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Canyoning-Unglück: Anbieter war gegen schärferes Gesetz

Die Alpinschule, welche die tödliche Canyoning-Tour von Amden organisierte, erhob offenbar vor wenigen Monaten Einsprache gegen ein Gesetz, das Risikosportarten sicherer machen soll.

Hier begann die Tour: Die Einstiegsstelle der Canyoninggruppe in den Fallenbach unterhalb Amden SG. (8. Oktober 2012)
Hier begann die Tour: Die Einstiegsstelle der Canyoninggruppe in den Fallenbach unterhalb Amden SG. (8. Oktober 2012)
Keystone
«Die Gruppen waren gut vorbereitet»: Stefan Fischer, Chef der Firma Fischer Adventures, gibt den Medien Auskunft. (8. Oktober 2012)
«Die Gruppen waren gut vorbereitet»: Stefan Fischer, Chef der Firma Fischer Adventures, gibt den Medien Auskunft. (8. Oktober 2012)
Keystone
«Zum Glück konnte mein Guide Alarm schlagen, sonst wäre es für die andere Gruppe noch schlimmer ausgegangen»: Stefan Fischer von der Firma Fischer Adventures.
«Zum Glück konnte mein Guide Alarm schlagen, sonst wäre es für die andere Gruppe noch schlimmer ausgegangen»: Stefan Fischer von der Firma Fischer Adventures.
PD
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Nach dem Canyoning-Unglück vom Sonntag, bei dem zwei junge Menschen ums Leben kamen, hat die Staatsanwaltschaft St. Gallen eine Strafuntersuchung eingeleitet. Die Prüfung des Vorwurfs der fahrlässigen Tötung richtet sich nicht gegen bestimmte Personen.

Dies teilte die St. Galler Polizei am Montag in einem Communiqué mit. Wie bei solchen tragischen Unfällen üblich, würden neben den Beteiligten auch Sachverständige befragt, um die Unfallursache zu eruieren. Die Abklärungen dürften einige Zeit in Anspruch nehmen. Gemäss der Polizei liegen im Moment noch keine weiterführenden Informationen vor.

Einspruch gegen Zertifizierung

Organisiert hatte die tödliche Canyoning-Tour die Alpinschule Tödi GmbH in Kaltbrunn SG. Die Verantwortlichen der Alpinschule «bedauern den tragischen Unfall ausserordentlich und drücken den Hinterbliebenen ihr tiefstes Beileid aus», wie sie in einem Communiqué mitteilten. Wie bekannt wurde, ist die Alpinschule nicht Mitglied der Swiss Outdoor Association (SOA), dem Schweizer Dachverband der qualifizierten und kommerziellen Veranstalter im Outdoor- und Adventurebereich.

Auch über eine Zertifizierung durch die Stiftung Safety in Adventures verfügt die Schule laut Recherchen des «Tages-Anzeigers» nicht. Ab 2014 wird diese für sämtliche kommerziellen Veranstalter von Risikoaktivitäten in gebirgigem oder felsigem Gelände und in Flussgebieten Pflicht. Das entsprechende Bundesgesetz geht auf eine parlamentarische Initiative zurück, die als Folge des Unglücks im Saxetenbach mit 21 Toten im Jahr 1999 eingereicht worden war. Die überarbeitete Verordnung zum Gesetz soll in ein paar Monaten vorliegen. Viele Einsprachen hatten dazu geführt, dass sich die Inkraftsetzung des Gesetzes verzögert hat. Eine dieser Einsprachen machte ausgerechnet die Alpinschule Tödi, wie die TV-Sendung «10 vor 10» berichtete.

Erste Gruppe konnte sich retten

Bekannt ist bislang, dass sich zum Unglückszeitpunkt zwei Gruppen in der Fallenbach-Schlucht befanden. Sie waren mit zwei verschiedenen Schweizer Veranstaltern unterwegs und bestanden aus je einem Guide und sechs respektive vier Teilnehmern.

Die kleinere Gruppe alarmierte nach dem Wetterumsturz während des Ansteigens des Wassers Stefan Fischer, den Chef der Firma Fischer Adventures, und gleichzeitig die Rettungsflugwacht (Rega). Fischer konnte zusammen mit Helfern seine Gruppe selbstständig aus der Schlucht in Sicherheit bringen, wie er am Montag erklärte.

Er, Fischer, habe den Flughelfern der Rega gesagt, seine Gruppe brauche keine Hilfe. Aber weiter oben in der Schlucht befinde sich eine zweite Gruppe. Diese selbst habe keinen Alarm schlagen können, weil sie keinen Handy-Empfang gehabt habe.

Zwei Tote bei der zweiten Gruppe

Die Rega-Crew erblickte beim Suchflug die zweite Gruppe, die sich weiter oben in der Schlucht befand, und konnte mit einer Seilwinde fünf Canyoning-Teilnehmer aus ihrer Notsituation retten. Drei von ihnen mussten leicht verletzt in ein Spital eingeliefert werden.

Zwei Personen, eine deutsche Teilnehmerin und ein schweizerisch-belgischer Gruppenführer, wurden von Mitgliedern des Schweizer Alpen-Clubs (SAC) Stunden später tot aufgefunden.

Der Guide, der am Sonntag im Fallenbach sein Leben verlor, war seit drei Jahren bei der Alpinschule Tödi GmbH beschäftigt, wie es im Communiqué heisst. Er sei, wie alle Mitarbeitenden der Alpinschule, gut ausgebildet und erfahren gewesen.

Veranstalter: «Kein Starkregen»

Stefan Fischer ist seit 22 Jahren im Canyoning tätig. In diesen 22 Jahren habe er noch nie erlebt, dass der Fallenbach in Amden derart schnell so kräftig anstieg, sagte er an einer Medienkonferenz. Als die Gruppen in den Bach stiegen, habe es kaum geregnet, und die Daten der Meteorologen hätten keinen Starkregen erahnen lassen.

Beide Gruppen seien gut vorbereitet und mit erfahrenen, gut ausgebildeten Gruppenführern in den Bach gestiegen. Fischer nimmt an, dass im kalkigen Untergrund der Schlucht eine grosse Menge Wasser einen unterirdischen Weg in den Fallenbach fand und so dessen Pegel ansteigen liess. Geologen würden dies untersuchen.

Hanspeter Krüsi, Sprecher der St. Galler Kantonspolizei, bestätigte gegenüber der Nachrichtenagentur sda, dass auch solche Untersuchungen gemacht werden.

SDA/fko

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