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Der Luftsprung wird immer beliebter

Plötzlich steht neben jedem zweiten Haus auf dem Land ein Gerät namens Trampolin. Das Hüpfen soll fit und glücklich machen - und ist weder ganz günstig noch ungefährlich.

Auf der Fahrt durchs Appenzellerland, kürzlich, drängten sich Fragen auf: Warum zum Teufel sind die modernen Miststöcke auf Stelzen gebaut und immer leer? Bis ich in einem dieser Dinger ein jauchzendes Menschlein durch die Luft sausen sah. Keine neue Variante des Miststocks also, sondern das Boomgerät schlechthin auf dem Schweizer Freizeitgerätemarkt: das Trampolin.

Wer ist nicht selbst als Kind, wenigstens in unbeobachteten Momenten, durch die Strassen gehüpft? Es hat etwas Beschwingendes, dieses Pseudo-Fliegen, es lässt uns die Schwere vergessen und für einen Augenblick dem Himmel nahe sein. Daraus ist ein regelrechter Markt entstanden; die Trampolin-Nachfrage explodiert. Sie hat sich gemäss einem der grossen Schweizer Importeure - Markus Diethelm, Geschäftsführer der Firma Noco Sports - in den letzten fünf Jahren verzwanzigfacht. Selbst Grossverteiler wie Coop, Migros, Aldi und Tchibo verschleudern mittlerweile Trampoline: schon ab 300 Franken. Die Qualitätsmarken beim Fachhändler kosten rund 400 Franken mehr. Nebst den eigentlichen Sprunggeräten gibts zahlreiche Zusätze: das «Sicherheitsnetz», das vor Sprüngen ins Leere schützen soll, die «kinderfreundliche Leiter», das «Verankerungsset», oder das «Sonnenzelt», das hitzige Springer vor Sonnenstich bewahren will. Alles zusammengerechnet kommt der Spass locker auf 1000 Franken. Noch teurer sind Geräte mit mehr als drei Meter Durchmesser und Spezialprodukte wie das «Spitzentrampolin mit Goldspring-Feder» (laut Eigenwerbung ein «Topmodell» für 1384 Franken). Damit würden die Sprünge «höher, sicherer und komfortabler», schwärmen die Händler.

Täglich ein Hüpfender im Spital

Sicherer? Spitäler zählen immer mehr kleine Patienten, die nach Trampolinunfällen bei ihnen landen zum Glück meist wegen harmloser Verstauchungen oder Brüche. Allein die Notfallstation des St.Galler Kinderspitals behandelt im Durchschnitt täglich mindestens einen jungen Luftspringer. Hauptproblem ist das gleichzeitige Hüpfen von mehreren Personen. Aus ärztlicher Sicht ist Trampolinspringen an sich nicht gesundheitsgefährdend: Weder Gelenke noch Rücken werden übermässig belastet. Die Branche betont dies gern. Sie gibt zudem Tipps, wie Unfälle vermieden werden können, und plädiert fürs Hüpfen anstelle von Joggen, denn Trampolinspringen sei deutlich wirksamer, was die Kalorienverbrennung anbelange. Es fördere Gleichgewichtssinn und Beweglichkeit und lasse den Körper Glückshormone ausschütten, was sich positiv auf die Psyche auswirke.

Wunderbar. Unklar bleibt: Warum finden sich ausgerechnet im Appenzellerland überdurchschnittlich viele Trampoline, wo der Mensch doch im hügeligen Freien dem Glück entgegenhüpfen könnte? Jedenfalls gehören für einmal die Landeltern zu den «Early Adapters», die einen Boom auslösen und alle andern, selbst die Städter, auf den Geschmack bringen. Schliesslich haben sie auch mehr Platz ums Haus und neben ihren Miststöcken.

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