Zum Hauptinhalt springen

Brustvergrösserung als Hauptgewinn

In Argentinien floriert die Schönheitschirurgie. Neuerdings kann sogar Losglück Frauen zu einer Brustoperation verhelfen.

Mit zehn Franken sind sie dabei. In der Disco Sunset in Olivos, einem Vorort der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires, erhalten Besucherinnen zusammen mit der Eintrittskarte eine Nummer, mit der sie – so sie denn wollen – an einer eher ungewöhnlichen Auslosung teilnehmen können. Der Gewinnerin winkt ein Gutschein für eine Schönheitsoperation, unter dem Motto: «Quiero mis lolas.» - «Ich will meine Brüste.»

Die Marketingaktion mit den Busen-Losen hat in der Öffentlichkeit unterschiedliche Reaktionen ausgelöst. Bei den Klientinnen sei der Wettbewerb gut angekommen, versicherte ein Sprecher des meist überfüllten Tanzlokals. Fachärzte hingegen kritisierten vehement, dass mit einer solchen Prämie das Geschäft belebt werden soll. Es gehe nicht an, chirurgische Eingriffe wie Haushaltgeräte zu verlosen, sagte ein Vertreter des Verbandes für plastische Chirurgie in Argentinien: «Auch bei einer Schönheitsoperation ist es wichtig, dass der Patient ein Vertrauensverhältnis zum Arzt aufbauen kann und nicht mehr oder weniger zufällig von ihm behandelt wird.»

Die Discobetreiber fechten diese Vorbehalte nicht an. «Wir wollen jungen Frauen, die sich sonst eine solche Operation nicht leisten können, die Möglichkeit geben, attraktiver zu werden», rechtfertigte sich ihr Sprecher. «Was soll daran schlecht sein?» Im Übrigen sei es den Gewinnerinnen absolut freigestellt, ob sie den Preis annehmen oder nicht. Und Frauen zwischen 18 und 21 (in Argentinien beginnt die Volljährigkeit erst in diesem Alter) würden nur mit dem Einverständnis der Eltern operiert.

Die Regierung der Provinz Buenos Aires will jetzt die Auslosung von Schönheitsoperationen gesetzlich unterbinden. Lokale, die solche Wettbewerbe durchführen, sollen mit Bussen bis zu umgerechnet 35 000 Franken bestraft werden können. Andere Provinzen machten bisher keine Anstalten, ebenfalls ein solches Verbot zu erlassen.

Pauschalreise mit Operation

Die plastische Chirurgie boomt in Argentinien seit Jahren. Besonders gefragt sind Busenkorrekturen. Laut Informationen des Verbandes für plastische Chirurgie gehört Argentinien weltweit zu den Ländern mit der höchsten Zahl von Brustimplantationen. Und die Frauen, die sich mithilfe von Silikon eine neue Silhouette verschaffen wollen, werden immer jünger. «In unserem Land scheint der Erfolg einer Frau viel stärker von der Grösse ihres Busens abhängig zu sein als in Europa», sagt der Schönheitschirurg Francisco Famá. «Die‹Lolas› sind offensichtlich eine absolute Notwendigkeit des modernen Lebens geworden.»

Inzwischen beanspruchen freilich längst nicht mehr nur Einheimische die Dienste der auf plastische Chirurgie spezialisierten argentinischen Ärzte, sondern auch zahlreiche Touristen aus anderen südamerikanischen Ländern oder aus Mexiko und den USA. Vor allem, weil in Argentinien solche Interventionen wesentlich billiger sind. Mehrere Reiseagenturen bieten seit Jahren Spezialpakete mit Exkursionen zu Schönheitschirurgen in Buenos Aires, Mendoza oder San Juan an. Nach der Operation bleibt den Patientinnen in der Regel auch noch etwas Zeit, Land und Leute kennen zu lernen. Frisch «verschönert».

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch