Die Frau, die ihre Geburt beweisen soll

Weil ihre Eltern Alecia Faith Pennington nie gemeldet haben, ist die Texanerin heute eine Sans-Papiers.

Ihre Eltern verweigern die Mithilfe: Alecia Faith Pennington war eine Hausgeburt und ist deshalb ohne Geburtsurkunde. Bild: PD

Ihre Eltern verweigern die Mithilfe: Alecia Faith Pennington war eine Hausgeburt und ist deshalb ohne Geburtsurkunde. Bild: PD

David Hesse@HesseTA

Sie will nichts Unerhörtes: einen Führerschein, ein Studium, einen Job. Doch für all das fehlt der 19-jährigen Alecia Faith Pennington ein entscheidendes Dokument: der Geburtsschein. Sie kann nicht beweisen, dass sie ist, wer sie zu sein behauptet. Sie sei in Texas zur Welt gekommen, sagt sie, doch ihre Eltern hätten sich nach der Hausgeburt nie um amtliche Schriften gekümmert. Pennington ist eine Papierlose: «Ich kann weder fliegen, wählen, noch ein Bankkonto eröffnen.»

Jetzt weiss halb Amerika von Pennington. Sie hat ein Video ins Internet gestellt, in dem sie die Öffentlichkeit um Unterstützung bittet: «Helft mir.» Die Behörden hätten ihr Gesuch um eine nachträgliche Geburtsurkunde wegen ungenügender Belege zurückgewiesen; Pennington hat nur einen Taufschein und eine eidesstattliche Erklärung der Grossmutter. Ihre Eltern, sagt sie, verweigerten jede Mithilfe. Wer je in einer vergleichbaren Situation gewesen oder Anwalt sei, solle sich doch per E-Mail melden.

Der Aufruf ist tausendfach verbreitet worden. Pennington hat einen Anwalt gefunden, der sich ihrer Sache annimmt – und eine Debatte über Elternfreiheit und Kinderrechte in den USA ausgelöst. Wie kann es sein, dass jemand scheitert, den Behörden seine Existenz zu beweisen? Und was nur denken sich diese Eltern?

Keine Schulzeugnisse

Probleme mit Geburtsscheinen haben in Texas sonst vor allem die Kinder illegaler Einwanderer. Die Penningtons aber sind definitiv US-Bürger: Vater James ist Steuerberater, Mutter Lisa betreibt einen christlichen Videoblog – zum Thema Kindererziehung. Sie sind Homeschooler: Tochter Alecia ist wie ihre acht Geschwister ihr Leben lang daheim unterrichtet worden. Deshalb hat sie auch keine Schulzeugnisse, die beim Identitätsnachweis helfen könnten. Homeschooling ist überall in den USA legal, doch Texas hat besonders lockere Gesetze: Eltern müssen niemanden informieren, wenn sie ihre Kinder zu Hause behalten. 2010 waren die Penningtons die Familie des Jahres der texanischen Homeschooler-Vereinigung.

Doch Alecia Faith wurde es zu eng in der prämierten Familie. Nach einem Besuch ihres Grossvaters setzte sie sich in dessen Auto und bat ihn loszufahren. «Wie hätte ich Nein sagen können? Sie ist meine Enkelin», erzählte der Opa später der Klatschpresse. Von den Vorwürfen ihrer Tochter wollen die Eltern erst aus dem Video erfahren haben. Kaum etwas davon sei wahr, sagte die Mutter in einem eigenen Facebook-Film. Ihres Wissens habe die Hebamme die Ausstellung eines Geburtsscheins veranlasst, nur fände sich heute im ganzen Haus keine Kopie davon. «Wir sind gern bereit, alles zu unterschreiben, was ihr hilft.»

Penningtons Problem hat einen Namen: Identifikationsverweigerung. Gewisse Eltern würden versuchen, ihre Kinder so auch als Erwachsene unter Kontrolle zu behalten. Das soll in Texas nicht länger möglich sein. Im Parlament ist ein Vorstoss hängig, der die Eltern verpflichten würde, die Geburt ihres Kindes schriftlich zu bestätigen. Die Vorlage hat gute Chancen; selbst im ultrafreiheitlichen Texas soll niemand so frei sein, das Leben seiner erwachsenen Kinder sabotieren zu können.

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