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100'000 Franken für Bündner Whistleblower

Als er das Baukartell aufdeckte, verlor Adam Quadroni Geschäft, Frau und Kinder. Jetzt hilft ihm ein Student mittels Crowdfunding.

Jetzt gibt es die erste PUK: Eine Baustelle der Firmen Bezzola Denoth und Foffa Conrad am 26. April 2018 in Scuol.
Jetzt gibt es die erste PUK: Eine Baustelle der Firmen Bezzola Denoth und Foffa Conrad am 26. April 2018 in Scuol.
Gian Ehrenzeller, Keystone
Foffa-Conrad zieht den Weko-Entscheid weiter. Blick auf eine Baustelle der Firmen Foffa Conrad und Bezzola Denoth am 26. April 2018 in Giarsun.
Foffa-Conrad zieht den Weko-Entscheid weiter. Blick auf eine Baustelle der Firmen Foffa Conrad und Bezzola Denoth am 26. April 2018 in Giarsun.
Gian Ehrenzeller, Keystone
Während des Baus sind Absprachen nötig. Treffen sich Firmenvertreter aber schon während der Ausschreibungsphase, entsteht Kartellverdacht.
Während des Baus sind Absprachen nötig. Treffen sich Firmenvertreter aber schon während der Ausschreibungsphase, entsteht Kartellverdacht.
Imago
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Adam Quadroni liess das Unterengadiner Baukartell, das sich über Jahre Aufträge in Millionenhöhe zu überhöhten Preisen zugeschanzt hatte, auffliegen. Er sass bei den Preisabsprachen am Tisch und entschied sich 2006, aus dem Kartell auszusteigen. Aufgrund seiner Informationen flog der Skandal auf – die Wettbewerbskommission büsste die sieben involvierten Firmen mit insgesamt 7,5 Millionen Franken.

Doch der Whistleblower zahlte für seinen Mut einen hohen Preis: Nachdem er seine Konkurrenten angeschwärzt hatte, bekam er keine Aufträge mehr. Der Betonlieferant boykottierte ihn, Auftraggeber wurden vor ihm gewarnt, an seinen Baustellen hingen seine Betreibungsregisterauszüge, angebracht von der Konkurrenz, sagte er zur «Republik». 2013 muss Quadroni Konkurs anmelden. Auch privat verliert Quadroni alles: seine Frau, seine Kinder.

«Er war berührt von meinem Angebot»

Von Quadronis Schicksal schockiert war der 25-jährige Student Natanael Wildermuth aus Wald ZH. «Quadroni hat alles verloren, ausser seiner Ehrlichkeit und seiner Aufrichtigkeit», sagt der Holzbauingenieur-Student, der selbst Bauunternehmer werden will, zu «20 Minuten». Besonders getroffen hat ihn, dass Quadroni sich derzeit mit Hilfsarbeiten über Wasser halten muss. «Da es in den Sternen steht, ob Herr Quadroni nach der Weko-Untersuchung Aussicht auf Entschädigung hat, will ich ihm helfen.»

Um Quadroni finanziell zu unterstützen sowie um seine Einzelverfahren im Kampf um seine drei Töchter bis vor Bundesgericht zu ziehen, hat Wildermuth deshalb nun heute Freitag ein Crowdfunding lanciert. 100'000 Franken sollen so mindestens zusammenkommen. «Das gibt Herrn Quadroni die Basis, um den Kampf um seine Töchter zu finanzieren.» Wildermuth traf sich Ende April mit Quadroni in einem Bündner Restaurant. «Er war sehr berührt von meiner Absicht.» Für das Crowdfunding hat sich Wildermuth prominente Unterstützung geholt: Für die rechtliche Beratung sowie die Verwaltung des Geldes sorgt Alt-Bundesrichter Giusep Nay.

Zum Konkurs kommt ein Streit ums Besuchsrecht

Whistleblower Quadroni sieht sich derzeit mit mehreren Verfahren vor den Bündner Gerichten konfrontiert. Der Hintergrund desjenigen, bei dem es um seine Kinder geht: Am 15. Juni 2017 wird Adam Quadroni in Ramosch GR von einem Sonderkommando verhaftet und in die Psychiatrie eingewiesen. Der Verdacht: «akute Suizidalität, Hinweise auf geplanten erweiterten Suizid sowie häusliche Gewalt». Seine Frau hatte die Polizei gerufen, weil Quadroni allein mit den Kindern zu einer Jagdhütte aufgebrochen war, was er sonst nie getan habe.

Wenige Tage zuvor hatten die beiden einen wüsten Streit. Die Version der Frau laut «Republik»: Sie habe von ihm Schmuckstücke von ihr zurückgefordert, worauf er sie gewaltsam aus dem Büro geworfen und sie zahlreiche blaue Flecken davongetragen habe. Sein Version: Seine Frau habe ihn nach dem Fabergé-Schmuck gefragt, worauf er geantwortet habe, der gehöre ihm und sei für die Kinder bestimmt. Sie habe ihm danach zweimal zwischen die Beine getreten, worauf er sie zur Seite gedrückt habe, ohne sie zu verletzen. Sie habe dann vor den Kindern aus dem Fenster geschrien: «Frauenschläger!»

«Sie wollen mich endgültig versorgen»

Drei Tage verbringt Quadroni nach dem Polizeieinsatz in der Psychiatrie. Als er zu Hause ankommt, sind seine drei Töchter weg. Zuerst verhängt das Regionalgericht die Massnahme, dass er sich seiner Frau und seinen Töchtern nicht auf 100 Metern nähern darf. Diese Massnahme wird dann zu einem begleiteten Besuchsrecht umgewandelt: Zweimal pro Monat darf er seine Kinder unter Aufsicht sehen. Das Bündner Kantonsgericht entschied im Februar 2018, dass er seine Töchter alle zwei Wochen für einen Tag unter Aufsicht zu sich nehmen darf. Noch muss die Anwältin seiner Frau angehört werden.

Quadroni pocht auf ein regelmässiges Besuchsrecht ohne Kontrollen, wofür er den Kantonsgerichtsentscheid weiterziehen müsste. Zur «Südostschweiz» sagte er: «Zwangseinweisung, Kindesentzug, schweigende Institutionen – es ist, als wollten sie erreichen, dass ich die Beherrschung verliere. Damit sie mich endgültig versorgen können.»

Übernommen von «20 Minuten»

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