Zum Hauptinhalt springen

Bewaffneter im TV-Studio offenbar Einzeltäter

Die Polizei und niederländische Medien veröffentlichen Details zum Angreifer im TV-Studio. Sie relativieren Aussagen, die der Bewaffnete gemacht hatte.

Geiselnahme unblutig beendet: Der Angreifer im Studio des niederländischen Sender NOS. (29. Januar 2015)
Geiselnahme unblutig beendet: Der Angreifer im Studio des niederländischen Sender NOS. (29. Januar 2015)
AFP

Das Eindringen eines Mannes in ein Fernsehstudio in den Niederlanden hat offenbar keinen terroristischen Hintergrund. Der Verdächtige bezeichne sich selbst als Einzeltäter ohne Verbindungen zu Terrorgruppen, erklärte die Polizei. Auch habe er die Behauptung zurückgenommen, mehrere Sprengsätze in den Niederlanden platziert zu haben. Die angedrohte grosse Cyberattacke gebe es ebenfalls nicht, sagte der Verdächtige laut Polizei.

«Was den Mann zu seinen Handlungen trieb, wird noch untersucht», erklärte die Behörde. Der Student war am Donnerstag mit einer Pistolenattrappe in ein Fernsehstudio des Senders NOS in Hilversum eingedrungen und hatte Sendezeit verlangt. Dies löste sofort Erinnerungen an den Terroranschlag auf die Zeitschrift «Charlie Hebdo» aus, bei dem Anfang Januar in Paris zwölf Menschen von Islamisten erschossen wurden.

Keine Verletzten

Nach Angaben des NOS-Reporters Martijn Bink sagte der junge Mann, er komme von einem «Hacker-Kollektiv». Er forderte Sendezeit. Die Abendnachrichten fielen am Donnerstag aus. Verletzt wurde niemand, Schüsse fielen keine.

NOS, war eine Stunde lang nicht auf Sendung. Bei den ersten Bildern nach Wiederaufnahme des Sendebetriebs handelte es sich um eine Aufzeichnung, die einen jungen Mann in schwarzem Anzug, weissem Hemd und Krawatte zeigte - und mit einer Pistole in der Hand. Es sah so aus, als ob ein Schalldämpfer auf die Waffe geschraubt worden sei.

An einen Mann ausserhalb der Kameraeinstellung gerichtet sagte der 19-Jährige mit ruhiger Stimme:«Wir sind von Geheimdiensten eingestellt worden.» Kurz darauf erschienen vier bis fünf Polizisten. Der Mann liess seine Waffe fallen und hob die Hände. Er folgte der Aufforderung, sich auf den Boden zu legen und liess sich ohne Widerstand festnehmen.

Redaktion soll kein «Bunker» werden

Wie die Polizei später mitteilte, war die Pistole unecht. Der junge Mann hatte keine Vorstrafen. Staatsanwalt Johan Bac zufolge stammt der Verdächtige aus der Kleinstadt Pijnacker bei Den Haag. Den Namen des 19-Jährigen veröffentlichte der Staatsanwalt nicht.

Studienkollegen von der Technischen Universität in Delft beschrieben den 19-Jährigen als einsamen Fan von Verschwörungstheorien. Er sei «intelligent, angenehm und ein bisschen einsam, aber sicher nicht verrückt», sagte ein Kommilitone der Zeitung «Allgemeen Dagblad». Möglicherweise habe der Student, dessen Name mit Tarik Z. angegeben wurde, Aufmerksamkeit erregen wollen.

«Wenige Freunde»

Ein anderer Kommilitone sagte dem Sender NOS, der junge Mann habe viel Fantasie. Er lebe «oft in seiner eigenen Welt» und habe sich zuletzt sehr für Verschwörungstheorien rund um die Freimaurer und eine «neue Weltordnung» interessiert. Auch die Boulevardzeitung «De Telegraaf» berichtete, der Angreifer habe «wenige Freunde» und interessiere sich für Verschwörungstheorien.

Der Sender berichtete auf seiner Internetseite, dass der Mann einen Wachmann gezwungen habe, ihn nach oben in dieRedaktion zu bringen. Nach dem Vorfall sagte NOS-Direktor Jan de Jong, dass in dem Hauptquartier des Kanals nach dem Terroranschlag auf «Charlie Hebdo» die Sicherheit erhöht worden sei. «Das ist unser schlimmster Albtraum, gerade nach «CharlieHebdo», sagte De Jong in einer Nachrichtensendung in der Nacht. Die strikten Sicherheitsmassnahmen würden erneut überprüft. Die Redaktion solle aber nicht «zu einem Bunker» werden.

sda/AFP/rar

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch