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Charlies Eltern lassen nicht locker

Gibt es eine sinnvolle Behandlung für das schwer kranke Baby Charlie Gard? Die Eltern sagen Ja, die behandelnden Ärzte Nein. Jetzt muss erneut ein Gericht entscheiden.

Charlies Eltern und Pastor Mahoney (l.) beten für das Kind. Foto: Reuters
Charlies Eltern und Pastor Mahoney (l.) beten für das Kind. Foto: Reuters

In London hat sich um das Schicksal des elf Monate alten Babys Charlie Gard eine bittere Schlacht entwickelt. Charlie ist das Kind, dessen lebenserhaltende Apparaturen abgeschaltet werden sollen, weil es nach Überzeugung von Ärzten und Richtern grausam wäre, den Kleinen mit seinem schweren Gehirnschaden weiter am Leben zu halten. Charlies Eltern aber widersetzen sich dem vehement.

Der Fall hat Schlagzeilen gemacht, nachdem sich der Papst und der US-Präsident gleichermassen der Sache angenommen haben und jetzt die ersten Pro-­Life-Demonstranten vor dem Great Ormond Street Hospital, dem Top-Kinderspital des Landes, aufgezogen sind.Gestern ist die Sache zum zweiten Mal an den High Court, das höchste Gericht in London, gegangen. Der dortige Richter soll erneut darüber befinden, was im Interesse Charlies das Richtige ist: Ob er in Kürze in Great Ormond Street soll sterben dürfen – oder ob seine Eltern ihn in ein Flugzeug verfrachten dürfen, damit dem Kind in den USA eine «experimentelle Therapie» zuteilwerden kann.

Für Charlies Krankheit ist diese Behandlung noch nicht erprobt worden. Und die Ärzte der Londoner Kinderklinik sind sich einig, dass jegliche Behandlung «fruchtlos» wäre und «nur Charlies Leiden verlängern» würde.Das Kind hat eine seltene Erbkrankheit, die im Urteil der Ärzte einen «katastrophalen und unumkehrbaren» Gehirnschaden auslöste. Der Kleine kann weder sehen noch hören noch aus eigener Kraft atmen oder schlucken. Experimentelle Behandlung würde bei ihm nur «noch mehr Schaden anrichten».

Frist von 48 Stunden

Alle Gerichte haben dem Antrag des Spitals, die lebenserhaltender Massnahmen bei Charlie zu beenden, stattgegeben. Auch der von den Eltern angerufene Europäische Gerichtshof schloss sich diesem Urteil an. Aber die Eltern des Kindes, Connie Yates und Chris Gard, lassen nicht locker. Man habe hier «nichts zu verlieren», erklärte Yates, von Beruf Pflegerin. Selbst wenn Charlie bei experimenteller Behandlung nur eine 10-prozentige Chance hätte, sei es «den Versuch wert».

Am gestrigen Hearing vor dem Londoner High Court gab der Richter Charlies Eltern 48 Stunden Zeit, um neue Beweise vorzulegen zur Wirksamkeit dieser experimentellen Behandlung. Die müssten allerdings «drastisch» sein, um sein Urteil vom April umzustürzen.

Ein Brief «mit bisher unveröffentlichtem Testmaterial» von der zum Vatikan gehörenden Kinderklinik Bambino Gesù an die Kinderklinik hatte das Spital veranlasst, den High Court ­erneut anzurufen. Niemand möchte beschuldigt werden, nicht genug getan zu haben.

An einer Kundgebung am Sonntag wurde den Ärzten von Unterstützern der Eltern vorgeworfen, ihnen bedeute Charlies Leben wohl nichts. Der amerikanische Pro-Life-Pastor Patrick Mahoney betete am Bett des kleinen Charlie «für ein Wunder». Und in den USA haben zwei republikanische Kongressabgeordnete anerboten, Charlie und seinen Eltern Bleiberecht in den USA und kostenlose Behandlung zu verschaffen.

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