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«Die Menschen stürzten sich aus dem Ballon»

In der Nähe der ägyptischen Stadt Luxor ist ein Heissluftballon mit 21 Touristen an Bord abgestürzt, 19 von ihnen starben. Schuld am Unglück war offenbar ein gerissener Gasschlauch, der eine Explosion auslöste.

Ursache war ein gerissener Gasschlauch: Ein Video zeigt, wie der Ballon gegen Ende der Fahrt Feuer fängt und abstürzt. (26. Februar 2013)
Ursache war ein gerissener Gasschlauch: Ein Video zeigt, wie der Ballon gegen Ende der Fahrt Feuer fängt und abstürzt. (26. Februar 2013)
Keystone/Al-Jazeera
21 Menschen waren an Bord: Der abgestürzte Heissluftballon. (26. Februar 2013)
21 Menschen waren an Bord: Der abgestürzte Heissluftballon. (26. Februar 2013)
AFP
Briten, Franzosen und Bürger weiterer Nationen seien beim Unglück gestorben. (26. Februar 2013)
Briten, Franzosen und Bürger weiterer Nationen seien beim Unglück gestorben. (26. Februar 2013)
Twitter/@Chrismichel
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Was als morgendlicher Panoramaflug über der ägyptischen Tempelstadt Luxor begann, endete in einem Flammeninferno: Bis zu 19 Menschen stürzten in den Tod, als ihr Heissluftballon in etwa 300 Metern Höhe Feuer fing und explodierte. Die meisten Touristen kamen aus Hongkong, aber auch Briten, Franzosen und Japaner waren an Bord. Deutsche und Schweizer waren nicht unter den Toten.

Ein defekter Gasschlauch soll zum Absturz eines Heissluftballons über der ägyptischen Stadt Luxor geführt haben. Das berichtet das Nachrichtenportal «al-Ahram» unter Berufung auf die Firma, die den Ballon am Morgen mit 21 Menschen in die Luft geschickt hatte. Ein Mitarbeiter sagte, der Schlauch sei kurz vor der geplanten Landung gerissen. Die anschliessende Explosion des Gastanks habe den Ballon über dem Stadtteil Kurna erst in rasender Geschwindigkeit auf eine Höhe von 400 Metern aufsteigen lassen. Dann sei er zerplatzt.

Der Korb stürzte auf ein Zuckerrohrfeld im Westen der Stadt. Alle Leichen wurden geborgen. Die Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen eingeleitet.

Zu den Toten zählten neun Touristen aus Hongkong, vier Japaner, drei Briten, zwei Franzosen und ein Ungar, sagte der Behördenvertreter AFP.

Zwei Überlebende des Unglücks, unter ihnen der Ballonführer, seien ins Krankenhaus gebracht worden.

Fünf Frauen und vier Männer

Ein Hongkonger Reiseunternehmen bestätigte, dass «sehr wahrscheinlich» neun Urlauber aus Hongkong unter den Toten seien. Dabei handele es sich um fünf Frauen und vier Männer, sagte der Chef des Reisebüros Kuoni, Ng Do Wing. Der Reisekonzern Thomas Cook erklärte, zwei Briten seien sofort tot gewesen, ein dritter sei später seinen Verletzungen erlegen. Ein vierter Brite wurde demnach verletzt. Das französische Aussenamt bestätigte den Tod zweier Franzosen.

Nach Angaben des ägyptischen Gesundheitsministeriums kamen 14 Menschen ums Leben, vier weitere würden noch vermisst. Das Tokioter Aussenministerium bestätigte, es seien vier Japaner in dem Ballon gewesen. Laut dem japanischen Reiseunternehmen JTB waren vier seiner Kunden an Bord, mindestens zwei von ihnen seien vermutlich tot.

Explosion in der Luft

«Wir fuhren über die antiken Ruinen. Kurz vor der Landung hörte ich eine Explosion, Rauch stieg auf. Ich glaube, es war der Ballon hinter mir», sagt ein Fotograf, der an der Ballonfahrt teilnahm, gegenüber BBC. Das ganze Ausmass der Katastrophe sei erst nach der Landung klar geworden.

Auch eine zweite Passagierin berichtet von einer Explosion und Flammen an Bord des abgestürzten Ballons. «Die Menschen stürzten sich aus dem Ballon, ungefähr aus der Höhe eines etwa siebenstöckigen Gebäudes.»

«Einfach schrecklich»

Eine Mitarbeiterin des Ballonfahrtunternehmens Sky Cruise sagte, der Ballonführer und der zweite Überlebende hätten sich durch einen Sprung aus dem Ballon gerettet, bevor dieser aufgeschlagen sei. «Das ist schrecklich, einfach schrecklich», sagte die Mitarbeiterin über das Unglück. Bislang sei unklar, wie es dazu kommen konnte.

Der Gouverneur von Luxor, Essat Saad, verfügte ein vorläufiges Verbot von Ballonflügen in der Region, wie die amtliche Nachrichtenagentur Mena meldete. Regierungschef Hischam Kandil ordnete Ermittlungen an.

Keine Schweizer unter den Toten

Der Kommunikationschef von Kuoni Schweiz, Peter Brun, bestätigte auf Anfrage, dass neun Kunden von Kuoni Hongkong beim Absturz ums Leben kamen. Schweizer Kunden seien nicht betroffen. Kuoni Schweiz arbeitet laut Brun nicht mit diesem Anbieter zusammen. Momentan würden aber keine Ausflüge mehr angeboten, bis die Ursache klar sei.

TUI Suisse arbeite ebenfalls nicht mit dem betroffenen Anbieter zusammen, wie Sprecher Roland Schmid sagte. Die Situation werde aber genau verfolgt.

Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) teilte mit, die Betreiberfirma habe gegenüber einem EDA-Vertreter in Kairo bestätigt, dass keine Schweizer Staatsangehörige Opfer dieses tragischen Unglücks geworden seien. Eine offizielle Bestätigung stehe aber noch aus.

Nicht der erste Heissluftballon-Unfall

Der Ballon hatte das westliche Ufer des Nils von Luxor überflogen. Rettungskräfte sperrten den Absturzort in einem Zuckerrohrfeld ab und durchsuchten die ausgebrannten Reste des Ballons. In Luxor, Teil des alten Theben, befinden sich einige der berühmtesten archäologischen Stätten Ägyptens wie das Tal der Könige. Die Zahl der Touristen hat sich seit dem Sturz des früheren Machthabers Hosni Mubarak vor zwei Jahren und der nachfolgenden Instabilität im Land drastisch verringert.

2009 waren 13 ausländische Urlauber in Luxor verletzt worden, als ihr Heissluftballon gegen einen Strommast gestossen und abgestürzt war. Anfang 2012 starben elf Menschen in Neuseeland, als ein Ballon nördlich von Wellington in Brand geriet.

In Deutschland wurden im Juni 1999 vier Menschen getötet, als ein Heissluftballon nahe des nordrhein-westfälischen Ibbenbüren in eine Hochspannungsleitung geriet. Sechs Menschen kamen 1993 in den USA ums Leben, als ihr Heissluftballon gegen eine Stromleitung stiess, die Gondel abriss und etwa 30 Meter in die Tiefe stürzte.

AP/AFP/sda/bru/mw/fko

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