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Costa Concordia kommt wieder ins Rutschen

Die Suche nach Vermissten in der havarierten Costa Concordia ist erneut unterbrochen worden. Das Schiff bewegt sich wieder. Unterwasserströmungen könnten dafür verantwortlich sein.

Die Bergungsarbeiten an dem havarierten Kreuzfahrtschiff Costa Concordia vor der italienischen Küste sind unterbrochen worden. Das Wrack habe sich bewegt, so dass die Suchtrupps ihre Arbeit nicht fortsetzen könnten, sagte ein Vertreter der italienischen Marine, Alessandro Busonero.

Nun wird erwogen, das Schiff mit Hebeseilen an den Felsen festzumachen, um ein weiteres Versinken im Meer zu verhindern. Jede Bewegung des vor der toskanischen Insel gekenterten Kreuzfahrtschiffes werde auch mit Satellitenaufnahmen verfolgt, heisst es.

Seit gestern ist bekannt, dass eine junge Frau aus Moldawien am Abend des Unglücks auf der Brücke der havarierten Costa Concordia war und möglicherweise eine wichtige Zeugin ist. Italienischen Medienberichten zufolge wollen die Staatsanwälte die 25-jährige Dominica C. vernehmen. Die Frau war offenbar eine Angestellte der Reederei Costa, jedoch ausserhalb ihres Dienstes an Bord der Costa Concordia.

Im Interview mit moldawischen Medien und auf ihrer Facebook-Seite gab die Frau an, sie sei, nachdem das Schiff auf die Felsen aufgelaufen war, zu dem Kapitän und anderen Offizieren auf die Brücke gerufen worden, um die Evakuierungsanweisungen für russische Passagiere an Bord zu übersetzen.

Auf dem Schiff registriert

Sie verteidigte den in die Kritik geratenen Kapitän Francesco Schettino. «Er hat etwas Grossartiges getan, er hat über 3000 Leben gerettet», sagte sie dem moldawischen Sender Jurnal TV.

Schettino sei bis mindestens 23.50 Uhr an Bord gewesen, sagte die Frau. Dann habe er sie in ein Rettungsboot beordert. Das Schiff war gegen 21.45 Uhr auf die Felsen aufgelaufen.

Staatsanwalt Francesco Verusio äusserte sich heute nicht dazu, ob er die Moldawierin vernehmen will. Die Reederei teilte mit – ohne ihren Namen zu nennen –, die Frau sei auf dem Schiff registriert gewesen und man sei bereit, den Behörden ihre Identität zu enthüllen und die Papiere für ihr Ticket auszuhändigen.

Zwanzig Vermisste

Die Rettungskräfte rechnen kaum noch damit, Überlebende im Wrack zu finden. Elf Tote wurden bisher geborgen, zwanzig Menschen werden offiziell noch vermisst. Eine Wetterverschlechterung am Freitag könnten aber die kleine Chance für die Bergung von Überlebenden zunichte machen. Die Gefahr besteht, dass stärkerer Wellengang das 114'500 Tonnen schwere Schiff in die Tiefe reissen könnte.

«Es gibt ein Zeitfenster von 12 bis 24 Stunden, um die Operation abzuschliessen», sagte der leitende Feuerwehrtaucher Modesto Dilda heute. Ein Abbruch der Suche würde wohl das endgültige Ende der Suchaktion bedeuten.

Gefährliche Tauchgänge

Die Bergungsarbeiten sind gefährlich. Bereits gestern waren die Tauchgänge aus Sicherheitsgründen unterbrochen und nach einer Wetterberuhigung fortgesetzt worden.

«Das Schiff liegt weiterhin in unsicherer Lage in einer Untiefe», erklärte Luca Cari von den Rettungsmannschaften. Die Taucher müssten deshalb vorsichtig vorgehen. «Jede Verlagerung würde Gefahr bedeuten.» Zudem sei das Schiff wie ein Labyrinth, sagte Taucher Dilda.

Rettungsteams und Taucher von Feuerwehr, Küstenwache und Marine konzentrierten sich vor allem auf die unter Wasser liegende vierte Brücke des Schiffes. Wie in den vergangenen Tagen setzten sie Sprengstoff ein, um sich durch die Schiffshaut Zugang ins Innere zu verschaffen.

Drohende Umweltkatastrophe

Sorgen bereiten zusätzlich die rund 2300 Tonnen Treibstoff an Bord der «Costa Concordia», wovon das meiste hochgiftiges Schweröl ist. Italiens Umweltminister Corrado Clini erklärte, bei einer Verschlechterung der Wetterlage könne das Wrack 50 bis 90 Meter tief von dem Felsvorsprung abrutschen, auf dem es derzeit aufliegt. Dabei könnte der Rumpf weiter beschädigt werden und Öl austreten.

Das Abpumpen von Öl aus den Tanks würde voraussichtlich mindestens mehrere Wochen dauern.Die Arbeiten durch ein niederländisches Unternehmen sollten am Samstag beginnen, vielleicht auch schon früher, sagte ein Sprecher des Umweltministeriums in Giglio.

Kapitän suspendiert

Aufgrund der massiven Vorwürfe an Francesco Schettino ging «Costa Crociere», die Reederei des Unglücksschiffs, weiter auf Distanz und suspendierte heute den beschuldigten Kapitän mit sofortiger Wirkung vom Dienst. Ein Anwalt des Unternehmens sagte, man sehe sich nach dem Schiffbruch selbst als geschädigt an und werde Schettino nicht mehr juristisch verteidigen.

Sammelklage möglich

Doch auch die Reederei steht zunehmend am Pranger. Unter anderem wurden heute Informationen bekannt, wonach die leckgeschlagene Costa Concordia im August 2011 - mit Erlaubnis ihres Betreiberunternehmens – näher als erlaubt an der Insel Giglio vorbeigefahren sei.

Um einer möglichen Flut juristischer Klagen zuvorzukommen, geht «Costa Crociere» in die Offensive. Wie das Unternehmen mitteilte, suche man den Kontakt mit den Passagieren und ihren Interessenvertretern, um über mögliche Entschädigungen zu beraten. Mehr als 70 Passagiere fordern in einer Sammelklage bereits mindestens 10'000 Euro Entschädigung pro Person.

dapd/sda/kle/bru

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