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Die Massenpanik brach 25 Minuten vor dem Jahreswechsel aus

Tödliche Silvesterfeier in Shanghai: Kurz vor Mitternacht brach an einem überfüllten Platz in der chinesischen Stadt Panik aus. Dutzende Menschen kamen ums Leben. War ein Geldregen der Grund für das Drama?

Polizisten in Shanghai bewachen die Gedenkstätte für die Toten in der Silvesternacht. (2. Januar 2015)
Polizisten in Shanghai bewachen die Gedenkstätte für die Toten in der Silvesternacht. (2. Januar 2015)
AP Photo/Ng Han Guan
Viele Tote bei Massenpanik: Grosse Trauer in Shanghai am Tag nach der Katastrophe. (1. Januar 2015)
Viele Tote bei Massenpanik: Grosse Trauer in Shanghai am Tag nach der Katastrophe. (1. Januar 2015)
AFP
Schock nach der Massenpanik: Jugendliche auf dem Chen-Yi-Platz in Shanghai. (1. Januar 2015)
Schock nach der Massenpanik: Jugendliche auf dem Chen-Yi-Platz in Shanghai. (1. Januar 2015)
Reuters
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Bei einer Massenpanik am Silvesterabend sind in der chinesischen Millionenstadt Shanghai 36 Menschen ums Leben gekommen. 47 weitere wurden verletzt. 13 von ihnen hätten schwere Verletzungen und seien noch nicht ausser Lebensgefahr, meldet die Nachrichtenagentur China News nach einem Krisentreffen der Stadtregierung.

Das Unglück passierte 25 Minuten vor dem Jahreswechsel auf dem von Menschenmassen überfüllten Chen-Yi-Platz auf dem Bund, der berühmten historischen Uferpromenade der Metropole am Huangpu-Fluss.

Menschen wurden niedergetrampelt. Auf Fotos ist zu sehen, wie Menschen regungslos auf der Strasse lagen. Passanten versuchten verzweifelt, sie wiederzubeleben.

(Video: Reuters)

Die Polizei bemühte sich, in den Menschenmassen eine Gasse für Ambulanzen freizumachen, um überhaupt Verletzte in Spitäler bringen zu können. Polizisten bildeten einen Kette, um die Massen abzudrängen, während Kollegen und Helfer Verletzte und leblose Körper in Polizeiwagen trugen, wie auf einem Video im Internet zu sehen war. Viele junge Leute sind unter den Toten.

Viele Shanghaier legten am Neujahrstag spontan Blumen am Unglücksort am Bund, der Uferpromenade der ostchinesischen Hafenmetropole, nieder. Unter den Toten sind 25 Frauen und 11 Männer. Ihr Alter wurde in Staatsmedien mit 16 bis 36 Jahren angegeben.

Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping ordnete eine sofortige Untersuchung des Unglücks an und rief zu verstärkten Sicherheitsvorkehrungen auf, damit sich eine solche Tragödie nicht wiederholen könne.

Noten als möglicher Auslöser

Aus einem der Luxus-Clubs in den historischen Gebäuden am Bund war «Neujahrsgeld» in Form von 100-US-Dollar-Noten geworfen worden, berichteten Augenzeugen in chinesischen sozialen Medien. Fotos zeigten auf dem Boden liegende, nachgemachte Noten mit dem Aufdruck «Neujahr 2015» und dem Namen des berühmten Nachtclubs «M18».

«Oben flog Geld», sagte ein Verletzter im Spital nach Angaben der chinesischen Zeitung «The Paper». Es sei so gewesen, als wenn «ganz viel Geld heruntergeworfen wird, alles US-Dollar». Die Leute hätten «da wird Geld geworfen» gerufen. Chaos sei ausgebrochen und die ersten seien niedergetrampelt worden, schilderte er.

Ein Reporter vor Ort berichtete, das «Neujahrsgeld» habe wie Coupons ausgesehen. Es seien einfach «zu viele Menschen» auf der Strasse gewesen, sagte ein anderer Augenzeuge.

Gegenüber der Skyline

Der Chen-Yi-Platz am historischen Peace Hotel und die Flusspromenade sind berühmte Aussichtsplattformen gegenüber der Skyline mit den gigantischen Hochhäusern von Pudong. Hunderttausende hatten sich zum Jahreswechsel am Ufer und auf der entlang laufenden breiten Strasse versammelt.

«Wir waren unten an den Treppen und wollten nach oben gehen und diejenigen, die oben waren, wollten heruntergehen», sagte ein verletzter Mann dem Fernsehsender Shanghai TV. «Dadurch wurden wir von den Leuten, die von oben kamen, nach unten gedrückt.» Alle Menschen, die die Stufen hinaufsteigen wollten, seien dann hingefallen.

Eine junge Geschäftsfrau sagte: «Ich hörte Menschen schreien, irgendjemand fiel hin, Leute riefen «Keine Eile».» Freunde, mit denen sie zusammen feierte, habe sie nicht erreichen können. «Dort waren so viele Menschen und ich konnte nicht richtig stehen.»

Gerangel im Spital

«Einige Menschen sind hingefallen», schrieb die Polizei von Shanghai auf dem chinesischen Kurznachrichtendienst Weibo. Sie rief die Menschen im Hafenviertel auf, den Anweisungen der Polizei Folge zu leisten und den Unglücksort vorsichtig zu verlassen.

Die meisten Toten wurden ins Erste Volkshospital gebracht, wo es in den Nacht zu Zwischenfällen zwischen empörten Angehörigen und Polizisten kam, die im Spital für Ordnung sorgen mussten.

Feier abgesagt wegen befürchtetem Andrang

Ursprünglich war zum Countdown ins neue Jahr eine grosse Lasershow auf den historischen Gebäuden am Bund mit Feuerwerk um Mitternacht angekündigt gewesen. Doch hatte die Stadtregierung die vor drei Jahren zu Silvester aufgenommene und zunehmend beliebter gewordene Veranstaltung erst vor einer Woche kurzfristig abgesagt.

Nach Angaben der Zeitung «Shanghai Daily» hatten die Behörden zu viele Menschen und ein Verkehrschaos auf den Strassen und in den U-Bahnen erwartet. Im Vorjahr waren 300'000 Menschen gekommen.

Inoffizielle Feier

Eigentlich feiern die Chinesen Silvester nicht richtig, weil sie traditionell nach dem Mondkalender erst Wochen später das neue Jahr begrüssen. In diesem Jahr beginnt das Jahr des Schafes am 19. Februar.

So gibt es an Silvester auch kein Feuerwerk, sondern erst zum chinesischen Neujahrsfest, zu dem das Land rund eine Woche praktisch zum Stillstand kommt. Der Neujahrstag an diesem Donnerstag ist in China aber auch ein Feiertag.

sda/AP/bru

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