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Der Papst auf heikler Mission

Die Papstreise in den Libanon fällt in eine schwierige Zeit: Im Nachbarland Syrien wird Blut vergossen, die Christen in der Region fürchten um ihre Sicherheit. Der Papst trifft auf überzogene Erwartungen.

Sieht sich mit überzogenen Forderungen konfrontiert: Papst Benedikt XVI. (Archivbild)
Sieht sich mit überzogenen Forderungen konfrontiert: Papst Benedikt XVI. (Archivbild)
Keystone

Der Besuch des Papstes im Libanon gilt vordergründig einer katholischen Bastion im arabischen Raum. Knapp 35 Prozent der rund vier Millionen Einwohner des Landes gehören christlichen Kirchen an, die grossenteils mit Rom vereint sind. Wenn Benedikt XVI. jedoch morgen in das Land reist, sind damit Hoffnungen vieler Menschen nicht nur im Libanon, sondern im gesamten Nahen Osten verbunden. Dringend erwartet werden von verschiedenen Seiten etwa Worte zum blutigen Konflikt im benachbarten Syrien und zur Haltung des Vatikans zu einem Palästinenserstaat.

Der Papst besucht den Libanon von Freitag bis Sonntag. Für Benedikt XVI. ist es die 24. Auslandsreise seit seinem Amtsantritt im Jahr 2005. Seither war er vier Mal im Nahen Osten – in der Türkei, in Zypern sowie in Jordanien, Israel und den Palästinensergebieten.

Forderungen an den Papst

Die griechisch-katholische Kirche im Libanon rief den Papst im Vorfeld des Besuchs zur diplomatischen Anerkennung eines Palästinenserstaats auf. Zur Syrien-Frage geht derweil ein Riss durch das Land, selbst innerhalb der christlichen Gemeinschaften gibt es Unterstützer von Syriens Präsident Bashar al-Assad. Zehntausende Flüchtlinge aus Syrien leben zudem derzeit im Libanon.

Die Maroniten als grösste katholische Glaubensgemeinschaft im Land erwarten ein deutliches Signal zum Syrien-Konflikt. «Der Papst wird natürlich zu einem Ende der Spirale der Gewalt und des Hasses aufrufen», zeigte sich Kirchen-Patriarch Bechara Rai überzeugt. Dabei werde Benedikt XVI. auch ein Ende der Waffenlieferungen an die Konfliktparteien im Nachbarstaat verlangen.

Syrien-Konflikt greift auf Libanon über

Denn der Syrien-Konflikt griff jüngst auch auf den Libanon über. Die nordlibanesische Stadt Tripoli war seit Mai mehrfach Schauplatz tödlicher Gewalt zwischen sunnitischen Gegnern und alawitischen Anhängern von Syriens Präsident Assad. Doch der für den interreligösen Dialog zuständige Kardinal Jean-Louis Tauran schraubte die Erwartungen zurück: Es dürfe «keine politische Erklärung» zum Syrien-Konflikt erwartet werden, sagte er. Auch Papst-Sprecher Federico Lombardi betonte im Vorfeld der Reise, der Besuch sei vor allem geistlich geprägt.

Offiziell stehen im Zentrum der Reise die Unterzeichnung des päpstlichen Schlussdokuments zur Synode der katholischen Bischöfe aus dem Nahen Osten vom Oktober 2010 im Vatikan, das zu Frieden und Religionsfreiheit in der Region aufrufen soll. Auf dem Programm stehen zudem ein Treffen mit Präsident Michel Suleiman, der den Maroniten angehört, sowie Gespräche mit Religionsvertretern und Mitgliedern der Regierung. Geplant sind auch mehrere Grossgottesdienste mit dem 85-jährigen Oberhaupt der katholischen Kirche.

Wegen der angespannten Lage vor dem Hintergrund des Syrien-Konflikts versetzte die libanesische Regierung die Sicherheitskräfte in Alarmzustand, wie Innenminister Marwan Charbel der Nachrichtenagentur AFP sagte. Sorgen um die Sicherheit des Papstes während des Besuchs im Libanon versucht Sprecher Lombardi zu zerstreuen. Obwohl Benedikt XVI. in der Hauptstadt Beirut und ihrer Umgebung mehrfach mit seinem Papamobil umherfahren soll, gebe es keine solchen Befürchtungen.

Vertreter der radikalen schiitischen Hisbollah-Miliz, die an der libanesischen Regierung beteiligt ist, wird der Papst nach Lombardis Worten nicht gesondert, aber als Teil offizieller Delegationen treffen. Anders als in anderen Ländern der arabischen Welt gab es im Libanon zunächst keine Grossproteste gegen einen islamfeindlichen US-Film, in dem der Prophet Mohammed verunglimpft wird. Maroniten-Patriarch Rai sprach am Donnerstag von einem «Angriff auf alle Religionen» und verlangte, dass der Streifen zurückgezogen wird.

+++ Weitere Informationen zur Reise im Internet: www.lbpapalvisit.com +++

cfm/mt/gt

AFP/ses

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