«Die Leute sind gut ausgerüstet und gehen höhere Risiken ein»

In Zermatt wurden fünf mit Lawinenairbags ausgerüstete Freerider verschüttet. Experten warnen vor einem gefährlichen Trend.

Nur jeder zweite Vollverschüttete überlebt: Das Institut für Schnee und Lawinenforschung (SLF) führt in Anzere VS zu Testzwecken eine kontrollierte Lawinensprengung durch. (Archiv)

Nur jeder zweite Vollverschüttete überlebt: Das Institut für Schnee und Lawinenforschung (SLF) führt in Anzere VS zu Testzwecken eine kontrollierte Lawinensprengung durch. (Archiv) Bild: Jean-Christophe Bott/Keystone

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Vor einer Woche sind oberhalb von Zermatt fünf Skifahrer ausserhalb der Piste in eine Lawine geraten. Vier von ihnen wurden teilweise verschüttet und konnten rasch ausgegraben werden, wie die Air Zermatt mitteilte. Einer wurde komplett von den Schneemassen verschüttet, konnte jedoch auch gerettet werden.

Der Zermatter Rettungschef Anjan Truffer war vor Ort. Er beobachtet bei den Freeridern einen gefährlichen Trend, wie er gegenüber «Sonntagsblick» sagt: «Die Leute sind sehr gut ausgerüstet und gehen deshalb höhere Risiken ein.»

Tatsächlich waren alle fünf Freeskier in Zermatt, die letzte Woche in die Lawine gerieten, mit einem Lawinenairbag ausgerüstet. Einer der Variantenfahrer, der seinen nicht auslöste, wurde als Einziger komplett verschüttet.

Keine Garantie

Eine neue Studie belegt Truffers Beobachtung, schreibt die Zeitung: Tatsächlich gehen Variantenfahrer ein höheres Risiko ein, sobald sie mit einem Lawinenairbag ausgerüstet sind. «Es konnte gezeigt werden, dass der Lawinenairbag zu Veränderung der Risikobereitschaft führt. Die Lawinenairbag Nutzer weisen höhere Werte bei den Aussagen zur Risikobereitschaft auf. Zudem sind die Lawinenairbag Nutzer mehr gewillt einen steileren Hang zu befahren, wenn sie einen Lawinenairbag tragen, als ohne», heisst es in der 2017 veröffentlichten Studie der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaft (ZHAW) belegt.

Ueli Mosimann von der Fachgruppe Sicherheit im Bergsport beim Schweizer Alpen-Club (SAC) kennt dieses Phänomen. Für ihn ist deshalb eine gute vorgängige Planung zentral, wie er gegenüber «Sonntagsblick» sagt. «Es braucht eine gute Risikobeurteilung. Die Gefahr in eine Lawine zu geraten muss möglichst ausgeschlossen werden», meint Mosimann.

Denn: Gerät man trotz aller Vorsichtsmassnahmen in eine Lawine, sind Lawinenverschüttetensuchgerät (LVS) und Airbag lediglich eine zusätzliche Sicherheit, die kein Überleben garantieren. «Nur rund 50 Prozent aller Vollverschütteten überleben einen Lawinenunfall – trotz LVS», weiss Mosimann.

Modell «Snowpulse»: Lawinenairbags sollen eine Vollverschüttung verhindern. (Archivbild Keystone)

Am Vormittag des Stephanstags waren im Gebiet Hohtälli oberhalb von Zermatt fünf Skifahrer ausserhalb der Piste in eine Lawine geraten. Vier von ihnen wurden teilweise verschüttet und konnten rasch ausgegraben werden. Ein Skifahrer jedoch wurde durch die Schneemassen komplett verschüttet. Mit Helikoptern der Air Zermatt konnten innerhalb weniger Minuten vier Lawinenhundeführer, ein Bergführer und ein Notarzt der Air Zermatt auf dem Lawinenkegel abgesetzt werden.

Aktuelle Lawinensituation äusserst heikel

Der Verschüttete wurde dank den Lawinenhunden und den Lawinensuchgeräten sofort lokalisiert und ausgegraben. Der Verunfallte wurde anschliessend zur genaueren Untersuchung ins Spital nach Visp geflogen.

Gemäss Truffer ist die aktuelle Lawinensituation ausserhalb der markierten Pisten, vor allem an den sonnenabgeneigten Nordhängen, äusserst heikel. Es ist höchste Vorsicht geboten.

Die Lawinengefahr auf der Karte: (sep/sda)

Erstellt: 30.12.2018, 10:13 Uhr

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