Blut darf fliessen, Alkohol nicht

Diese Woche findet auf Mallorca der erste klassische Stierkampf seit zwei Jahren statt. Die Konservativen feiern ihren «grossen Sieg» – mit einem Wermutstropfen.

Hier gewinnt gerade der Stier: Corrida in Pamplona. Foto: AP, Keystone

Hier gewinnt gerade der Stier: Corrida in Pamplona. Foto: AP, Keystone

Thomas Urban@SZ

Blutende junge Menschen, die sich mit schmerzverzerrtem Gesicht auf dem Boden wälzen, zuckende Gliedmassen – diese Szenen wird es am Freitag vor der Stierkampfarena von Palma de Mallorca geben. Die Aktivisten der Tierschutzvereinigung «La tortura no es cultura» (Quälerei ist keine Kultur) haben das Spektakel schon in vielen spanischen Städten vorgeführt.

Auch eine Gegendemonstration ist angekündigt: Verfechter der Corrida fordern die «vollständige Wiederherstellung des Kulturguts». Und sie feiern ihren «grossen Sieg»: Zum ersten Mal seit zwei Jahren treten in der Arena von Palma wieder Toreros und Stiere gegeneinander an.

Den Streit um die Corrida trugen Anhänger und Gegner in den Parlamenten des Landes und vor Gericht aus, aber auch in den Medien und bei Kundgebungen. Die Konfliktlinien sind klar gezogen: Es ist ein Kulturkampf zwischen rechts und links. Die konservative Presse berichtet im Feuilleton über Triumphe und Tragödien der Matadore – die Berufsbezeichnung bedeutet wörtlich übersetzt schlicht «Töter». Die linken Medien geben dem Thema kaum Raum und schon gar nicht im Kulturteil.

Verbote wegen Tierschutz

Es war die konservative Volkspartei, die vor sechs Jahren, als sie über eine absolute Mehrheit im Parlament zu Madrid verfügte, per Gesetz den Stierkampf zum «nationalen Kulturgut» erklärt hatte, das staatlicherseits zu fördern sei. Damit war auch eine Subventionierung aus Steuergeldern gemeint, die Branche war hocherfreut. Denn seit Jahren gehen die Geschäfte schlecht. Nur acht Prozent der erwachsenen Spanier haben Umfragen zufolge bislang einer Corrida beigewohnt, in der jungen Generation ist das Interesse minimal.

Ebenso wie die aufmüpfige Führung Kataloniens versuchte die links orientierte Regionalregierung der Balearen, dieses Gesetz zum Schutz des nationalen Kulturguts zu unterlaufen. Unter ­Berufung auf den Tierschutz wurde in beiden Regionen die Corrida verboten: Nach Expertenmeinung erleben die Stiere ungeheuren Stress, womit der Tatbestand der Tierquälerei erfüllt sei. Das Verfassungsgericht in Madrid hob indes diese Verbote vor drei Jahren auf: Die Regionalregierungen hätten ihre Kompetenzen überschritten.

Beim Üben gibt es gern mal ein Massaker

In Palma de Mallorca gab man sich nicht geschlagen: Der Stierkampf wurde zwar wieder zugelassen, aber mit einer gewichtigen Einschränkung – es durfte kein Blut fliessen. Verboten blieben die mit bunten Bändern geschmückten Spiesse, die der Stier in den Rücken gerammt bekommt, und erst recht der Degen, den der Matador ihm zwischen die Schulterblätter stossen soll. Auch war der Verkauf alkoholischer Getränke untersagt, obendrein mussten die Zuschauer volljährig sein und vor der Corrida vor möglichen «traumatischen Folgen» gewarnt werden.

Die Corrida-Lobby schnaubte vor Wut, zog vor Gericht – und siegte erneut. Von Freitag an darf wieder Blut fliessen, doch das Verfassungsgericht beanstandete weder das Alkoholverbot in der Arena noch das Mindestalter für Zuschauer. Dagegen werden die Corrida-Freunde demonstrieren: «Wir wollen unsere grossartige kulturelle Tradition auch unserer ­Jugend zugänglich machen.»

Die Gegner indes geben sich nicht geschlagen. Sie verbreiten bereits heimlich aufgenommene Filme über die Ausbildung von Jung-Toreros. Diese dürfen an Jungtieren den beherzten Einstich üben – und richten dabei meist Massaker an.

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