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Sänger von Boney M. lag tot in einem Hotelzimmer

Der niederländische Popstar Bobby Farrell ist tot. Farrell war Mittwochabend in St. Petersburg aufgetreten und wollte Donnerstag mit seiner Band weiter nach Italien reisen.

Bobby Farrell, das schillernde Aushängeschild von Boney M., ist tot.
Bobby Farrell, das schillernde Aushängeschild von Boney M., ist tot.
Keystone
Farrell 2005 bei einem Auftritt am Flughafen Kloten.
Farrell 2005 bei einem Auftritt am Flughafen Kloten.
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Die vom deutschen Produzenten Frank Farian zusammengestellte Band Boney M ist eine der ersten Retortenbands der Geschichte.
Die vom deutschen Produzenten Frank Farian zusammengestellte Band Boney M ist eine der ersten Retortenbands der Geschichte.
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Der niederländische Popstar und Tänzer Bobby Farrell – die Galionsfigur der Band Boney M. – ist tot. Der 61-Jährige sei Donnerstagmorgen in seinem Hotelzimmer in Sankt Petersburg gestorben, sagte sein Agent John Seine der Nachrichtenagentur DPA.

Zur Todesursache gab es zunächst keine Angaben. Eine erste Untersuchung habe keine Hinweise auf einen gewaltsamen Tod ergeben, eine Obduktion soll Klarheit bringen. Farrell war Mittwochabend in der russischen Grossstadt aufgetreten und wollte heute Donnerstag mit seiner Band weiter nach Italien reisen. Farrells Tod sei ein grosser Schock, sagte Seine. «Über die Ursache wissen wir noch nichts, aber Bobby hat sich am späten Mittwochabend nicht gut gefühlt.»

Vorreiter der Retortenbands

Boney M. sind so etwas wie die Grosseltern der Retortenbands. Als 1975 mit «Baby, Do You Wanna Bump» deren erste Single auf dem Markt kam – gesungen vom deutschen Produzenten Frank Farian – war auf dem Cover noch keine Band zu sehen. Mit gutem Grund. Boney M. wurde erst nach diesem Chart-Erfolg von Farian zusammengestellt. Bobby Farrell, mit richtigem Namen Roberto Alfonso Farrell, war der Tänzer des Quartetts um die Sängerinnen Marica Barrett, Liz Mitchel und Maizie Williams.

Wie seine Bandkolleginnen war auch Farrell in der Karibik geboren, auf der niederländischen Insel Aruba. Nach Ende der Schulzeit fuhr er zwei Jahre zur See und landete mit 17 zunächst in Norwegen. Danach siedelte er in seine Heimat Holland über. Neben dem Matrosenhandwerk und einem Faible für Fremdsprachen hatte er - so heisst es auf seiner Homepage - nichts zu bieten als sein Talent zum Tanzen. Also arbeitete er zunächst in Holland, dann in Deutschland als DJ, bevor ihn Frank Farian zu Boney M. holte.

Chart-Erfolge in den Siebzigerjahren

Ein Jahr nach dem Durchbruch mit «Baby, Do You Wanna Bump» in den Niederlanden und Belgien schafften es Boney M. auch in Deutschland zuoberst in die Charts. Keine Single wurde 1976 häufiger verkauft als «Daddy Cool». Zwölf Wochen lang stand sie an der Chartspitze. Boney M. hatten von 1976 bis 1979 insgesamt acht Nummer-Eins-Hits in Deutschland. Mit dem Album «Nightflight to Venus», das 1978 auf den Markt kam, schaffte es die Retortenband gar in die US-Charts.

Gleichzeitig wandelte sich die Stilrichtung vom traditionellen Disco-Sound zum schlagerartigen Pop. Der grösste Hit aus diesem Album wurde zum grössten Boney-M.-Hit überhaupt: «Rivers of Babylon». Für Aufregung sorgte 1977 das Coverfoto des Albums «Love for Sale», auf dem die Mitglieder von Boney M. nahezu nackt posieren. Bobby Farrell ist mit nichts anderem bekleidet als einer Halskette mit Tigerkralle und einem aus silbernen Pailletten bestehenden G-String. Die drei Sängerinnen liegen ihm nackt zu Füssen und sind mit riesigen Gliederketten gefesselt.

Unzufriedener Farrell

Nach den Erfolgen kam der erste Unmut. Tänzer Farrell wurde immer unzufriedener, durfte er doch im Gegensatz zu seinen drei Kolleginnen nicht singen, sondern nur tanzen und zu der Stimme von Frank Farian seine Lippen bewegen. Daraus wurde nie ein Geheimnis gemacht – ganz im Gegensatz zu der Gruppe Milli Vanilli, die ebenfalls von Frank Farian produziert worden war. Das «Tanzäffchen» Farrell blieb immer häufiger Medienterminen fern oder beklagte sich in Interviews über seine Arbeitssituation. 1982 wurde Bobby Farrell schliesslich durch den Londoner Reggie Tsiboe ersetzt, der seinen Traum auslebte: Er durfte tatsächlich singen und musste nicht bloss so tun.

Doch der Zenit der Band war offenbar schon überschritten. Ausserdem akzeptierten die Fans Farrells Nachfolger nicht. Mit den Singles «Going Back West» und «Jambo», die 1982 und 1983 veröffentlicht wurden, reichte es nur noch für Top-50-Platzierungen. Einzig in der Schweiz schaffte es das Quartett noch auf Rang 11 der Charts. 1984 folgte dann das Comeback von Bobby Farrell. Zusammen mit ihm und dem «Happy Song» erreichte die Band immerhin noch die Top 20 der Charts. Trotzdem: Als Quintett konnte Boney M. nicht mehr an die grossen Erfolge der Siebzigerjahre anknüpfen. Später versuchten verschiedene Formationen unter dem Namen «Boney M.» Fuss zu fassen. Auch Farrell stellte drei Sängerinnen an und tourte in den letzten Jahren mit «Boney M. featuring Bobby Farrell» durch Europa. In St. Petersburg endete nun die Tournée vorzeitig.

SDA/oku/dj

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