«Der stärkste Hurrikan, der je auf Land traf»

Dorian hat mit Rekord-Windgeschwindigkeiten für Chaos und Zerstörung auf den Bahamas gesorgt – jetzt ist er auf dem Weg Richtung US-Küste.

Sturm Dorian sorgt für Zerstörung auf den Bahamas. Video: AP/Leser-Reporter
Yannick Wiget@yannickw3

Sie wussten, dass er kommt, und haben sich vorbereitet. Trotzdem hat der Hurrikan Dorian die Menschen auf den Bahamas überrascht. So einen gewaltigen Sturm haben die Inselbewohner noch nie erlebt. Mit einer ungeheuren Wucht peitschten Wind und Regen gegen die Häuser, Sturmfluten von bis zu sieben Meter Höhe überschwemmten ganze Landstriche. «Ich glaube, niemand hat mit einem Hurrikan von solcher Intensität gerechnet», sagte Joy Jibrilu, die Generaldirektorin des Tourismusministeriums.

Gestern wurde Dorian zu einem Sturm der gefährlichsten Kategorie fünf hochgestuft. Laut dem Nationalen Hurrikan-Zentrum der USA erreichte er Windgeschwindigkeiten von 185 Meilen, was 298 Kilometer pro Stunde entspricht. «Das ist der stärkste je aufgezeichnete Hurrikan, der im Atlantik auf Land traf», sagte die Behörde. Nur ein Hurrikan am Tag der Arbeit im Jahr 1935, bevor die Stürme überhaupt Namen trugen, war gleich mächtig.

Teilweise wurden sogar Windspitzen von 354 Kilometer pro Stunde gemessen. Zum Vergleich: Sturm Burglind, der vergangenes Jahr über die Schweiz fegte und viele Schäden verursachte, erreichte im Flachland 130 Kilometer pro Stunde – dreimal weniger.

Mit welcher zerstörerischen Wucht Dorian bei den Bahamas auf Land traf, zeigen eindrückliche Satellitenaufnahmen, die ein Forscher des Nationalen Zentrums für Atmosphärenforschung veröffentlicht hat:

Die US-Meteorologen mussten lange zurückblättern, um einen Hurrikan mit vergleichbarer Stärke wie Dorian zu finden. Allen erreichte im Jahr 1980 zwar zwischenzeitlich Windgeschwindigkeiten von bis zu 306 Kilometer pro Stunde. Als er damals auf Land traf, hatte er aber schon an Stärke verloren und deshalb weniger Zerstörung verursacht als befürchtet.

Ganz anders Dorian: Die Behörden in den Bahamas sprechen von «katastrophalen Schäden», die der Hurrikan hinterlassen hat. Noch ist das ganze Ausmass der Zerstörung nicht ersichtlich. Aber dort, wo der Sturm schon durchgezogen ist, steht nichts mehr.

Häuser sind eingestürzt, Bäume und Strommasten wie Streichhölzer umgeknickt, Autos wurden durch die Luft geschleudert. Lokale Medien sprechen vom ersten bestätigten Todesopfer. An vielen Orten gibt es zudem Überschwemmungen, mancherorts reicht das Wasser bis zu den Hausdächern.

Momentan befindet sich das Auge des Sturms immer noch über den Bahamas. Es bewegt sich nur langsam westwärts, mit einer Geschwindigkeit von etwa 7 Kilometer pro Stunde, Richtung US-Küste. Wann genau und wie stark der Hurrikan dort auf Land trifft, ist nicht sicher. Die Meteorologen tun sich schwer, seinen Weg vorauszusagen.

Sie gehen derzeit davon aus, dass Dorian spätestens am Dienstag das Gebiet vor Florida erreicht und später nach Norden in Richtung der Bundesstaaten Georgia und South Carolina abdrehen wird. Auch dort sind gefährliche Winde und Sturmfluten möglich. Bis zu 48 Kilometern ausserhalb des Sturmzentrums herrschen noch Hurrikan-Bedingungen.

Zuerst Florida, dann auch Georgia und South Carolina: Die US-Küste muss sich auf sehr gefährliche Winde einstellen. Grafik: Nationales Hurrikan-Zentrum

Inzwischen hat der Hurrikan ein wenig an Intensität verloren. Es wird aber befürchtet, dass er immer noch mit Stärke vier auf Florida treffen könnte. Sollten sich die Prognosen bestätigen, wäre Dorian der schlimmste Sturm an dieser Küste seit fast drei Jahrzehnten.

Hurrikan Andrew suchte Florida im Jahr 1992 mit Windgeschwindigkeiten von 266 Kilometer pro Stunde heim. 65 Menschen starben, 25’000 Häuser wurden zerstört und 160’000 Bewohner waren auf einen Schlag obdachlos. Andrew war eine der teuersten Naturkatastrophen in der US-Geschichte mit einem Gesamtschaden in Höhe von 48 Milliarden Dollar.

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