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Busunglück: Rätselraten um Brandursache

Nach dem Busunglück mit 20 Toten auf der A2 bei Hannover rätseln die Ermittler weiter über die Ursache. Dass ein Raucher auf der Bus-Toilette das Feuer ausgelöst hatte, schliesst die Polizei mittlerweile aus.

(Video: Reuters)

Sie nehmen einen Schwelbrand an, der sich schlagartig über den ganzen Bus ausbreitete. Dass ein Raucher auf der Toilette – wie zunächst angenommen – das Feuer ausgelöst haben könnte, schloss die Feuerwehr wegen des «längeren Vorlaufs» des Brands aus. Die Staatsanwaltschaft leitete ein Ermittlungsverfahren wegen fahrlässiger Tötung ein und ordnete eine Obduktion der Toten an. In dem Bus waren nach Polizeiangaben 32 Passagiere und der Busfahrer.

Kurz vor dem Ausbruch des Brands habe der Busfahrer an der Raststätte Garbsen-Süd noch einen Stopp für Toilettengänge eingelegt. Eineinhalb Kilometer davon entfernt sei dann der Brand bemerkt worden. Nach Angaben des Ortsbrandmeisters Bernd Keitel drang Rauch aus der Toilettentür. Als eine Reisende die Tür geöffnet habe, seien ihr Flammen entgegengeschlagen. Explosionsartig hätten diese sich im ganzen Bus ausgebreitet.

Viele Tote im hinteren Teil des Busses

Nach Angaben der Feuerwehr entwickelte sich der Brand im mittleren Teil des Busses, in dem der zweite Ausgang und die Toilette waren. Den hinten sitzenden Passagieren sei vermutlich der Weg zum Ausgang in der Mitte versperrt gewesen, sagte Keitel. Die meisten Toten hätten sich im rückwärtigen Teil des Busses befunden.

Der Fahrer versuchte unter Lebensgefahr Passagiere aus dem brennenden Fahrzeug zu retten, wie der Rechtsanwalt der betroffenen Busfirma Mommeyer aus Hannover, Matthias Waldraff, der AP sagte. Er betonte, alle Busse der Firma seien «top-gewartet und ohne technische Beanstandung».

Gentest zur Identifizierung

Vier Schwerverletzte schwebten am Mittwoch noch in Lebensgefahr. Polizeipräsident Uwe Binias sagte in Hannover, es sei nicht auszuschliessen, dass man noch weitere Todesopfer beklagen müsse. Als Einziger konnte der 51-jährige Busfahrer die Klinik bereits wieder verlassen. Bei den überlebenden Passagieren handele es sich um sechs Frauen und sechs Männer im Alter zwischen 46 und 79 Jahren. Der Bus war auf der Rückfahrt von einem Besuch auf einem Bauernhof im Münsterland.

Der ausgebrannte Bus mit den bis zur Unkenntlichkeit verbrannten Menschen wurde auf ein Polizeigelände in Hannover gebracht. Zur Identifizierung der Toten entnahmen Gerichtsmediziner DNA-Material aus den Knochen.

Der Juniorchef des betroffenen Busunternehmens Mommeyer aus Hannover, Oliver Prehn, sagte, in dem Bus sei eine Wassertoilette und nicht etwa ein Chemieklo gewesen. Uwe Prehn, der Ehemann der Firmeneigentümerin, erklärte: «Es handelt sich um einen Bus vom Typ Mercedes-Benz 350, etwa vier Jahre alt und völlig in Ordnung.»

Wulff und Tiefensee kondolieren

Der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff sprach den Angehörigen der Opfer sein Mitgefühl aus. «Das grauenhafte Geschehen macht uns alle schwer betroffen», erklärte er. Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee äusserte sich «tief erschüttert». Er forderte eine sorgfältige Untersuchung von Ursache und Verlauf des Brandes.

Es ist das schwerste Busunglück seit 16 Jahren in Deutschland: Am 6. September 1992 waren 20 Menschen beim Unfall eines Reisebusses aus Sachsen nahe dem Autobahndreieck Bad Dürrheim/Villingen ums Leben gekommen.

AP/mbr

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