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Lufthansa wehrt sich gegen Vorwürfe

Die Fluggesellschaft beteuert, die Behörden gemäss Vorschriften über die Flugtauglichkeit ihrer Piloten zu informieren. Damit widerspricht sie einem Medienbericht.

Germanwings-Absturz: Was bisher geschah. Video: Lea Koch (1. April 2015)

Die Germanwings-Muttergesellschaft Lufthansa trat Vorwürfen entgegen, sie habe ihre Informationspflichten gegenüber dem Luftfahrtbundesamt (LBA) verletzt. Die Airline reagierte auf einen Bericht der «Welt am Sonntag» (Wams), wonach ihr medizinischer Dienst das Bundesamt womöglich pflichtwidrig nicht über die abgeklungene schwere Depression des Copiloten informiert hatte.

«Lufthansa kommt ihren Informationspflichten gegenüber dem Luftfahrtbundesamt nach», erklärte das Unternehmen. Die Lufthansa wollte zunächst keine weiteren Erklärungen zu dem konkreten Fall abgeben. Die Airline wolle «den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Düsseldorf nicht vorgreifen».

Das LBA bestätigte am Sonntag die Darstellung in der «Wams», wonach die Behörde bis zur Akteneinsicht beim Aeromedical Center der Lufthansa am 27. März – und damit nach der Katastrophe – «keinerlei Informationen über die medizinischen Hintergründe» hatte.

Der Co-Pilot hatte den Germanwings-Airbus laut bisherigen Ermittlungsergebnissen am 24. März auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf bewusst gegen einen Berg in den französischen Alpen gesteuert, um sich das Leben zu nehmen. Dabei kamen er und alle übrigen 149 Menschen an Bord ums Leben.

Die Spurensicherung und die Bergung der sterblichen Überreste der Opfer gehen weiter: Ein Helikopter der Gendarmerie überfliegt Seyne-les-Alpes in der Nähe der Absturzstelle. (28. März 2015)
Die Spurensicherung und die Bergung der sterblichen Überreste der Opfer gehen weiter: Ein Helikopter der Gendarmerie überfliegt Seyne-les-Alpes in der Nähe der Absturzstelle. (28. März 2015)
Jeff Pachoud, AFP
Hier wurde Germanwings-Co-Pilot Andreas Lubitz behandelt: Schild vor dem Universitätsklinikum Düsseldorf. (27. März 2015)
Hier wurde Germanwings-Co-Pilot Andreas Lubitz behandelt: Schild vor dem Universitätsklinikum Düsseldorf. (27. März 2015)
Patrik Stollarz, AFP
Germanwings und andere Airlines haben ihre Logos auf Twitter und Facebook als Reaktion auf das Unglück schwarz eingefärbt. (24. März 2015)
Germanwings und andere Airlines haben ihre Logos auf Twitter und Facebook als Reaktion auf das Unglück schwarz eingefärbt. (24. März 2015)
AFP
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Schnell wurde danach bekannt, dass der 27-Jährige in der Vergangenheit wegen schwerer psychischer Probleme mit Suizidgefahr behandelt worden war.

Meldepflicht nicht wahrgenommen

Laut «Welt am Sonntag» hätten die Lufthansa-Ärzte, die den Piloten in den Jahren von 2009 bis 2014 untersuchten, das Luftfahrtbundesamt darüber informieren müssen. Flugmediziner müssten seit April 2013 bei schweren Krankheiten wie einer Depression den Fall an die Aufsichtsbehörde verweisen. Seitdem habe es noch zwei Tauglichkeitsprüfungen gegeben – und zwar im Sommer 2013 und 2014, schrieb das Blatt.

Laut der «Welt am Sonntag» gab es in der Lizenz des Co-Piloten zudem einen sogenannten SIC-Vermerk, der vorschreibt, dass der untersuchende Arzt die lizenzvergebende Behörde kontaktieren muss.

Psychiatrisches Gutachten bereits 2009

Der Germanwings-Co-Pilot hatte die Lufthansa bereits im Jahr 2009 als Flugschüler über eine «abgeklungene schwere depressive Episode» informiert. Seit 2009 hätten die Lufthansa-Ärzte in den unternehmenseigenen flugmedizinischen Zentren in Frankfurt am Main und München insgesamt sechs Mal die Tauglichkeit des Co-Piloten bescheinigt, schrieb die «Welt am Sonntag».

2009 sei zusätzlich zum gewöhnlichen Test auch ein psychiatrisches Gutachten erstellt worden. Weitere derartige Gutachten seien aber nicht eingeholt worden.

Nach Medienberichten soll der Co-Pilot zuletzt unter anderem Fachärzte für Neurologie und Psychiatrie konsultiert haben. Lufthansa-Chef Carsten Spohr hatte in einer Pressekonferenz nach dem Absturz gesagt, der Co-Pilot sei «100 Prozent flugtauglich ohne Einschränkung» gewesen.

Viele Handys geborgen

Die Bergungsarbeiten an der Absturzstelle in den französischen Alpen konzentrieren sich inzwischen auf die Habseligkeiten der Opfer. Andere Arbeiten wurden weitgehend eingestellt. Polizei und Gendarmerie sicherten weiter die Absturzstelle.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft in Marseille wurden zahlreiche Handys gefunden. Die Auswertung der Daten ist aber wegen des Zustands der Telefone nicht gesichert. In Kürze soll damit begonnen werden, grosse Wrackteile von der Unglücksstelle abzutransportieren.

SDA/pst/rar

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