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Abgeführt, gefesselt und nackt ausgezogen

Polemik um den Polizeieinsatz bei der Miss-Schweiz-Wahl: Die Beamten sollen unnötig hart gegen Demonstranten vorgegangen sein, die am Rande der Show protestierten. Nun schaltet sich die Justiz ein.

Wird nun von der Staatsanwaltschaft überprüft: Der Polizeieinsatz bei der Miss-Schweiz-Wahl in Bern. (11. Oktober 2014)
Wird nun von der Staatsanwaltschaft überprüft: Der Polizeieinsatz bei der Miss-Schweiz-Wahl in Bern. (11. Oktober 2014)
Martin Bürki

30 Prozent mehr TV-Zuschauer, 900 geladene Gäste im riesigen Partyzelt auf dem Bundesplatz, viel Medienecho im In- und Ausland: Die Organisatoren der Miss-Schweiz-Wahl sind mit der Neuausrichtung der Show zufrieden, wie sie heute Donnerstag mitteilten.

Die Wahl der schönsten Schweizerin wird neuerdings als Wohltätigkeitsveranstaltung vermarktet. Und in dieser Eigenschaft soll sie in der Bundesstadt bleiben: «Die Wahl soll 2015 in Bern etabliert werden», schreiben die Promotoren.

Stadtregierung will sich erst informieren

Stadtpräsident Alexander Tschäppät mag sich zu den Plänen nicht äussern. Die Stadtregierung wolle zuerst die positiven und negativen Erfahrungen zum Anlass vor dem Bundeshaus sammeln und auswerten, sagte er der Nachrichtenagentur sda. Damit liess er offen, ob die Miss-Wahl nochmals auf dem Bundesplatz stattfinden kann.

Am Rand des Anlasses hatte es auch Misstöne gegeben. Zuerst wurde die «Verkommerzialisierung» des Bundesplatzes angeprangert; eine Motion aus den Reihen der GrünAlternativen GPB-DA verlangt, dass der Gemeinderat ein verbindliches Nutzungsreglement für den Platz ausarbeitet.

Während der Schau vom vergangenen Samstagabend protestierte zudem eine Gruppe junger Leute gegen die Wahl. Die Polizei führte mehrere zum Teil minderjährige Personen ab und hielt sie stundenlang fest. Auch Leibesvisitationen wurden durchgeführt.

Demonstranten waren «gewaltfrei und friedlich»

Nach Kritik der Betroffenen lässt die Polizei das Vorgehen nun von der Justiz untersuchen. Eine Sprecherin bestätigte am Donnerstag entsprechende Berichte in Berner Medien. Zugleich verteidigte sie den Polizei-Einsatz gegen die jungen Leute, die den Anlass hätten stören wollen.

Der Polizei-Einsatz wird auch den Stadtrat beschäftigen. Die SP-Fraktion möchte vom Gemeinderat wissen, ob er den Einsatz als verhältnismässig betrachtet. Nach Darstellung der SP gab es bloss «eine Personengruppe, die Kritik am Anlass kundtun wollte, indem sie Transparente in die Höhe hielt und Flyer verteilte».

Die Gruppe habe sich gewaltfrei und friedlich verhalten. Dennoch seien die Leute von Polizisten eingekreist und abgeführt, mit Kabelbindern gefesselt und auf dem Posten zum Teil fotografiert und einer Nacktkontrolle unterzogen worden.

Leibesvisitationen

Polizeisprecherin Corinne Müller schildert die Ereignisse gegenüber der sda anders. Eine Gruppe von Personen habe die Wahl stören wollen, sie habe den polizeilichen Weisungen nicht Folge geleistet und sich den Polizisten zum Teil tätlich widersetzt. Erst dann seien die Leute für eine nähere Kontrolle auf eine Wache geführt worden.

«Die Anhaltungen waren also in keiner Weise überraschend», unterstrich Müller in einer schriftlichen Stellungnahme und ergänzte, die Aktion der Protestierenden habe nicht nur die Miss-Schweiz-Wahl tangiert, sondern auch friedliche Zuschauer sichtbar verunsichert.

Die Kontrollen auf der Wache seien so rasch wie möglich durchgeführt worden. Dass eine Leibesvisitation einen schweren Eingriff in die Persönlichkeitsrechte darstelle, sei der Polizei bewusst. Die Polizisten hätten aber zugleich die Aufgabe, einem Tatverdacht nachzugehen und die Sicherheit zu gewährleisten. Deshalb suchten sie beispielsweise nach gefährlichen Gegenständen.

Ein Fall für die Staatsanwaltschaft

Die betroffenen Personen hätten ihre Kritik zwar nicht direkt gegenüber der Polizei geäussert. Trotzdem habe Kommandant Stefan Blättler entschieden, dass «eine Drittinstanz» die Einschätzung der Mitarbeitenden vom Samstagabend überprüfen solle. Seit Donnerstag liege das Dossier deshalb bei der Staatsanwaltschaft, erklärte Müller.

SDA/fko

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