Drogenkartell setzt Kopfgeld auf Polizeihündin aus

Sombras Nase hat einen besseren Geruchssinn als jene der anderen Spürhunde. Deswegen hat es das mächtigste Syndikat Kolumbiens auf sie abgesehen.

Als Belohnung darf sie mit einem Ball spielen: Sombra bei der Arbeit am internationalen Flughafen in Bogota. (27. Juli 2018)

Als Belohnung darf sie mit einem Ball spielen: Sombra bei der Arbeit am internationalen Flughafen in Bogota. (27. Juli 2018) Bild: Raul Arboleda/AFP

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Ihre feine Nase hat die Polizeihündin Sombra in Gefahr gebracht. Denn in ihrer fünfjährigen Tätigkeit spürte sie bereits neun Tonnen Drogen auf. Damit zog sie den Zorn eines kolumbianischen Drogenkartells auf sich.

Der Golf-Clan, das mächtigste Verbrechersyndikat des südamerikanischen Landes, hat ein Kopfgeld in Höhe von 200 Millionen Peso (69'000 Franken) auf die Deutsche Schäferhündin ausgesetzt.

Den Kartellen sind die Schnüffler ein Dorn im Auge, denn sie erschweren ihnen das Geschäft: Allein in diesem Jahr spürten fast 350 Polizeihunde im Land bereits rund 200 Tonnen Drogen auf - mit einem geschätzten Gesamtwert von fünf Milliarden Dollar, wie die Anti-Drogen-Behörde des Landes angibt.

Bestechungsversuch

Nachdem sie rund fünf Tonnen Kokain aufgespürt hatte, geriet die Hündin mit der feinen Nase ins Visier von Golf-Clan-Chef Dairo Úsuga alias «Otoniel». «Sie ist ein Alptraum für Drogenhändler wie Otoniel», sagte der Chef der Anti-Drogen-Polizei, Oscar Solarte.

Zunächst versuchte es die Gefolgschaft des Drogenbosses Dairo Antonio Úsuga mit Bestechung - sie wollten einem Polizisten für das Tier umgerechnet mehr als 6000 Euro zahlen. Als «Vorsichtsmassnahme» sei Sombra daher an einen sicheren Ort in Bogotá gebracht worden, teilte die Anti-Drogen-Polizei mit.

Machtvakuum in Farc-Gebieten

Sombra hat bereits rund 300 Einsätze absolviert. Mit ihrer Hilfe konnte die Polizei zahlreiche Drogenlieferungen beschlagnahmen und 245 Verdächtige festnehmen. Die Erfolgsquote der Hündin rückte sie in das Visier des mächtigen Verbrechersyndikats.

Der Golf-Clan ist aus rechtsgerichteten Paramilitärs hervorgegangen und gilt als mächtigste kriminelle Organisation Kolumbiens. Die Bande ist in Drogenschmuggel, illegalen Bergbau und Schutzgelderpressung verwickelt. Zudem wird sie für zahlreiche Morde und Vertreibungen verantwortlich gemacht.

Sicherheitsexperten befürchten, dass nach dem Friedensvertrag mit der linken Guerillaorganisation Farc kriminelle Gruppen wie der Golf-Clan versuchen könnten, das Machtvakuum in den ehemaligen Farc-Gebieten zu füllen und die lukrativen Drogengeschäfte der Rebellen zu übernehmen. Kolumbien ist vor Bolivien und Peru der grösste Kokain-Produzent der Welt.

Zwei Polizisten als Leibwächter

Zu ihrer eigenen Sicherheit wurde Sombra nun in die Hauptstadt Bogotá versetzt. «Jeden Tag inspizieren wir den Frachtbereich im Flughafen El Dorado», sagte Sombras Hundeführer José Rojas im Fernsehsender RCN. Immer an ihrer Seite: Zwei Polizisten als Leibwächter für die Fahnderin auf vier Pfoten.

Am Hauptstadtflughafen ist Sombra schon ein kleiner Star. Passagiere erkennen sie und wollen Selfies mit ihr machen. «Sie ist eine sehr liebe und ruhige Hündin. Sie hat kein Problem damit, wenn Kinder sich ihr nähern», sagt Oberst Solarte. «Sombra ist sehr verspielt, das hilft ihr auch bei ihrer Arbeit.»

Mit Medaille geehrt

Sombra wurde schon als Welpe zum Drogenspürhund ausgebildet. Sie war in der Drogenhochburg Urabá an der Karibikküste sowie den Hafenstädten Barranquilla, Cartagena und Santa Marta im Einsatz. Bei der jüngsten Militärparade am Unabhängigkeitstag wurde sie für ihren Kampf gegen die Drogen sogar mit einer Medaille geehrt.

Das Aufspüren von Drogen ist für die Tiere wie ein Spiel, sagt José Rojas. Der Polizist kümmert sich in Bogotá um Sombra. Auch an ihrem neuen Einsatzort ist sie nicht untätig: Am internationalen Flughafen der Stadt schnüffelt sie fleissig weiter.

Zwei Jahre bis zur Pension

Wenn sie etwas entdeckt, darf sie als Belohnung mit einem Ball spielen - wie ein ganz normaler Hund. Ganz wie alle anderen sei sie aber nicht. «Sie sticht hervor, weil sie ihren Geruchssinn etwas besser entwickelt hat», sagt er stolz. Auch scheu ist Sombra nicht: Sie ging bisher noch in jeden Wald, auf jedes Schiff, weicht auch vor Fernsehkameras nicht zurück.

Ein Arbeitstag bei der Hündin unterscheidet sich nicht allzu sehr von dem eines Menschen. Acht Stunden Arbeit, zwei Stunden Pause. Dafür ist ihr Arbeitsleben weitaus kürzer - bereits in zwei Jahren geht es für die Sechsjährige in den Ruhestand, den sie mit anderen pensionierten Hunden in einem Heim verleben darf.

Die Drohungen gegen die sechsjährige Sombra sind kein Einzelfall. «Viele Hunde bei der Polizei erhalten täglich Drohungen», sagte der Hundetrainer Jeison Cardona der Nachrichtenagentur AFP. Einige Hunde wurden gar getötet. (sep/AFP/sda)

Erstellt: 03.08.2018, 09:28 Uhr

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