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Der einsamste Mensch der Welt

Ein Mann lebt seit schätzungsweise 15 Jahren alleine in Brasilien, ohne Kontakt zur Aussenwelt. Um ihn herum befinden sich 80 Quadratkilometer unberührter Urwald.

Wild: Mitglieder eines unberührten Indianerstammes in Brasilien reagierten 2008 ängstlich auf das unbekannte Flugobjekt. Vom besagten Indianer in Rondonia, Brasilien, gibt es keine Bilder.
Wild: Mitglieder eines unberührten Indianerstammes in Brasilien reagierten 2008 ängstlich auf das unbekannte Flugobjekt. Vom besagten Indianer in Rondonia, Brasilien, gibt es keine Bilder.
Reuters

Gut möglich, dass er sich zeitweise für den einzig existierenden Menschen auf der Erde hielt. Jener Mann, der seit 15 Jahren alleine in Brasiliens Urwald lebt. In einer Hütte aus Palmzweigen soll er hausen und der einzige Überlebende eines unentdeckten Indianerstammes sein, wie das Online-Magazin «Slate» schreibt.

Die brasilianischen Behörden haben Mitte der neunziger Jahre von seiner Existenz erfahren. In zahlreichen Expeditionen versuchten sie, ihn ausfindig zu machen, um Kontakt aufzunehmen und sich nach seiner Gesundheit zu erkundigen. Die meisten Versuche blieben erfolglos.

Riesige Sperrzone

Als der Lebensraum des Eremiten durch Abholzung zu verschwinden drohte, errichtete man eine Sperrzone, um die Existenz des Indianers nicht zu gefährden. Seitdem lebt er in einem 80 Quadratkilometer grossen Reservat im brasilianischen Bundesstaat Rondonia.

Die Geschichte, so «Slate», bietet nur wenige vergleichbare Fälle. Bekannt ist jedoch der Fall der «einsamen Frau von San Nicolas», welche 1853 auf der Insel vor Kalifornien entdeckt wurde. Auch sie war gemäss den katholischen Priestern, welche sie fanden, Indianerin und die Letzte ihres Stammes. 18 Jahre lang soll sie in völliger Einsamkeit gelebt haben. Sie starb wenige Wochen nach ihrer «Rettung».

«Null-Kontakt-Politik»

Ein solches Ende wollen die brasilianischen Behörden verhindern. Darum setzten sie auf eine «Null-Kontakt-Politik». Nicht sie, sondern der Ureinwohner müsse sich für einen allfälligen Kontakt entscheiden.

Dass es so weit kommt, scheint jedoch eher unwahrscheinlich. Zumal der Indianer schon eine einschlägige Begegnung mit seinen Landesgenossen hatte. 1996 berichteten erstmals Holzfäller von einem einsamen Indianer im Busch. Forscher trafen später auf eine Hütte, die dem Eremiten offenbar gehörte. Und sie fanden noch weitere. Der Indianer war, so schien es, nomadisch von der einen zur anderen gezogen, sobald sich Holzfäller in seine Nähe begeben hatten.

In der Mitte jeder Hütte war ein rechteckiges Loch, über eineinhalb Meter tief, aber ohne ersichtliche Funktion. Die Art von Hüttenbau passte jedoch zu keinem bekannten Stamm. Später fand man auf abgeholztem Gebiet «Ruinen» weiterer Hütten, allesamt mit dem mysteriösen Loch. Die Forscher vermuteten, dass es sich dabei um das ehemalige Dorf des Indianers handelte.

Nackt und bewaffnet

Gegen 1996 trafen die Forscher dann bei einer Expedition auf den Gesuchten. Er war Mitte 30, nackt und mit Pfeil und Bogen bewaffnet. Er ernährte sich von Wild, das er geschossen oder mit Fallen gefangen hatte, sowie von Mais, den er anbaute. Als sich ein Forscher zu nah an ihn heranwagte, schoss er diesem einen Pfeil in seine Brust. Seitdem gab es keinen Kontakt mehr zwischen dem einsamen Indianer und der Aussenwelt.

Während in Brasilien einige glauben, der Indianer dürfte angesichts seines Bekanntheitsgrades bald nicht mehr alleine sein, sind andere der Ansicht, dass ihn genau dies vor weiteren Kontakten bewahren dürfte. Farmer jedenfalls verhehlen ihren Unmut darüber nicht, dass ein Mensch alleine so viel Land beansprucht, welches Nahrung für viele andere bieten könnte.

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