Zum Hauptinhalt springen

Angst vor Ölpest von historischer Grösse wächst

Das vor Neuseeland gestrandete Containerschiff droht auseinanderzubrechen. Damit könnte die schlimmste Umweltkatastrophe seit Jahrzehnten ausgelöst werden. Delfine und Pinguine sind bedroht.

Geschätzte 1'230'000 Tonnen Erdöl strömen im Midway-Sunset-Ölfeld in Kalifornien bei Bohrungen an der Quelle Lakeview Number One aus. Erst nach 18 Monaten kann der Ausfluss – der grösste registrierte Blowout in der Geschichte der US-Ölförderung – mit Dämmen und Deichen aus Sandsäcken gestoppt werden.
Geschätzte 1'230'000 Tonnen Erdöl strömen im Midway-Sunset-Ölfeld in Kalifornien bei Bohrungen an der Quelle Lakeview Number One aus. Erst nach 18 Monaten kann der Ausfluss – der grösste registrierte Blowout in der Geschichte der US-Ölförderung – mit Dämmen und Deichen aus Sandsäcken gestoppt werden.
Berkeley Geography Collection
Als die Exxon Valdez vor Alaska auf ein Riff aufläuft, befindet sich der betrunkene Kapitän Joseph Hazelwood in seiner Kabine. Er wird später zu einer Geldstrafe von 50'000 US-Dollar verurteilt – wegen «illegalen Ablassens von Öl».
Als die Exxon Valdez vor Alaska auf ein Riff aufläuft, befindet sich der betrunkene Kapitän Joseph Hazelwood in seiner Kabine. Er wird später zu einer Geldstrafe von 50'000 US-Dollar verurteilt – wegen «illegalen Ablassens von Öl».
Keystone
Die stille Katastrophe: Die Umweltorganisation Greenpeace schätzt, dass aus dem russischen Pipelinesystem jährlich 15 Millionen Tonnen Erdöl ausfliessen. Das entspricht der Menge von 375 Tankerunglücken in der Dimension von Exxon Valdez.
Die stille Katastrophe: Die Umweltorganisation Greenpeace schätzt, dass aus dem russischen Pipelinesystem jährlich 15 Millionen Tonnen Erdöl ausfliessen. Das entspricht der Menge von 375 Tankerunglücken in der Dimension von Exxon Valdez.
Keystone
1 / 11

Es gebe eine ernsthafte Gefahr, dass die 32 Jahre alte und 236 Meter lange Rena auseinanderbricht und grosse Mengen Öl in den Südpazifik strömen, räumte Verkehrsminister Steven Joyce ein. Ein Treibstofftank sei schon geborsten: Rund 100 Tonnen Schweröl seien in den Schiffsrumpf und ins Meer geflossen – wie viel genau in den Ozean gelangte, ist ungewiss.

«Das Unglück könnte sich zu der schlimmsten Umweltkatastrophe seit Jahrzehnten in Neuseeland entwickeln», warnte Umweltminister Nick Smith. In den Tanks befinden sich schätzungsweise noch 1500 Tonnen Schweröl.

Delfine und Wale, Seehund-Kolonie

Bereits gestern hatte sich ein fünf Kilometer langer Ölteppich gebildet, mehrere ölverschmierte Seevögel verendeten. Am Freitag bargen Tierschützer in Neuseeland nahe der kleinen Motiti- Insel in der Plenty-Bucht vier verklebte Zwergpinguine und zwei Kormorane, wie die staatliche Schifffahrts- und Meeresschutzbehörde (MNZ) mitteilte.

In der Gegend leben auch Delfine und Wale sowie eine Seehund-Kolonie. Der Einsatz von chemischen Lösungsmitteln gegen das Öl war bislang ohne Erfolg.

Wettlauf gegen die Zeit

Die «Rena» war am Mittwoch rund 20 Kilometer vor dem Hafen von Tauranga an dem Astrolabe-Riff auf Grund gelaufen und leckgeschlagen. Zwei Laderäume wurden überflutet, der Frachter hat eine Schlagseite von 14 Grad.

Die 23 Besatzungsmitglieder aus den Philippinen seien weiterhin an Bord und versuchten, Wasser abzupumpen, berichteten örtliche Medien. Das Schiff hat etwa 2100 Container mit Holz, Milchpulver, Fleisch und Fisch geladen. Seine Frachtkapazität beträgt 47'000 Tonnen.

Rund 100 Experten und Freiwillige sind im Kampf gegen die drohende Ölpest im Einsatz. Die Marine hält 500 Soldaten bereit. Ein Bergungsteam will am Montag damit beginnen, das Öl aus den Tanks abzupumpen. Bis dahin sollen Spezialschiffe und weitere Ausrüstung eintreffen.

Ölpest unvermeidlich

«Die Operation ist kompliziert, das wird länger als nur ein paar Tage dauern», sagte MNZ-Einsatzleiter Rob Service. Es sei zudem unvermeidbar, dass einiges Öl ans Ufer gelange. «Wir sind auf eine grosse Reinigungsaktion vorbereitet.»

Auch Verkehrsminister Joyce äusserte sich eher pessimistisch: «Die Situation mit dem Öl wird sich verschlechtern, daran gibt es keine Zweifel.» Er rief die Bewohner in der Plenty-Bucht auf, sich auf anschwemmendes Öl an den Stränden einzustellen.

Dabei wird die Bergung zu einem Wettlauf mit der Zeit: Noch ist das Wetter ruhig, aber für nächste Woche sind starke Winde und hohe Wellen angesagt. Das könnte das Schiff destabilisieren.

Zudem hat die «Rena» nach Angaben der Behörden vier Container mit gefährlichen Substanzen geladen, die beim Kontakt mit Wasser entzündbar sein könnten. Überdies sei das austretende Öl giftig, warnte die Meeresschutzbehörde.

SDA/miw/bru

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch