«Wir wollen bis Montag bleiben»

Die Demonstranten auf dem Zürcher Paradeplatz wollen auch die Nacht auf Sonntag dort verbringen. Sie knüpfen das Vorhaben allerdings an zwei Bedingungen.

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Tina Fassbind@tagesanzeiger
Jan Knüsel

Um 16.30 Uhr am Samstagabend haben die Wortführer der Besetzer des Paradeplatzes bekanntgegeben, dass sie während der Nacht auf dem Platz campieren wollen. «Wir wollen bis Montag bleiben», liess einer der Demonstranten verlauten, die sich heute Samstag mitten im Zürcher Bankenviertel zu einer Aktion im Rahmen der internationalen Protestbewegung «Occupy Wall Street» versammelten.

Sollte allerdings die Polizei zur Räumung des Platzes aufrufen, dann solle von den Anwesenden kein Widerstand geleistet werden, forderte der Redner. Wenn Querulanten Aggressionen auf den Platz bringen, werde das Areal ebenfalls verlassen. Als alternativen Camp-Platz schlagen die Veranstalter den Lindenhof vor.

«Wir werden die Situation weiter beobachten und auch beim weiteren Vorgehen Augenmass wahren», kommentierte Michael Wirz, Pressesprecher Stadtpolizei Zürich, das Vorhaben gegenüber DerBund.ch/Newsnet.

Mehr Mitsprache, mehr Anstand

Zu der heutigen Besetzung des Paradeplatzes haben Jungsozialisten, Junge Grüne und die Vereinigung We are Change aufgerufen – Zeitweise waren gegen 1000 Personen auf dem Platz. Noch in den Abendstunden waren hunderte Menschen vor Ort. Auch die Polizei markierte Präsenz, hielt sich jedoch im Hintergrund. Die Aktion verlief während des ganzen Tages friedlich.

Der Platz glich zeitweise einem bunten Jahrmarkt. Überall waren Plakate und Transparente angebracht. Einige Demonstranten haben sich ein Picknick-Plätzchen eingerichtet, andere sogar Sofa und Tisch herbeigeschafft. Kurz nach 13 Uhr musste der Platz für die Tramlinien 6, 7 und 13 gesperrt werden, weil immer mehr Demonstrierende auf die Geleise ausgewichen sind.

Um 13.30 Uhr haben die Organisatoren die Anwesenden dazu aufgerufen, in Gruppen über das weitere Vorgehen zu diskutieren und ihre Ideen am Mikrofon vorzutragen. «Mehr Geld gegen statt für den Krieg», «Anstand und Bescheidenheit bei den Banken», «mehr Mitsprache in der Geldpolitik» und «keine Spekulation mit Nahrungsmitteln» – dies sind einige der Forderungen, die bekannt gegeben wurden.

Viel Kreativität

Die Teilnehmer, darunter auch zahlreiche Familien mit Kindern, äusserten ihre Meinungen auf unterschiedlichste Weise und auf sehr kreative Art. Es wurde Monopoly gespielt und in bunter Aufmachung posiert. An einem Stand wurde gar Kaffee angeboten und Musikanlagen sorgten für Stimmung unter den Teilnehmern. Viele richteten sich auf einen langen Tag ein und brachten Kissen und Decken mit, um nicht nur gegen Ungerechtigkeit sondern auch gegen die beissende Kälte anzukämpfen.

«Wieviele Filets kann man in einen Magen stopfen?», «Veränderung oder Verendung» oder «Kuriert die Blasenentzündung» war auf den Plakaten zu lesen. Die Gewerkschaft Unia befestigte zudem an den Fenstern des UBS-Sitzes weisses Papier, auf dem Demonstranten ihre Forderungen festhalten konnten. In den frühen Abendstunden mussten die Papierbahnen bereits ersetzt werden, weil es nicht mehr genügend Platz für weitere Botschaften gab.

Aktion ohne Bewilligung

Neben Jungpolitikern wie Martin Neukom von den Jungen Grünen zeigten sich auch arrivierte Politiker wie Daniel Vischer, Balthasar Glättli, Katharina Prelicz-Huber (Grüne) oder Niklaus Scherr (AL). Die Juso war mit zahlreichen Fahnen vor Ort. Ihre Forderung: Die Verstaatlichung der Banken. «Ich bin begeistert über die Vielfältigkeit der Ideen», sagt Juso-Präsident David Roth. Er freue sich darüber, dass der Anlass friedlich verlief.

Der Anlass hat im Vorfeld für einigen Wirbel gesorgt. Über 1000 Leute haben sich auf Facebook als Teilnehmer für die Demonstration angekündigt. Die Verantwortung für den Anlass wollte jedoch niemand übernehmen. Eine Bewilligung wurde nicht eingeholt. Zudem wurde bekannt, dass die Gruppierung We are Change mit Verschwörungstheorien über die Anschläge vom 11. September von sich reden machte und die globale Klimaerwärmung für eine «unbewiesene Behauptung» hält.

DerBund.ch/Newsnet

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