«Völlig undurchdacht»: Scharfe Kritik an Harry und Meghan

Die Ankündigung des Paars, sich aus der Royal Family zurückzuziehen, löst bei der Presse und Insidern Kopfschütteln aus.

Ankündigung mit Knalleffekt: Prinz Harry und seine Frau Meghan. Foto: Keystone

Ankündigung mit Knalleffekt: Prinz Harry und seine Frau Meghan. Foto: Keystone

Peter Nonnenmacher@tagesanzeiger

«Enttäuscht» soll die Königin sein. Sogar «verletzt» soll sie sich fühlen. Das haben vertrauenswürdige «Quellen» im Buckingham-Palast der Presse in London gesagt.

Von Prinz Charles und Prinz William heisst es sogar, sie seien «wutentbrannt». Emotionen dieser Art bei Hofe bekommt man sonst nicht zu hören. Vor allem Ihre Majestät hat sich eiserne Zurückhaltung antrainiert in ihrem langen Leben. Wenn sie von ihrem Enkel Harry nun «enttäuscht» ist, heisst das schon etwas.

Prinz Harry, die Nummer sechs der britischen Thronfolge, und seine Frau Meghan, die Herzogin von Sussex, haben sich diese Reaktionen freilich selbst zuzuschreiben. Ihre Ankündigung, sie wollten nicht länger die ihnen zugedachte Rolle erfüllen, hat einen wahren Knalleffekt gehabt.

Eine «progressive neue Rolle in der Institution»

Eine «königliche Bombe» sei geplatzt, konstatierte die «Daily Mail» am Donnerstag. Von den «abtrünnigen Royals» ist auf 17 Seiten des Blattes die Rede. Der «Mirror» tönte: «Sie haben nicht mal die Königin informiert.» Auf unerhörte Art und Weise planten Harry und Meghan, «aus der Firma auszusteigen», entrüstete sich der «Telegraph» stellvertretend für alle Monarchisten. Die «Sun» fasste es ins Wort «Megxit»: Meghan seile sich ab, Harry ziehe mit.

Selbst die «Financial Times», sonst wenig am Königshaus interessiert, räumte der Frage nach der erträumten «finanziellen Unabhängigkeit» des Paares gebührenden Platz auf ihrer Frontseite ein. Dass sie künftig gern auf eigenen Füssen stehen wollten, hatten beide ja am Vorabend ohne Umschweife erklärt. Gedacht hätten sie an ein Leben als eine Art assoziierte Mitglieder der Familie – teils im Vereinigten Königreich zuhause, teils in Nordamerika.

Die «persönliche Botschaft», die der 36-jährige Prinz und seine 39-jährige US-Gemahlin an die Briten richteten, liess die Nation wissen, dass sie von nun an nicht mehr der Top-Riege der Royals zugehören wollten. Stattdessen seien sie interessiert an einer «progressiven neuen Rolle in der Institution» der Monarchie.

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“After many months of reflection and internal discussions, we have chosen to make a transition this year in starting to carve out a progressive new role within this institution. We intend to step back as ‘senior’ members of the Royal Family and work to become financially independent, while continuing to fully support Her Majesty The Queen. It is with your encouragement, particularly over the last few years, that we feel prepared to make this adjustment. We now plan to balance our time between the United Kingdom and North America, continuing to honour our duty to The Queen, the Commonwealth, and our patronages. This geographic balance will enable us to raise our son with an appreciation for the royal tradition into which he was born, while also providing our family with the space to focus on the next chapter, including the launch of our new charitable entity. We look forward to sharing the full details of this exciting next step in due course, as we continue to collaborate with Her Majesty The Queen, The Prince of Wales, The Duke of Cambridge and all relevant parties. Until then, please accept our deepest thanks for your continued support.” - The Duke and Duchess of Sussex For more information, please visit sussexroyal.com (link in bio) Image © PA

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Das bedeutete, dass sich das Paar nicht länger konventionellen Pflichten unterziehen, sondern lieber eigene Projekte vorantreiben wollte. Natürlich wollten sie gern weiter die Königin unterstützen, beteuerten Harry und Meghan. Sie bräuchten aber auch wesentlich mehr «Raum für die Familie». Das sei «das nächste Kapitel» ihrer persönlichen Geschichte: «Nach vielen Monaten des Überlegens und interner Diskussionen haben wir uns dafür entschieden, dass dieses Jahr für uns einiges anders wird.»

Dummerweise hatten beide freilich vergessen, andere Familienmitglieder in die «internen Diskussionen» einzubeziehen. Weder Harrys Vater Charles noch Bruder William, die beiden nächsten in der Thronfolge, ahnten etwas vom bevorstehenden «Befreiungsschlag». Vor allem hatte Harry seine Grossmutter, die Königin, im Dunkeln gelassen.

Dass er und Meghan nach einem alternativen Weg tasteten, wusste man ja bei den Windsors. Aber richtiggehend besprochen oder gar geregelt hatte die Sache bis dahin niemand. Betont kühl hiess es darum im Buckingham-Palast, es handle sich um «komplizierte Fragen», deren Lösung Zeit erforderten: Entsprechende Diskussionen befänden sich noch «in der Anfangsphase».

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Vor vollendete Tatsachen gestellt werden wollte die Monarchin jedenfalls nicht. Später liess Elizabeth II. über ihre Mitarbeiter an die Öffentlichkeit weiter geben, wie «enttäuscht» und «verletzt» sie sei von ihrem Enkel, der immer als ihr besonderer Liebling galt, solange er herum kasperte, aber auch seine Pflicht erfüllte vor Ort.

