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Die Höllenengel sollen ins Gefängnis

Die Bundesanwaltschaft fordert wegen Marihuana-Handels im grossen Stil Freiheitsstrafen für vier angeklagte Hells Angels. Die Staatsanwältin zeigt wenig Verständnis für den Gruppenzwang bei den Rockern.

Nur wenige der geplanten Delikte wurden auch ausgeführt: Ein Mitglied der Hells Angels auf dem Weg ins Bundesstrafgericht. (4. September 2012)
Nur wenige der geplanten Delikte wurden auch ausgeführt: Ein Mitglied der Hells Angels auf dem Weg ins Bundesstrafgericht. (4. September 2012)
Keystone

Der Ex-Präsident der Zürcher Hells Angels soll laut Bundesanwaltschaft (BA) drei Jahre und neun Monate ins Gefängnis. Für die drei anderen Beschuldigten fordert die BA vom Bundesstrafgericht bedingte oder teilbedingte Freiheitsstrafen.

Für den Hauptbeschuldigten, einen ehemaligen Hells Angel und früheren Präsidenten des Zürcher Flügels, forderte die Staatsanwältin des Bundes Lucienne Fauquex heute eine unbedingte Freiheitsstrafe von drei Jahren und neun Monaten.

Landmann verlangt Freispruch

Er soll an allen Verbrechen beteiligt gewesen sein, also an Drogendelikten, versuchter Erpressung und Entführung sowie an Raubvorbereitungen. Sein Verteidiger Valentin Landmann verlangte einen Freispruch oder eine bedingte Strafe. Er wies auf die Kokainsucht seines Klienten in der fraglichen Zeit von 2003 und 2004 hin.

Für die restlichen drei Männer – zwei Zürcher und ein Lausanner Hells Angel – will die Staatsanwältin bedingte und teilbedingte Strafen von 14, 18 und 28 Monaten, in einem Fall zudem eine unbedingte Geldstrafe. Die Betroffenen sollen sich jeweils nur an einzelnen Delikten beteiligt haben.

Harleys einziehen

Geht es nach dem Willen der BA, sollen die bei zwei Beschuldigten beschlagnahmten Harleys eingezogen werden. Neben Landmann verlangte heute auch ein weiterer Verteidiger einen Freispruch. Die Rechtsvertreter der beiden anderen Angeschuldigten werden ihre Plädoyers erst morgen halten

Fauquex hatte das Marihuana-Business im grossen Stil als Kerngeschäft der Gruppe um den Ex-Präsidenten bezeichnet. Nach der Darstellung von Landmann hat sein Klient dagegen nur für eine damalige Millieugrösse Hanfernten eingebracht, wobei mangels Fachwissen erst noch der Grossteil vergammelt sei.

Die restlichen Vorwürfe der BA betreffen Taten, die letztlich nicht zu Ende geführt worden sind. Darunter figurieren Vorbereitungen für einen Raubüberfall auf einen Geldtransporter. Das Vorhaben wurde schliesslich abgeblasen, weil einer der Beteiligten merkte, dass er von der Polizei beschattet wurde.

Kein Verständnis für Gruppenverhalten

Weiter soll die Entführung eines Mannes vorgesehen gewesen sein, der etwas über den Verbleib der gestohlenen Harley-Davidson eines Klubkollegen gewusst haben soll. Nur an den Ex-Präsidenten richtet sich schliesslich der Vorwurf der versuchten Schutzgelderpressung bei einem Bordellbesitzer.

Wenig Verständnis liess die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer für das Gruppenverhalten der Hells Angels erkennen. Unter der «Anscheinsstärke» ihrer Vereinigung mache jeder einfach alles mit. Dies sei ein Verhalten, für das man bei Jugendlichen Verständnis aufbringen könne, nicht jedoch bei Erwachsenen.

Das Urteil wird erst in zwei Wochen verkündet werden. Ein erster Anlauf im Prozess gegen die vier Rocker war im letzten Oktober wegen dem Beweismittel-Chaos der BA gescheitert.

(SDA)

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