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Die Betrüger, die Steve Martin hereinlegten

In Köln standen vier mutmassliche Kunstfälscher vor Gericht. Ihnen wird vorgeworfen, mit Kopien von Avantgarde-Werken rund 16 Millionen Euro ergaunert zu haben. Zu ihren Opfern gehören Sammler und Prominente.

Sehen den Originalen verblüffend ähnlich: Ein Journalist betrachtet die Fälschungen des Betrüger-Quartetts.
Sehen den Originalen verblüffend ähnlich: Ein Journalist betrachtet die Fälschungen des Betrüger-Quartetts.
Keystone

Jahrelang soll ein Betrügerquartett die Kunstwelt mit raffinierten Fälschungen übers Ohr gehauen haben. In Köln begann einer der grössten Kunstfälschungs-Prozess seit Jahrzehnten. Zum Prozessauftakt schwiegen die vier Angeklagten. Ihnen wird vorgeworfen, vermeintliche Meisterwerke in den Handel geschleust und so 16 Millionen Euro kassiert zu haben. Der spektakuläre Fälscherskandal hatte in der Kunstszene weltweit für Aufsehen gesorgt.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Quartett vor, über Jahre hinweg mindestens 14 raffiniert gefälschte Werke von Avantgarde-Künstlern des beginnenden 20. Jahrhunderts wie Max Ernst, Max Pechstein, Heinrich Campendonk, André Derain, Fernand Léger oder Kess van Dongen in den internationalen Kunstmarkt geschleust zu haben. Wegen weiterer 33 mutmasslich gefälschter Bilder wird derzeit noch ermittelt.

Mit den ergaunerten Millionen leisteten sie sich einen «luxuriösen Lebensstil» mit Millionen-Anwesen in Südfrankreich und Freiburg. Der Vorsitzende Richter Wilhelm Kremer präsentierte neue Beweismittel: mehrere Ordner mit Auszügen von Nummernkonten in Andorra.

Fiktive Sammlungen

Das Quartett soll vorgegeben haben, die Bilder stammten aus einer in Wahrheit nicht existierenden «Sammlung Werner Jägers» und einer ebenfalls fingierten «Sammlung Wilhelm Knops».

Auf der Anklagebank in dem Kölner Prozess sitzen die 53-jährige Enkelin des 1992 in Köln verstorbenen Unternehmers Werner Jägers, ihr 60-jähriger Ehemann und ihre 54 Jahre alte Schwester. Ebenfalls beschuldigt ist der 67-jährige Enkel des 1957 verstorbenen Wilhelm Knops. Die später über international renommierte Auktionshäuser und Galerien verkauften Fälschungen habe der «künstlerisch versierte» Schwiegersohn von Werner Jägers selbst oder mit Hilfe bislang unbekannter Mittäter angefertigt, sagte die Staatsanwältin.

Die Einschleusung der Bilder in den Kunstmarkt hätten die übrigen drei Angeklagten besorgt. Laut Anklage gelang es dem Quartett, Kunstexperten wiederholt hinters Licht zu führen - unter anderem, weil die Bande verschollene Werke gefälscht habe, von denen keine Abbildungen vorhanden seien.

Auch Steve Martin liess sich täuschen

Die Angeklagten hätten «Vermögensverluste grossen Ausmasses herbeigeführt», unterstrich die Staatsanwältin. Zu den Geschädigten zählten demnach Sammler im In- und Ausland. Auch der US-Schauspieler Steve Martin erwarb eines der gefälschten Bilder.

Beim Weiterverkauf der Bilder wurden teilweise immense Wertsteigerungen erzielt. So versechsfachte sich der Wert von zwei gefälschten Max-Ernst-Bildern, die eine Pariser Galerie Anfang 2002 für rund eine Million Euro gekauft hatte, bei den Weiterverkäufen bis 2008 auf fast sechs Millionen Euro. Ein weiteres gefälschtes Max-Ernst-Bild erzielte zunächst 1,7 Millionen Euro und ging später für 5,5 Millionen Euro an den US- Verleger Daniel Filipacchi. Die Folgeschäden des Kunstbetrugs werden auf fast 26 Millionen Euro geschätzt.

Wegen gewerbsmässigen schweren Betrugs und Urkundenfälschung drohen den Angeklagten Haftstrafen von einem Jahr bis zu zehn Jahren. Der Prozess soll am 21. September mit möglichen Aussagen der Angeklagten fortgesetzt werden. Insgesamt sind 40 Verhandlungstage bis März 2012 angesetzt.

SDA/kpn

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