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Silikonbetrüger in Haft genommen

Tausende Frauen tragen seine mit Billigsilikon gefüllten Brustprothesen: Weil der Franzose Jean-Claude Mas seine Kaution nicht bezahlen wollte, wurde er nun verhaftet.

Ermittlung wegen fahrlässiger Körperverletzung: Chirurg Jean-Claude Mas. (Archivbild)
Ermittlung wegen fahrlässiger Körperverletzung: Chirurg Jean-Claude Mas. (Archivbild)
Keystone

Der wegen mangelhafter Brustimplantate angeklagte Jean-Claude Mas ist in Marseille in Haft genommen worden. Der 72-jährige Mas hatte die geforderte Kaution in Höhe von 100'000 Euro nicht gezahlt. Daher habe die zuständige Richterin seine Inhaftierung angeordnet, teilte ein Justizsprecher am Mittwoch in Marseille mit. Mas muss sich wegen fahrlässiger Körperverletzung verantworten.

Er war bereits Ende Januar in der Villa seiner Lebensgefährtin nahe Marseille festgenommen worden. Anschliessend wurde er gegen eine Kaution in Höhe von 100'000 Euro auf freien Fuss gelassen.

Prothesen illegal gefüllt

Davon hätte er letzte Woche einen Viertel zahlen müssen, was allerdings nicht geschah. Mittlerweile leitete die Justiz auch gegen den Ex-Geschäftsführer des 2010 pleitegegangenen Unternehmens Poly Implant Prothèse (PIP), Claude Coutry, und drei andere ehemalige Mitarbeiter Ermittlungen ein.

Mas hatte zugegeben, seit 1995 drei Viertel seiner Prothesen illegal mit einem Billig-Gel gefüllt zu haben, das er mit einem eigentlich für Industrieprodukte bestimmten Silikon zusammenmixte.

Mas in zwei Verfahren involviert

Weltweit tragen gemäss Schätzungen zwischen 400'000 und 500'000 Frauen die Billig-Prothesen. In der Schweiz sind nach Angaben des Heilmittelinstituts Swissmedic rund 280 Frauen solche Silikonkissen eingesetzt worden. Die fraglichen Produkte reissen auffällig oft und werden für Entzündungen verantwortlich gemacht.

In Frankreich wurden bisher 20 Krebsfälle bei Frauen mit PIP-Implantaten registriert. Einen Beweis, dass das Billigsilikon dafür verantwortlich ist, gibt es bisher allerdings nicht. Mas droht dennoch auch eine Anklage wegen fahrlässiger Tötung.

In diesem Verfahren ist er ein «Zeuge mit Rechtsbeistand» – dies ist in Frankreich ein Status zwischen einem Zeugen und einem Angeklagten. Ausserdem muss sich der 72-Jährige wegen «schweren Betrugs» verantworten.

Betrugsprozess gegen Ende Jahr

Rund 2500 Frauen haben gegen ihn bereits Anzeige erstattet. Der Betrugsprozess soll Ende dieses oder Anfang nächsten Jahres in Marseille beginnen. In einem bisher einzigartigen Aufruf hatten die Behörden in Frankreich rund 30'000 Frauen empfohlen, sich die PIP-Silikonkissen vorsichtshalber wieder entfernen zu lassen.

Swissmedic hat darauf verzichtet, einen Aufruf zu einer vorsorglichen Entfernung der Brustimplantate zu erlassen. Den betroffenen Frauen werden eine halbjährliche Kontrolle empfohlen sowie ein sofortiger Arztbesuch, falls Probleme auftauchen.

SDA/mrs

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