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Junger Bär im Engadin von Zug erfasst und getötet

Zwischen Zernez und S-chanf ist in der Nacht ein Bärenmännchen bei einem Zugunfall gestorben. Der Kadaver wird von der Uni Bern untersucht.

Kollision mit Bär: Die zuvor bei Zernez gesichteten Spuren sind wohl jene des nun verunfallten Jungtieres.
Kollision mit Bär: Die zuvor bei Zernez gesichteten Spuren sind wohl jene des nun verunfallten Jungtieres.
Kanton Graubünden

Wieder hat ein Braunbär die Einwanderung nach Graubünden nicht überlebt. Ein vor einer Woche erstmals gesichtetes Jungtier ist in der Nacht auf Samstag im Engadin frontal von einem Zug erfasst und auf der Stelle getötet worden.

Das Bündner Amt für Jagd und Fischerei teilte am Samstag mit, die Kollision zwischen der Lokomotive der Rhätischen Bahn (RhB) und dem Grossraubtier habe sich am späten Freitagabend kurz nach 23 Uhr zwischen Zernez und S-chanf ereignet. Es war der letzte Zug, der unterwegs war.

Beim tödlich verunfallten Bären handelt es sich um ein 110 Kilogramm schweres Jungtier. Die Universität Bern untersucht den Kadaver und führt genetische Untersuchungen zur Feststellung der Identität durch. «Es kommen verschiedene Jungbären in Frage, zurzeit sind ca. 50 Tiere unterwegs», sagt Georg Brosi, Vorsteher Amt für Jagd und Fischerei Graubünden auf Anfrage. «Erst eine DNA-Analyse kann Klarheit schaffen.» Für Brosi ist klar, dass der Bär sofort tot gewesen sein muss. «Das Tier wurde mit sehr viel Energie zerstört, die Todesursache war ein schweres Trauma», so Brosi.

Die Lokomotive wurde beim Zusammenprall nicht beschädigt. Der Bahnverkehr ist heute Samstag durch den Unfall nicht beeinträchtigt. «Im Kanton Graubünden sterben jedes Jahr gegen hundert Tiere durch einen Zugunfall. Normalerweise sind vor allem Hirsche und Rehe betroffen», sagt Brosi. Dementsprechend sei die Rhätische Bahn auf solche Zwischenfälle vorbereitet.

Zweiter Zusammenstoss mit Lok

Der mutmassliche Einwanderer aus Norditalien war erstmals letzten Sonntag von einer Privatperson im Unterengadin beobachtet worden. Der Braunbär, erste Vermutungen deuteten auf M32 hin, durchstreifte die Woche über das Tal.

Er sei schnell unterwegs gewesen und habe den neuen Lebensraum erkundet, so der Bündner Jagdinspektor Georg Brosi weiter. Von der Wildhut sei das Tier noch am Freitag, also kurz vor dessen Tod, gesichtet worden.

Nicht der erste Zusammenstoss

Es ist in Graubünden nicht der erste Zusammenstoss eines eingewanderten Bären mit einer RhB-Lokomotive. Im Mai 2012 verletzte sich Bär M13 im Unterengadin bei einer Kollision mit der Lokomotive des Spätzuges von Scuol nach Klosters. Der Bär zog sich bei der Kollision Prellungen zu.

Den Ausflug nach Graubünden überlebte das Tier dann letztlich doch nicht. Im Februar 2013 wurde das dreijährige Männchen im Südtal Puschlav von der Wildhut geschossen. Der Bär war mehrmals auf dem Talboden aufgekreuzt und hatte Touristen und Einheimische erschreckt.

Erster Besuch seit einem halben Jahr

Der noch unbekannte und am Freitagabend beim Bahnunfall getötete Braunbär, der möglicherweise M32 war, ist seit Sommer 2005 der 13. Einwanderer nach Graubünden. Zudem ist es das dritte Tier, das den Ausflug in die Schweiz mit dem Leben bezahlen musste.

Vor Braunbär M13 erlegte die Wildhut Mitte April 2008 den Bären JJ3. Das Tier hatte sich nach dem Winterschlaf auf der Suche nach Nahrung immer wieder in bewohnten Gebieten umhergetrieben und war nach Ansicht der Jagdbehörden zum Risiko für die Menschen geworden. Geschossen wurde der Bär dann in der Region von Thusis.

SDA/kko

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