Wurden die Delfine doch mit Opium vergiftet?

Die im November 2011 verendeten Delfine Shadow und Chelmers sind möglicherweise doch vergiftet worden.

Mysteriöse Todesfälle: Der Freizeitpark Conny-Land in Lipperswil TG.

Mysteriöse Todesfälle: Der Freizeitpark Conny-Land in Lipperswil TG.

(Bild: Keystone)

Nicht das verabreichte Antibiotikum könnte schuld am Tod der beiden Meeressäuger sein, sondern ein im Urin gefundenes Opiat. Dies geht aus einem Untersuchungsbericht des Instituts für Rechtsmedizin in St. Gallen hervor, wie die «NZZ am Sonntag» gestern schrieb. Im Urin der Tiere sei neben den Antibiotika-Spuren unter anderem das Opiat Buprenorphin gefunden worden. Die rezeptpflichtige Substanz wirke wie Heroin oder Morphin und werde in der Medizin vornehmlich gegen sehr starke Schmerzen eingesetzt. Wie das Medikament in den Körper der Delfine gelangte, ist ungeklärt.

Höchst ungewöhnliche Opiate

Der Fund dieser Substanz sei höchst ungewöhnlich, sagt der niederländische Meeresbiologe Cornelis van Elk, da sie bei der Behandlung von Meeressäugern niemals Verwendung finde. Aufgrund der sedierenden Wirkung sei der Einsatz von Opiaten sehr gefährlich. Delfine seien wie andere Meeressäuger «Bewusstatmer». Sie müssten ihre Atmung ständig aktiv steuern. Selbst im Schlaf bleibe immer eine Hirnhälfte wach, damit die Atmung aufrechterhalten werden könne. «Opiate können dazu führen, dass das Hirn ganz einschläft und die Atmung aussetzt», sagt van Elk.

Ocean Care widerspricht

«Wir verstehen nicht, wieso die Staatsanwaltschaft diesen Befund nicht weiter untersucht hat», erklärte Conny-Land-Sprecher Erich Brandenberger gegenüber der «NZZ am Sonntag». Die Betreiber des Delfinariums glauben weiterhin, dass ihre beiden Publikumsattraktionen vergiftet worden sind. Ein weiteres Indiz ist laut Brandenberger, dass sich offenbar jemand mit Gewalt am Türschloss zu jenem Raum zu schaffen gemacht hatte, wo das Futter angerichtet wird.

Die Tierschutzorganisation Ocean Care teilte am Sonntag mit, sie halte nach wie vor daran fest, dass das Grundproblem bei der Gefangenhaltung der Tiere liege. Darauf verweise auch ein Gutachten des Instituts für Veterinärpathologie der Universität Zürich, wonach die beiden Delfine an einer Schädigung des Gehirns durch Antibiotika zugrunde gingen.

Tages-Anzeiger

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