Die Schweizer sind Abfall-Europameister

Warum oft weggeworfen wird, was andere noch sattmachen könnte und weshalb Müllsünder ihren Elektroschrott im Kehricht-Sack entsorgen.

Die Schweizer produzieren im internationalen Vergleich viel Abfall und entsorgen nicht immer fachgerecht: Littering im St. Johanns-Park in Basel im Juli 2013.

Die Schweizer produzieren im internationalen Vergleich viel Abfall und entsorgen nicht immer fachgerecht: Littering im St. Johanns-Park in Basel im Juli 2013. Bild: Georgios Kefalas/Keystone

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Rund 730 Kilogramm Kehricht fallen in der Schweiz pro Kopf und Jahr an. Eine beachtlich hohe Zahl, die dem kleinen Land den europaweiten Spitzenplatz einbringt. Weggeworfen wird traurigerweise auch, wovon andere noch hätten satt werden können: Ganze 15 Prozent des Schweizer Abfalls machen unverdorbene Lebensmittel aus.

Im Hinblick auf die im September anstehende Volksinitiative «Für eine Grüne Wirtschaft» wirft das SRF in seiner Sendung «HeuteMorgen» einen Blick darauf, was in der Schweiz in punkto Abfall-Entsorgung gar nicht gut läuft – und was sich bewährt hat.

Wohlstand und Wegwerfgesellschaft

Dass die Bürger grosse Mengen noch geniessbarer Lebensmittel wegwerfen, hänge mit dem hohen Lebensstandard zusammen. Wohlstand kurbele den Konsum an, erklärt Michael Hügi, Sektion Abfallbewirtschaftung beim Bundesamt für Umwelt. Und wo viel konsumiert werde, werde eben auch viel weggeworfen.

Obwohl Recycling in der Schweiz generell weit verbreitet sei, hinkten die Eidgenossen im internationalen Vergleich hinterher. Das zeige unter anderem ein Blick auf die Müll-Statistiken des direkten Nachbarn Deutschland: Pro Kopf entstehe dort weniger Kehricht, während die Menschen gleichzeitig sogar mehr recycleten.

Alteisen im Müllsack

Ein aktuelles Müll-Sorgenkind ist laut SRF auch die Entsorgung von Schrott. Viele Bürger würden aufs Geld schauen, wenn sie ihre Altgeräte loswerden wollen. «Sind die Schrottpreise tief, erhalten wir mehr Schrott im Kehricht», sagt Thomas Bücherer von der Berner Kehrichtverbrennungsanlage in der Sendung. Wenn der Gang zum Recyclinghof nicht wirtschaftlich – sprich zu teuer – sei, werde er schlicht nicht gemacht.

Ein Erfolgsmodell dagegen: Die Entsorgung von Petflaschen. Dank einer vorgezogenen Recycling-Gebühr werde hier im Vergleich sehr viel gesammelt und wiederverwertet.

Im September 2016 steht die Volksinitiative «Für eine Grüne Wirtschaft» zur Abstimmung, die das ehrgeizige Ziel verfolgt, den ökologischen Fussabdruck bis 2050 um zwei Drittel zu reduzieren. (jros)

Erstellt: 10.08.2016, 09:49 Uhr

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