Putins Mann zieht es nach Lausanne

Der neue Präsident des Weltschachbundes, Arkadi Dworkowitsch, verlegt die Zentrale der Organisation von Griechenland in die Schweiz.

Hat in der Schachwelt einen guten Ruf: Arkadi Dworkowitsch. Foto: Reuters/Maxim Shemetov

Hat in der Schachwelt einen guten Ruf: Arkadi Dworkowitsch. Foto: Reuters/Maxim Shemetov

Bernhard Odehnal@BernhardOdehnal

Schach muss wieder sichtbarer werden. Das forderte Arkadi Dworkowitsch unlängst bei einem Besuch in der Schweiz. Der 47-Jährige bemüht sich wirklich um Sichtbarkeit: des Schachs. Und seiner eigenen. Seit er im vergangenen Herbst zum Präsidenten des Weltschachbunds Fide gewählt wurde, taucht Dworkowitsch bei den grossen Turnieren auf, lächelt in die Kameras, kommentiert auf Russisch, Englisch, Deutsch. Am liebsten würde der Präsident Schach auf eine Stufe mit seiner zweiten Lieblingssportart stellen – dem Fussball.

Deshalb zieht es den Russen nun in die Schweiz. Formal hat Fide (Fédération Internationale des Échecs) ihren Sitz seit der Gründung 1924 in Lausanne. Praktisch wurde die Organisation bisher aber vom Sekretariat in Athen geführt. Nun verlegt Dworkowitsch auch den operativen Teil in die Schweiz, das bestätigt ein Sprecher von Fide: Seit 1. April hat die Zentrale ihren Sitz offiziell in der Lausanner «Maison du Sport international». Die Übersiedlung sei zwar noch nicht abgeschlossen, aber Präsident Dworkowitsch werde Lausanne besuchen, «wann immer es notwendig ist».

Dworkowitsch hat in der Schachwelt zwar einen guten Ruf. Aber er ist auch ein Vertreter des autoritären Systems von Staatspräsident Wladimir Putin. Noch dazu ein ziemlich wichtiger Vertreter. Vier Jahre lang war der studierte Wirtschaftswissenschafter Berater des russischen Präsidenten, danach sechs Jahre lang stellvertretender Ministerpräsident in der russischen Regierung. In dieser Funktion trat er vergangenes Jahr in Davos auf.

Vielleicht wollten die Russen aber auch möglichst schnell die Skandale um Dworkowitschs Vorgänger vergessen lassen.

Zeitweise wurde er für einen der wichtigsten Posten des Landes gehandelt – für die Leitung der russischen Eisenbahn. Stattdessen wurde er mit der Organisation der Fussball-WM betraut.

Die Wahl des gebürtigen Moskauers zum Fide-Präsidenten bedeutet nun keineswegs seinen Abschied von der Politik. Schach ist in Russland hoch politisch. Vergangene Woche berichtete die «Financial Times» über die enormen Anstrengungen, die Moskau im vergangenen Jahr unternahm, um den eigenen Kandidaten an die Spitze des Weltschachbunds zu bringen. Dafür seien Diplomaten, Banken- und Konzernmanager eingesetzt worden, die viel Geld versprachen und mit politischem Druck drohten.

Vielleicht wollten die Russen aber auch möglichst schnell die Skandale um Dworkowitschs Vorgänger vergessen lassen. Kirsan Iljumschinow, ebenfalls russischer Staatsbürger, war 13 Jahre an der Spitze von Fide und fiel nicht nur durch seine Behauptung auf, er sei von Ausserirdischen entführt worden. Iljumschinow machte Geschäfte mit Syriens Diktator Bashar al-Assad, worauf ihn die USA auf ihre Sanktionsliste setzten und das Schweizer Konto von Fide gesperrt wurde. Als Fide-Präsident musste der gebürtige Kalmücke zurücktreten.

Der Wahlkampf um seine Nachfolge kam dann nicht ohne Intrigen aus: So erklärte der britische Kandidat überraschend mitten in seiner Rede seinen Rückzug und seine Unterstützung für Arkadi Dworkowitsch. Der neue Präsident verspricht nun neue Zeiten: Der Weltschachbund soll von Korruption gesäubert werden – und nur mehr dem königlichen Spiel dienen.

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