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Das schlimmste Lawinenunglück seit Jahren

Drama im Mont-Blanc-Massiv: Bei einem Lawinenunglück in den französischen Alpen sind neun Menschen ums Leben gekommen – darunter auch ein Schweizer. Vier zuvor Vermisste sind am Leben.

Eine der grössten Lawinenkatastrophen in Europa hat sich ereignet: Ein Rettungshelikopter vor dem Montblanc-Massiv in Chamonix. (12. Juli 2012)
Eine der grössten Lawinenkatastrophen in Europa hat sich ereignet: Ein Rettungshelikopter vor dem Montblanc-Massiv in Chamonix. (12. Juli 2012)
AFP
Grafische Darstellung des Unfallorts am Mont Maudit im Montblanc-Massiv (oben) und auf einem Kartenausschnitt Savoyens und der Westschweiz.
Grafische Darstellung des Unfallorts am Mont Maudit im Montblanc-Massiv (oben) und auf einem Kartenausschnitt Savoyens und der Westschweiz.
Keystone
Ein 40 Zentimeter dicker Eisblock soll das Unglück ausgelöst haben. (12. Juli 2012)
Ein 40 Zentimeter dicker Eisblock soll das Unglück ausgelöst haben. (12. Juli 2012)
AFP
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Es herrscht ideales Bergsteigerwetter, als die 28 Alpinisten von der Hütte «Refuges des Cosmiques» im Mont-Blanc-Massiv im ersten Morgengrauen aufbrechen. Ihr Ziel: Über den 4465 Meter hohen Mont Maudit zum höchsten Berg Europas, dem Mont Blanc. Doch um 05.25 Uhr geht beim Posten der Hochgebirgspolizei von Chamonix ein Notruf ein: Zwei Seilschaften wurden auf der Nordseite von einer Lawine auf etwa 4000 Meter Höhe mitgerissen.

Neun Tote, darunter ein Schweizer, und neun Verletzte sind bis zum Nachmittag die schreckliche Bilanz einer Bergtour. Das Eidg. Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) bestätigte am Nachmittag den Tod eines Schweizer Bürgers. Zudem habe ein Verletzter in die Schweiz gebracht werden können. Von weiteren Schweizer Toten oder Verletzten ist gemäss EDA nichts bekannt.

Alle Vermissten am Leben

Alle vier beim Lawinenunglück am Montblanc-Massiv zunächst vermissten Bergsteiger sind am Leben. Das berichteten die Nachrichtenagentur AFP und der Nachrichtensender BFM übereinstimmend. Zuvor hatte die Präfektur erklärt, dass sich zwei vermisste Briten selbst gemeldet hätten. Diese hätten eine andere Route genommen, während zwei weitere die Tour nicht angetreten hätten.

Zuvor waren schon zwei Verschüttete von den zahlreichen Einsatzkräften, die auch von italienischen Einheiten Unterstützung bekamen, gerettet worden. Helikopter und Lawinenhundestaffeln eilten zum Unglücksort. Ein verletzter Bergsteiger hatte den Alarm ausgelöst. Die Präfektur des Departements Haute-Savoie in Annecy geht davon aus, dass weitere Personen schon oberhalb der Lawine in Sicherheit waren, als sich das Schneebrett löste. «Es war eine gigantische Masse Schnee», berichtete ein französischer Fernsehkorrespondent. «Das Schneebrett war 100 Meter lang und vier Meter dick.»

Bergsteiger gut ausgrüstet

Unter den Toten sind nach der vorläufigen Bilanz auch drei Engländer, zwei Spanier und zwei Deutsche. Es handelt sich um eines der schwersten Lawinenunglücke in Frankreich der vergangenen Jahre. Der letzte Unfall in dieser Grössenordnung geschah im Sommer des Jahres 2008. Acht Bergsteiger – vier Deutsche, drei Schweizer und ein Österreicher – wurden auf dem Mont Blanc du Tacul von einer Lawine erfasst. Erst vorige Woche waren fünf Bergsteiger aus Deutschland in den Schweizer Alpen tödlich verunglückt. Sie waren vermutlich aus Erschöpfung am 4010 Meter hohen Lagginhorn abgestürzt.

Nach Einschätzung des Colonel der Brigade Haute-Savoie, Bertrand Francois, könnte ein Bergsteiger die Lawine losgetreten und damit die Tragödie selbst entfesselt haben. «Der Hang ist an dieser Stelle wirklich sehr, sehr steil.» Etwa 20 Menschen wurden mitgerissen, wird vermutet. Dabei waren die Bergsteiger gut ausgerüstet, betont der Bürgermeister von Chamonix, Eric Fournier. Auch professionelle Hochgebirgsführer waren bei der Tour dabei. Die Route sei eine der beliebtesten, um den Mont Blanc zu besteigen.

«Eine Lawine kann jederzeit abgehen»

«So eine Lawine kann jederzeit und überall und bei jedem Wetter abgehen», meinte der Hochgebirgsführer Jean-Lous Verdier im französischen Fernsehen. «Nichts lässt uns verstehen, warum das jetzt gerade dort und zu diesem Zeitpunkt passiert ist.»

Hüttenwartin Laurence Cantele lehnt mit Erschütterung in der Stimme jeden Kommentar zu dem Unglück ab. Nur so viel stand fest: Am nächsten Tag sollte keine weitere Gruppe in das Bergmassiv aufbrechen. Die Wetterprognosen waren zu schlecht.

Die Verletzten wurden zunächst ins Krankenhaus von Sallanches bei Cluses gebracht, drei von ihnen konnten bereits nach kurzer Zeit wieder entlassen werden. Im Krankenhaus von Chamonix wurden unterdessen die Toten aufgebahrt, damit die Angehörigen von ihnen Abschied nehmen können. Auch Übersetzer mit deutschen Sprachkenntnissen standen bereit.

Regina Weinrich/ dapd

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