Fall Boi: Mörder aus Gefängnis entlassen

Er hatte als Minderjähriger eine 17-jährige Lehrtochter erschlagen. Nun hat ihn das Bezirksgericht Baden auf freien Fuss gesetzt.

Der bei der Tat 16-jährige Täter wurde aus der Justizvollzugsanstalt Lenzburg entlassen. Bild: Kantonspolizei Aargau

Der bei der Tat 16-jährige Täter wurde aus der Justizvollzugsanstalt Lenzburg entlassen. Bild: Kantonspolizei Aargau

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Der Mann, der im Jahr 2009 als Minderjähriger eine 17-jährige Vietnamesin erschlagen hat, kommt frei. Dies hat das Bezirksgericht Baden AG entschieden. Das Gericht begründet die Freilassung mit dem Therapiefortschritt, den der Mann gemacht habe.

Das Risiko, dass er wieder jemandem etwas antut, ist demnach klein. In der Mitteilung vom Freitag ist von einem geringen Gefährdungsrisiko gegenüber Dritten die Rede. Das Gericht ordnete zugleich eine enge Nachbetreuung an. Der Mann muss seine psychotherapeutische Behandlung fortsetzen. Zudem wird er weiterhin durch einen Beistand eng betreut.

Zur Höchststrafe verurteilt

Der Entscheid sei von den Parteien nicht angefochten worden, schreibt das Gericht in der Mitteilung. Das Jugendgericht Baden verurteilte den Mann 2013 wegen Mordes zur Höchststrafe im Jugendrecht. Er wurde zu einem Freiheitsentzug von vier Jahren und zu einer geschlossenen Unterbringung verurteilt.

Weil die jugendstrafrechtlichen Massnahmen jedoch bis zum Erreichen des 22. Altersjahres befristet sind, wurde der Mann im Frühling 2015 auf Antrag der Jugendanwaltschaft fürsorgerisch untergebracht.

Flucht aus der Psychiatrie

Der Mann flüchtete im Frühling 2016 aus der Psychiatrischen Klinik Königsfelden. Geschnappt wurde er nach knapp einer Woche von der deutschen Polizei in der Nähe von Stuttgart. Daraufhin wurde er in die Justizvollzuganstalt Lenzburg gebracht.

Seine Mutter hatte ihm zur Flucht verholfen, indem sie ihm Werkzeuge beschaffte. Sie wurden deswegen wegen Fluchthilfe zu einer bedingten Geldstrafe und einer Busse verurteilt.

Auf Spaziergang mit Holzscheit erschlagen

Die Tat liegt fast zehn Jahre zurück. Der damals Minderjährige erschlug in Sessa im Tessin eine 17-jährige Vietnamesin mit einem Holzscheit.

Opfer und Täter hatten sich zwei Jahre vor der Tat im Internet kennengelernt. Bei einem Spaziergang am Tag ihres ersten persönlichen Treffens hatte sich der Jugendliche laut der Polizei spontan entschieden, die Jugendliche zu töten. Er sei von ihr genervt gewesen, lautete das Tatmotiv.

Der Leichnam der Vietnamesin war am 2. Juni in einem Wald beim Tessiner Grenzdorf Sessa von einem Wanderer gefunden worden. Das Mädchen aus dem Kanton Schwyz war zuvor als vermisst gemeldet gewesen.

(oli/sda)

Erstellt: 31.08.2018, 12:53 Uhr

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