Dass Harry nun nicht mehr in die Pflicht genommen werden will und der lieben Verwandtschaft nach Kräften den Rücken kehren möchte, ohne freilich den Prinzentitel und die einstweilige Unterstützung von daheim aufzugeben, löste entsprechende Bestürzung bei Hofe aus.

«Eine tiefe Kluft» habe sich aufgetan zwischen Harry und Meghan einerseits und dem Rest des Clans auf der anderen Seite, wusste die BBC zu berichten. So hätten sich die Windsors die Zukunft nicht vorgestellt.

Weihnachten nicht mit der Queen gefeiert

Signale dafür, dass es Meghan, die Ex-Schauspielerin und nunmehrige Herzogin von Sussex, zurück nach Nordamerika zog, hatte es ja durchaus gegeben. Ein Teil der Boulevardpresse war schon immer davon überzeugt, dass Meghan Harry «mit sich nehmen» wollte in ihre Heimat – zumal seit der Geburt des kleinen Archie vor acht Monaten.

Schon die letzten sechs Wochen hatte die junge Familie in Kanada und an der US-Westküste verbracht, statt – wie erwartet wurde – mit der Queen Weihnachten auf Schloss Sandringham zu feiern.

Noch Ende letzten Jahres hatte Meghan, geradezu mit Tränen in den Augen, einem Reporter gestanden, sie habe alles versucht, sich in England einzupassen, sei aber nicht sehr erfolgreich gewesen. In der Tat war die Begeisterung über die Neuankömmlingin aus den Staaten, nach der grossen Windsor-Hochzeit von 2018, rasch wieder abgeflaut.

Anfänglicher Enthusiasmus hatte einer überwiegend kritischen und nicht selten boshaften Berichterstattung Platz gemacht. Geringes Interesse an ihren «royalen Aufgaben» wurde Meghan vorgeworfen. Luxustrips in die USA gab es zu bemängeln. Politische «Sondertouren». Sünden beim Kampf gegen Klimawandel und anderes.

Prinz Harry interpretierte vieles an der Kritik, und an der steten Flut der Online-Gehässigkeit, als brutale Einmischung von aussen, mit rassistischen Einschlägen. Vor Ende letzten Jahres hatte er noch zornig gegen «die Presse» ausgeholt und geschworen, er werde seiner Frau das Schicksal seiner in den Tod getriebenen Mutter Diana ersparen.

Grössere Distanz zum Windsor-Kern hatte sich freilich auch angedeutet, als das anfangs höchst erfolgreiche Quartett aus William, Harry, Kate und Meghan sich aufzulösen begann – als sich kühlere Töne einstellten. Als Harry und Meghan auf eigene Behausung, eigene Büro-Räumlichkeiten, eigene karitative Organisationen drängten.

Kritiker: «Völlig undurchdacht»

Zuletzt hatte Harry kein Geheimnis mehr daraus gemacht, dass er und sein Bruder «auf unterschiedlichen Pfaden» wandelten und ihr Verhältnis «gute Tage und schlechte Tage» kannte. Zu dieser Zeit verdichteten sich die Gerüchte, Harrys und Meghans Pfad könne weg von der Familie führen.

Von ein paar Jahren in Südafrika war die Rede, aber auch immer wieder von einer Übersiedlung nach Kanada, wo Meghan während ihrer Filmzeit gewohnt hatte und wo sie noch heute gute Freunde hat.

Dass es ihnen während ihres Sechs-Wochen-Urlaubs zum Jahreswechsel in Kanada ausnehmend gut gefallen habe, machten die Sussexe bei ihrer Rückkehr diese Woche klar. In der kanadischen Botschaft in London bedankten sich beide in aller Form für die «warme und herzliche Aufnahme» im Ahorn-Land.

Luxuriöses Doppelleben auf Staatskosten

Dass sie aber schon am Tag nach der Rückkehr «an die Arbeit» ankündigen würden, sich aus der Routine in London rasch wieder ausklinken zu wollen, um sehr viel mehr Zeit in Nordamerika verbringen zu können, erwartete niemand im Königreich. «Völlig undurchdacht» sei dieser Plan eines Teilzeit-Engagements für die Krone, schüttelten Kritiker am Donnerstag die Köpfe.

Ungehaltene Reaktionen hat auch die Vorstellung ausgelöst, Harry und Meghan könnten ein luxuriöses Doppelleben in zwei Erdteilen aus kommerziellen Quellen bestreiten, für ihre Auftritte als «Königskinder» aber weiter die britische Staatskasse in Anspruch nehmen.

«Wenn sie nicht aufpassen, stehen sie eines Tages als eine Art verkümmernde Berühmtheiten da.»Hugo Vickers, Biograf

Ob die beiden denn planten, für das ihnen von der Königin zur Verfügung gestellte und vom Steuerzahler für 2,4 Millionen Pfund restaurierte Windsor-Anwesen Frogmore House künftig Miete zu zahlen, fragte die Londoner «Times» scharf.

Ein klarer Interessenskonflikt kündigt sich schon jetzt an, wo das Paar die «Marke Windsor» in private Einkünfte umzusetzen hofft. Für den Ex-«Mirror»-Chefredaktor Piers Morgan sind Harry und Meghan «die zwei verzogensten Bälger der Geschichte».

«Wenn sie nicht aufpassen, stehen sie eines Tages als eine Art verkümmernde Berühmtheiten da», prophezeit auch der königliche Biograf Hugo Vickers. «Irgendwo einen alternativen Hof errichten zu wollen, kann nicht funktionieren. Es ist eine traurige Geschichte, im Grund.»

Die Liebesgeschichte von Harry und Meghan im Schnelldurchlauf. (Video: Tamedia)

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