100 Aktivisten stürmen Gelände von AKW Beznau

100 Aktivisten – darunter Marco Weber – der Umweltschutzorganisation Greenpeace befinden sich zurzeit auf dem Gelände des AKW Beznau. Mit der Aktion fordern die Umweltschützer die Stilllegung des Reaktors.

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Mehrere Dutzend Aktivisten der Umweltorganisationen Greenpeace sind auf das Gelände des Atomkraftwerks Beznau eingedrungen. Die beiden Reaktoren müssten aus Sicherheitsgründen sofort stillgelegt werden, forderte Greenpeace. Unter den Aktivisten war auch Marco Weber, der in Russland im Gefängnis sass.

Gemäss der Umweltorganisation beteiligten sich an der Aktion in Döttingen AG rund 100 Personen aus der Schweiz und aus acht weiteren europäischen Ländern. Die Aargauer Kantonspolizei kontrollierte bislang rund 40 Aktivisten. Diese verliessen das Gelände und wurden auf Antrag des AKW-Betreibers, des Energiekonzerns Axpo, bei der Staatsanwaltschaft wegen Hausfriedensbruchs angezeigt. Die Aktivisten verhielten sich gemäss Polizei «ruhig, korrekt und nicht gewaltbereit».

Feuerwehr holte Aktivisten herunter

Mehrere Personen kamen am späten Nachmittag der Aufforderung der Polizei nach, freiwillig von den Gebäuden herunterzusteigen, wie Roland Pfister, Mediensprecher der Kantonspolizei, auf Anfrage sagte. Weitere Aktivisten würden mit einem Spezialkran der Feuerwehr heruntergeholt. Alles verlaufe ruhig.

Die Aktivisten waren um sieben Uhr unerlaubt auf das AKW-Gelände eingedrungen. Sie stiegen mit Leitern über den rund drei Meter hohen Absperrzaun. Das zeigen Aufnahmen, welche die Umweltorganisation in den sozialen Medien veröffentlichte. Am Gelände auf der Aareinsel führt eine öffentliche Strasse vorbei.

Betrieb «weitestgehend» ungestört

Das Eindringen der Personen habe unmittelbar einen Alarm ausgelöst, sagte Axpo-Mediensprecher Tobias Kistner auf Anfrage. Er stellte sich auf den Standpunkt, dass das Sicherungskonzept nach Plan funktioniert habe. Die Kantonspolizei wurde sofort informiert und rückte aus.

Das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (ENSI) schreibe vor, dass die Kraftwerke so gesichert sein müssten, dass Unbefugte nicht ungehindert das Gelände betreten könnten, sagte Kistner.

Der Absperrzaun sei nicht dazu da, ein Eindringen komplett zu verhindern, sondern zu verzögern, zu erschweren und zu detektieren. Laut Kistner ist der Betrieb des AKW weitestgehend ungestört geblieben.

Gefahr habe weder für das Werk noch für die Mitarbeiter oder die Umwelt bestanden. Auch für Greenpeace-Leute sei es unmöglich, in irgendwelche sicherheitsrelevante Bereiche wie in einen Kommandoraum eindringen zu können.

Axpo verurteilte die Aktion in einer Medienmitteilung als «politische Propaganda» und wies die erhobenen Behauptungen über Sicherheitsprobleme beim AKW Beznau zurück. Die Anlage erfülle alle Sicherheitsanforderungen der schweizerischen und internationalen Aufsichtsbehörden.

Dienstältestes kommerzielles AKW

Auf Fotos und Filmen von Greenpeace ist zu sehen, wie zwei Aktivisten am Reaktor 2 und am Portalkran gelbe Transparente mit der Aufschrift «The End» montierten.

Einer dieser Aktivisten war der Zürcher Marco Weber. Er hatte 2013 versucht, eine Ölplattform des russischen Energiekonzerns Gazprom zu besteigen. Er sass in Russland mehrere Wochen in Haft.

Greenpeace hatte zusammen mit der Schweizerischen Energiestiftung (SES) Mitte Februar erneut gefordert, dass die AKW Beznau und Mühleberg aus Sicherheitsgründen abgeschaltet werden müssten. Die in den 1960er- und 1970er-Jahren konzipierten und erbauten Anlagen seien weit entfernt vom heutigen Stand von Wissenschaft und Technik, hiess es.

Der Druckreaktor Beznau 1 ist seit 1969 am Netz. Auf der Aareinsel in Döttingen steht damit das dienstälteste kommerzielle AKW der Welt. Der baugleiche Reaktor 2 ist seit 1972 in Betrieb.

Der Energiekonzern Axpo, Betreiber des AKW Beznau, investiert derzeit rund 700 Millionen Franken in die Sicherheit. Die Reaktoren sollen dank der dauernden Nachrüstung gemäss Axpo «länger als 50 Jahre» am Netz sein.

Die Umweltorganisation protestierte am Mittwoch auch bei den Atomkraftwerken Bugey (F), Oskarshamns (S), Tihange (B), Garoña (E) und Borssele (NL). Greenpeace verlangte die sofortige Stilllegung dieser «Risiko-Reaktoren». (dae/sda)

Erstellt: 05.03.2014, 08:45 Uhr

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