sun» erstaunlich lange halten können. Im Herbst 1970, kurz nach dem Erwerb der Londoner Zeitung durch den australischen Verleger Rupert Murdoch, war sie vom damaligen Chefredaktor Larry Lamb eingeführt worden. Seit jenen Tagen haben sich die Topless-Bilder in der «Sun» an der immer gleichen Stelle zur festen Institution entwickelt.

Widerstand gegen die «Degradierung von Frauen» auf der dritten Seite der «Sun» gibt es freilich nicht erst seit kurzem. Politikerinnen riefen schon in den 90er-Jahren zu Protesten und Boykotten auf. Vor zweieinhalb Jahren entfachte die Akti­vistin Lucy Ann Holmes neuen ­Wirbel mit ihrer Kampagne «No more page 3» (Keine Seite 3 mehr). Fast eine Viertelmillion ihrer Landsleute unterzeichnete die Petition gegen die Seite. Auch Rupert Murdoch begann sich nach und nach zu fragen, ob die «Page 3» noch zeitgemäss sei, und ob die «Sun» nicht ein neues Image vertragen könnte – zumal auch die «Page 3» den Auflagenschwund der «Sun» im Zeichen der Zeitungskrise nicht aufzu­halten vermochte. 2014 liess Murdoch persönlich über Twitter vernehmen, die «Page 3» sei etwas «altmodisch» geworden.

Nicht allen Murdoch-Kritikern ist es natürlich genug, dass sich nun die Mannequins der Nation in der «Sun» halt in Bikinis oder Unterwäsche statt wie bisher oben ohne tummeln. Noch immer werde Mädchen so in den Kopf gesetzt, dass sie nicht für besondere Leistungen geschätzt würden, sondern bloss «schmü­ckendes Beiwerk» seien und sexy auszusehen hätten, klagt die Kampagnenführerin Lucy Ann Holmes. Immerhin sieht auch sie «einen Schritt in die richtige Richtung», bei der Neuorientierung des Blattes. Allerdings behält sich die «Sun» offenbar vor, den Schritt rückgängig zu machen – falls sie das Ende der alten «Page 3» zusätzlich Auflage kosten sollte, statt ihr zum erhofften neuen Image zu verhelfen.

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