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Belgische Panzer haben nur noch Platz für kleine Soldaten

44 Radpanzer sollten für einen Einsatz fit gemacht werden – nun sind sie unbrauchbar. Mitverantwortlich: ein Schweizer Rüstungskonzern.

Engste Platzverhältnisse im modifizierten Pandur-Panzer der belgischen Armee: Soldat in einem österreichischen Pandur in Innsbruck. Bild: Dominic Ebenbichler, Reuters
Engste Platzverhältnisse im modifizierten Pandur-Panzer der belgischen Armee: Soldat in einem österreichischen Pandur in Innsbruck. Bild: Dominic Ebenbichler, Reuters

44 Radpanzer des Typs Pandur sollten für einen Auslandeinsatz fit gemacht werden. Die rund 31 Millionen Euro teure Renovation entpuppte sich jedoch als Verschlimmbesserung. Bremsprobleme und enge Platzverhältnisse machen die Panzer vorerst unbrauchbar. Für einen grossen Teil der Arbeiten verantwortlich ist der Schweizer Rüstungskonzern Ruag, wie die Zeitungen von CH Media berichten.

Der Zuständigkeitsbereich der Ruag umfasste die Verstärkung der Minenpanzerung sowie des Insassenschutzes. Beim Rüstungskonzern räumt man zwar ein, es sei zu Verzögerungen und qualitativen Beanstandungen gekommen, grobe Mängel weist eine Ruag-Sprecherin gegenüber dem Zeitungsverbund jedoch zurück. «Der Vorwurf entbehrt jeder Grundlage. Die Modifikation der Fahrzeuge erfüllt die Kundenanforderung vollständig.»

Die Prototypen des Radpanzers seien vom belgischen Kunden ohne Beanstandungen abgenommen worden, so die Sprecherin weiter. Die Arbeiten umgesetzt habe ein belgisches Partnerunternehmen, das bereits in die Lizenzproduktion des Pandurs involviert war und gemäss einem Bericht der belgischen Zeitung «De Standaard» Fehler bei der Montage begangen haben soll.

Arbeiten am Panzer noch nicht abgeschlossen

Würde der renovierte Panzertyp so eingeführt werden, dürften die zukünftigen Panzersoldaten nicht grösser als 1,70 Meter sein – angesichts der nationalen Durchschnittsgrösse von 1,81 Metern eine besonders grosse Einschränkung. In der Schweiz gilt für Panzersoldaten eine Körpergrösse von 1,65 bis 1,90 Meter.

Für den belgischen Verteidigungsminister Philippe Goffin ist das Malheur kein Grund zur Sorge. «Wir werden die Pandur sicher nicht einfach wegschmeissen», sagte er im belgischen Fernsehen. Er wies darauf hin, dass es in der Armee auch weitere Fahrzeuge gebe, die eine spezifische Statur der Soldaten erforderten. Der Radpanzer sei nun mal nicht für jedermann gemacht. Laut Admiral Yves Dumont seien die Arbeiten zudem noch gar nicht vollständig abgeschlossen.

Wie das belgische Verteidigungsministerium mitteilte, sind nur 7 der 44 Radpanzer bereits renoviert und damit erst 1,7 Millionen der insgesamt 31 Millionen Euro ausgegeben worden. Der Rest des Geldes werde erst ausgegeben, wenn die Probleme behoben seien.

Probleme in der Vergangenheit

Den Radpanzern wurde ein doppelter Boden eingebaut, um sie besser gegen Strassenminen zu schützen. Für Länder in wärmeren Regionen wie Mali, wo die Radpanzer ab 2021 eingesetzt hätten werden sollen, wurde zudem eine Klimaanlage installiert. Alle diese Modifikationen machten das Fahrzeug schwerer und enger und hatten zur Folge, dass das Ein- und Aussteigen sowie die Bedienung des Steuerrades und der Bremsen nur noch eingeschränkt möglich waren, wie ein Test des belgischen Militärs ergab.

Wie die Zeitungen von CH Media anmerken, ist es nicht das erste Mal, dass Probleme mit dem Pandur auftreten. Im Jahr 2007 starben drei Soldaten, nachdem die Bremsen versagten. Nach einem Zwischenfall in den Ardennen entsagten die belgischen Jagdaufklärer dem Pandur und sattelten auf das gepanzerte Radfahrzeug «Dingo» um.

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