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Sie bewachen einen Friedhof für 150 Menschen

Nachtwache am Ort der Katastrophe: Vier Gendarmen sind nachts an der Absturzstelle der Germanwings-Maschine – einem «besonderen» Ort.

Einziges Transportmittel: Wie die Bergungstrupps können die Gendarmen der Nachtwache nur mit dem Helikopter zum Absturzort gebracht werden.
Einziges Transportmittel: Wie die Bergungstrupps können die Gendarmen der Nachtwache nur mit dem Helikopter zum Absturzort gebracht werden.
AFP

Jede Nacht seit dem Absturz des Germanwings-Flugzeugs in den französischen Alpen bewachen Mannschaften von je vier französischen Gendarmen den Ort des Unglücks.

Ihre Aufgabe ist es, Neugierige davon abzuhalten, die Ermittlungen zu behindern. «Wir haben neben einem Friedhof für 150 Menschen geschlafen», sagt der stellvertretende Chef der Hochgebirgs-Gendarmerie, Philippe Thomy, als er aus dem Gebirge nach Seyne-les-Alpes zurückkehrt.

Kleidungsstücke und Trümmer

Am Freitagabend ist Thomy gemeinsam mit drei Kollegen von einem Hubschrauber direkt am Absturzort abgesetzt worden. «In den Bergen zu schlafen ist nicht das Problem», meint der Gendarm Frédéric Frouin. «Aber dieser Ort ist etwas besonderes», sagt er mit Blick auf die an der Bergflanke umherliegenden Trümmer und sterblichen Überreste.

«Durch unsere Nachtsicht-Ferngläser können wir Kleidungsstücke und Trümmer erkennen. Man stellt sich dann das ganze Geschehen vor, von wo das Flugzeug gekommen ist... Das lässt niemanden kalt.»

«Drei sind wach, einer ruht sich aus»

Die zur Nachtwache eingeteilten Beamten werden an der Stelle abgesetzt, wo Kollegen den Tag über nach Überresten der Opfer und der Unglücksmaschine suchen. Ihr Lager ist unterhalb der Bergflanke – aus Sicherheitsgründen und auch, damit sie nicht versehentlich Beweisstücke verändern. Bis 22.00 Uhr wachen die Gendarmen gemeinsam, anschliessend im Schichtsystem, «drei sind wach, einer ruht sich aus».

Angesichts der nächtlichen Minusgrade im Gebirge entzünden die Beamten ein Feuer, um sich zu wärmen. Sie sind mit Schlafsack, Nachtsicht-Ferngläsern und Gewehren ausgerüstet. Die Absturzstelle ist mit Scheinwerfern beleuchtet, die Gendarmen haben zusätzlich Stirnlampen. Zudem kommt die Natur den Wächtern zur Hilfe: «Es ist alles voller abgebrochener Zweige. Das leiseste Geräusch hallt dort oben wider», erklärt Thomy. Dass die nächtlichen Wachen notwendig sind, darauf gibt es klare Hinweise: «Man sieht an den Fussspuren, dass dort in der Nähe Leute herumgelaufen sind», berichtet der Gendarm.

Bei Sonnenaufgang sind alle vier Beamten wieder wach. Um 09.00 Uhr kommt die Ablösung. Die Suche nach den Überresten des Unglücks geht weiter.

AFP/spu

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