«Die Sturmwarnung war gerechtfertigt»

Die Warnung von Meteo Schweiz am Freitag war dramatisch: Ein schwerer Sturm steure auf das Land zu. Es kam anders. Der Wetterdienst nimmt nun Stellung. Zudem wird klar: Der Sommer 2011 war zu warm.

Glaubt nicht, dass die Glaubwürdigkeit des nationalen Wetterdienstes gelitten hat: Peter Binder von Meteo Schweiz. (Video: Keystone)

Meteo Schweiz hat am Freitag die erste offizielle Unwetterwarnung des Bundes herausgegeben. Meteo Schweiz rief die Warnstufe 4 aus, die «grosse Gefahr» bedeutet. Der Bund rief dazu auf, Wälder und Bäche zu meiden. Zelte und Wohnwagen sollten verlassen werden. Doch der gewaltige Sturm mit Blitz und Hagel blieb dann aus.

Der Leiter Wetter bei Meteo Schweiz, Peter Binder, erklärt im Video-Interview mit Keystone, dass man weitere Abklärungen vornimmt, bevor man entscheidet, ob im Fall der Sturmwarnung vom Freitag künftig anders entschieden würde.

Der Sommer 2011 war zu warm

Auch wenn die diesjährige Sommerferienzeit den Daheimgebliebenen als viel zu kalt und nass in Erinnerung bleibt, war der Sommer 2011 punkto Regen und Sonnenschein ein Durchschnittssommer. Und auch wenn viele im Juli und August die Heizung anstellten: Der Sommer war gar ein Grad zu warm.

Dieses Bild ergibt sich nach Angaben der Wetterredaktion des Schweizer Fernsehens, SF Meteo, wenn man alle drei Sommermonate betrachtet. Gemäss den SF-Meteorologen entsprach die Sonnenscheindauer dem langjährigen Mittel. In der Ostschweiz schien sogar etwas mehr Sonne, im Rest der Schweiz machte sich die Sonne aber etwas rarer als in anderen Jahren.

Verregnete Sonnenstube

Wird die durchschnittliche Niederschlagsmenge betrachtet, gibt es zwei Ausreisser: Im Wallis war es etwas zu trocken, in der Ost- und Südschweiz, besonders im Tessin, viel zu nass. In der gesamten Südschweiz hat es im Juni und Juli immer wieder kräftig geregnet, im Nordtessin und am Lago Maggiore war auch noch der August deutlich zu nass gewesen, wie SF Meteo schreibt.

So fielen im oberen Maggiatal am 17. Juli 122 Liter Regen pro Quadratmeter, in Locarno am 7. August 119 Liter pro Quadratmeter. Auch in Chur war der Sommer verregnet: Die Niederschlagsmenge von Juni bis August lag dort 47 Prozent über dem langjährigen Durchschnittswert.

August-Hitzewelle erreicht Rekordwerte

Im August wiederum schwitzte die Bevölkerung: Die Hitzeperiode in der zweiten Augusthälfte war «aussergewöhnlich», schreiben die Meteorologen. Dabei dauerte die Hitzewelle mit zehn Tagen am Stück im Wallis am längsten, im Mittelland schwitzten die Menschen zwischen fünf und neun Tagen am Stück.

Das Thermometer stieg im August erstmals wieder auf ähnlich hohe Werte wie im Hitzesommer 2003. So wurden in Sitten am 22. August 36,8 Grad gemessen. Über 35 Grad wurden auch in Chur, im unteren Aaretal, in Basel und in Chiasso erreicht.

Juli: Gewitter, Hagel und viel Regen

Ebenfalls heftig waren die Gewitter, die im Juli trotz fehlender Hitze die Deutschschweiz heimsuchten. So trafen Gewitter, Regen und Hagel am Sonntag, den 10. Juli, fast die ganze Ostschweiz. In St. Gallen gingen damals 45 Liter Niederschlag pro Quadratmeter nieder.

Das Resultat des Gewitterzugs in der Ostschweiz: Bäche traten über die Ufer, Keller und Tiefgaragen liefen voll, Bäume blockierten Strasse und Schiene, und an einigen Orten wie in Herisau und Schwellbrunn AR mussten Menschen ihre Häuser wegen der Gefahr von Erdrutschen verlassen. Allein im Kanton Appenzell Ausserrhoden betrug der Sachschaden etwa 10 Millionen Franken.

Nur zwei Nächte später verursachten heftige Gewitter in den Kantonen Solothurn, Aargau und Zürich schwere Schäden. Die Schadensbilanz dieser Gewitternacht allein im am schwersten getroffenen Aargau: bis zu 130 Millionen Franken, wie ein Blick auf die Internet-Seite der Aargauischen Gebäudeversicherung zeigt.

bru

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