Seine Prise Salz macht ihn weltberühmt

Der kurdische Koch Nusret Gökçe hat Millionen von Fans gefunden.

Er lässt das Salz über seinen nackten Körper rieseln: Starkoch Nusret Gökçe. Foto: PD

Er lässt das Salz über seinen nackten Körper rieseln: Starkoch Nusret Gökçe. Foto: PD

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Keiner würzt ein Steak so elegant wie Nusret Gökçe. Es ist so etwas wie die Signatur des Meisters, wenn er ein fertig zubereitetes Stück Fleisch am Tisch eines Gastes mit einer Prise Salz würzt. Gökçe ergreift mit den Fingern der rechten Hand ein wenig Salz, hebt sie an, als wolle er einen Schwan imitieren, und lässt das Salz über seinen nackten Unterarm auf das Fleisch rieseln.

Weltweit kennen heute Millionen die typische Handbewegung, denn der 35-Jährige mit Spitznamen «Salt Bae» hat es innert kurzer Zeit geschafft, sein Markenzeichen mithilfe der sozialen Medien zum globalen Hit werden zu lassen. Am 7. Januar 2017 veröffentlichte Gökçe auf seinem Twitter- und Instagram-Konto ein Video, auf dem er ein T-Bone-Steak in Streifen schneidet und mit seiner eigenwilligen Art salzt. Mehr als 10 Millionen Menschen klickten das Video an.

Mittlerweile zählt Salt Bae auf Instagram über 15 Millionen Abonnenten, und er hat mehr als 1500 Bilder oder Videos veröffentlicht. Die Szenen zeigen den kurdischen Chef beim Zubereiten von Fleisch oder zusammen mit prominenten Gästen in einem seiner Restaurants. Mit dem Aufstieg zum Social-Media-Star stiegen auch die Umsatzzahlen.

Als Sohn eines kurdischen Minenarbeiters, 1983 in der osttürkischen Stadt Erzurum geboren, wuchs Nusret Gökçe in ärmlichen Verhältnissen auf. Weil seiner Familie das Geld fehlte, musste er die Schule in der sechsten Klasse abbrechen. Er begann eine Metzgerlehre in Istanbul und arbeitete während Jahren täglich bis zu 13 Stunden. Später wechselte er als Küchenhilfe in ein Restaurant. Dabei entstand sein Traum vom eigenen Steakhouse. Mit 24 verliess Gökçe die Türkei. Von 2007 bis 2010 bereiste er mehrere Länder, darunter Argentinien und die USA, wo er in Restaurants in der Küche arbeitete, meistens ohne Lohn.

A-Promis pilgern ins Nusr-Et

Zurück in Istanbul, eröffnete Gökçe 2010 sein erstes Restaurant: das Nusr-Et Steakhouse. 2014 expandierte er nach Dubai. Mittlerweile gibt es die Fleischstätten des Selfmademillionärs, der kaum Englisch spricht, auch in Ankara, Bodrum, Abu Dhabi, Doha, Miami und New York.

Heute zieht es Prominente aus aller Welt ins Nusr-Et. Roger Federer, Maradona, David Beckham, Naomi Campbell, Leonardo DiCaprio oder Justin Bieber – alle waren sie schon bei ihm und liessen sich vom Chef persönlich ihr Stück Fleisch salzen.

Doch es gibt auch Kritik. Bei der Eröffnung eines Lokals Anfang Jahr in New York kam keine Begeisterung auf. «Zu teuer», «nichts Besonderes», tönte es von Gästen. Die «New York Post» titelte «Öffentliche Abzocke Nr. 1». Der Autor schrieb, dass er nach dem Dinner für 521.45 Dollar (3 Personen) immer noch Hunger hatte.

Kritisiert wird Gökçe auch immer wieder für sein selbstherrliches Auftreten. Nicht allen in der Branche gefällt, wie der Chef in den Videos rohe Fleischstücke durch die Küche schmeisst. Den Zorn von Exilkubanern zog er auf sich, weil er bei der Eröffnung seines Lokals in Miami auf einem Bild zu sehen war, auf dem er mit Zigarre stolz neben einem Foto von Fidel Castro posiert.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 10.09.2018, 22:14 Uhr

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