Zum Hauptinhalt springen

Zugkollision in der Waadt – «Habe ein grünes Rund gesehen»

Weil ein Lokführer ein Rotlicht missachtete, kam es im Juli 2013 bei Granges-Marnand VD zu einem tödlichen Zugunglück. Der Angeklagte bestreitet, einen Fehler gemacht zu haben.

Aufräumen mit schwerem Gerät: Die beiden ineinander verkeilten Züge müssen erst getrennt werden. (29. Juli 2013)
Aufräumen mit schwerem Gerät: Die beiden ineinander verkeilten Züge müssen erst getrennt werden. (29. Juli 2013)
AFP
Heftiger Aufprall: Die beiden Züge sind kurz vor dem Bahnhof Granges-Marnand frontal kollidiert. (29. Juli 2013)
Heftiger Aufprall: Die beiden Züge sind kurz vor dem Bahnhof Granges-Marnand frontal kollidiert. (29. Juli 2013)
Reuters
Die Unfallursache ist bislang unklar. (29. Juli 2013)
Die Unfallursache ist bislang unklar. (29. Juli 2013)
Reuters
1 / 14

Wegen der Zugkollision von Granges-Marnand VD steht ab Dienstag ein Lokführer vor Gericht. Er bestritt zum Prozessauftakt, ein Haltesignal missachtet zu haben. Beim Zusammenstoss mit einem anderen Zug starb eine Person.

Die Gerichtsverhandlung in Yverdon-les-Bains ist der zweite Anlauf – ein erster Prozess war Ende Mai vertagt worden, weil der angeklagte Lokführer nicht vor Gericht erscheinen konnte. Grund dafür war sein psychischer Zustand.

Diesmal erschien der 58-jährige Angeklagte vor Gericht. «Ich habe nach vorne geschaut und ein grünes Rund gesehen», sagte der Lokführer vor Gericht. «Das ist unmöglich, sie sind bei Rot abgefahren und sie sind nicht farbenblind», entgegnete der Präsident des Regionalgerichtes des nördlichen Kantonsteils der Waadt.

Oberste Priorität war, Verspätung zu verringern

«Wenn ich ein rotes Signal gesehen hätte, wäre ich nicht abgefahren», bekräftigte der erfahrene Lokführer. Er erklärte zudem, dass sein Zug mit einer Verspätung von zwei Minuten verkehrt sei. «Meine oberste Priorität war es, diese Verspätung zu verringern oder zumindest nicht grösser werden zu lassen», sagte er.

Zu dem verhängnisvollen Unfall war es am 29. Juli 2013 gekommen. Der Regionalzug Payerne-Lausanne kollidierte nach 332 Metern Fahrt nach dem Halt im Kreuzungsbahnhof von Granges-Marnand mit dem entgegenkommenden RegioExpress Lausanne-Payerne.

Sicherheit am Bahnhof ausgebaut

Dabei wurde der Lokomotivführer des RegioExpress getötet. 26 der 45 Passagiere in beiden Zügen wurden verletzt, sechs davon schwer. Die Schweizerische Sicherheitsuntersuchungsstelle (SUST) hielt in ihrem Schlussbericht im Juli 2014 fest, dass der Zug im Bahnhof abfuhr, obwohl das Signal auf «Halt» gestellt war.

Die Waadtländer Staatsanwaltschat erhob im November 2016 Anklage gegen den Lokführer, der das Haltesignal missachtet hatte. Er muss sich wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung verantworten.

Nach dem Unfall geriet auch die SBB in die Kritik, weil der Bahnhof Granges-Marnand nicht mit einem Zugbeeinflussungssystem (ZUB) ausgerüstet war. Nach dem Unfall wurde zunächst das Vier-Augen-Prinzip eingeführt und der Fahrdienstleiter musste die Abfahrterlaubnis erteilen. Seit April 2016 ist das ZUB in Betrieb.

SBB trug keine Schuld am Unfall

Die Eltern des verstorbenen Lokführers verlangten, dass auch eine Mitschuld der SBB vor Gericht geprüft wird, nachdem die Staatsanwaltschaft zunächst nicht auf eine entsprechende Klage eingetreten war.

Nachdem das Waadtländer Kantonsgerichtes einen Rekurs gegen den Entscheid gutgeheissen hatte, musste die Staatsanwaltschaft dennoch gegen die SBB ermitteln. Sie teilte 2016 mit, dass die SBB keine strafrechtliche Verantwortung trägt. Es steht deshalb einzig der Lokführer vor Gericht.

(SDA)

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch