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Mister De Niro und andere Geschworene

«Jury Duty»: Auch Stars müssen in den USA den Jurorendienst leisten. Einige wollen sich davor drücken.

Musste in New York schon zum Geschworenendienst antreten: Der Schauspieler Robert De Niro.
Musste in New York schon zum Geschworenendienst antreten: Der Schauspieler Robert De Niro.
Reuters

In den USA ist es oberste Bürgerpflicht: Alle paar Jahre muss sich fast jeder US-Amerikaner der Auswahl zum Geschworenendienst am Gericht stellen. Die langatmige Prozedur ist extrem unbeliebt – und so versuchen auch Promis immer wieder sich herauszumogeln.

Zwei Worte auf einem Briefumschlag sorgen bei vielen US-Amerikanern regelmässig für schlechte Laune: «Jury Summons», die Vorladung zum Geschworenendienst. Das bedeutet: Mindestens ein Tag muss am Gericht verbracht werden, meistens eher zwei, und wer für eine Geschworenenjury ausgewählt wird, kann sich sogar auf Wochen und Monate einstellen. Das Ganze ist laut Gesetz für fast jeden US-Amerikaner ab 18 alle paar Jahre oberste Bürgerpflicht.

Musste auch schon vorstellig werden: Der ehemalige Aussenminister Henry Kissinger (Foto: Reuters)
Musste auch schon vorstellig werden: Der ehemalige Aussenminister Henry Kissinger (Foto: Reuters)

Verschieben lässt sich dieser Gerichtstermin nur mit einer ganz besonders guten Ausrede, absagen geht gar nicht – und sogar der Promi-Status hilft nicht gegen die unbeliebte Pflicht. Ob Mariah Carey, Robert De Niro, Tom Wolfe, Woody Allen, Uma Thurman, Donald Trump, Henry Kissinger oder Calvin Klein – sie alle mussten an ihrem Wohnsitz New York schon zum Geschworenendienst antreten. In Los Angeles wurden unter anderem schon Charlie Sheen, Brad Pitt, Tom Hanks, Mel Gibson und Eva Longoria ins Gericht gebeten.

Auswahl nach Zufallsprinzip

Der Ablauf ist für sie dann genau wie für alle anderen: An dem auf der Vorladung angegebenen Tag müssen sie im Gericht erscheinen und sich ausweisen. Danach heisst es meist erst mal warten. Wenn ein Prozess ansteht und eine Geschworenenjury benötigt wird, kommen die Wartenden nach dem Zufallsprinzip in die Auswahl.

Wenn nicht, heisst es acht Stunden lang, nur unterbrochen von einer kurzen Mittagspause, auf den meist unbequemen Stühlen der Wartesäle im Gericht sitzen – und warten. «Niemand mag die Geschworenenpflicht», sagte die Anwältin Wendy Feldman jüngst dem TV-Sender Fox News.

Fragen über Fragen

Pro Jury werden je nach Art des Prozesses 6 bis 23 Juroren gebraucht. In die Auswahl kommen aber zunächst einmal deutlich mehr, die dann von den Anwälten der beiden Parteien ausführlich befragt werden, um jegliche Art von Befangenheiten auszuschliessen. Kennt derjenige einen der Prozessteilnehmer? Kennt er jemanden, der jemanden kennt, der einen der Prozessteilnehmer kennt? Und so weiter und so fort. Die Befragung kann Tage oder sogar Wochen dauern, bis die Anwälte ihre Jury zusammengesucht haben.

Wer in einer Jury landet, muss dann einen Prozess genau beobachten und möglicherweise zum Beispiel über Schuld oder Unschuld eines Mordverdächtigen entscheiden. Oder darüber, ob ein Mann, der sich bei der Arbeit verletzt hat, Anspruch auf Schadensersatz hat und wenn ja, wie hoch.

Zahlreiche mögliche Befangenheiten

Die wenigsten Vorgeladenen landen am Ende aber auch wirklich in einer Jury. Das liegt einerseits daran, dass es viel mehr potenzielle Juroren gibt, als gebraucht werden, und andererseits an den vielen möglichen Befangenheiten.

Oder auch an den ausgedachten Befangenheiten, denn in den USA gilt es als eine Art Volkssport, sich auf irgendeine Art und Weise aus der potenziell lange dauernden und langatmigen Geschworenenpflicht herauszumogeln.

Von «Ich bin auf der Arbeit unabkömmlich» über «Mir wird im Gerichtssaal immer schlecht» zu «Ich habe grundsätzlich ein Problem mit Anwälten und glaube nicht an unser Justizsystem» habe er alles schon gehört, erzählt ein New Yorker Anwalt.

Wollte sich herausreden – erfolglos: Der Filmemacher Woody Allen. (Foto: Reuters)
Wollte sich herausreden – erfolglos: Der Filmemacher Woody Allen. (Foto: Reuters)

Auch der Starregisseur Woody Allen habe sich herausreden wollen, erzählte der jüngst in Pension gegangene oberste Aufseher der Geschworenenpflicht in New York, Norman Goodman, der «New York Times». Er sei so traumatisiert von seinem Sorgerechtsprozess mit Ex-Partnerin Mia Farrow, dass er auf keinen Fall zur «Jury Duty» erscheinen könne.

Goodman liess das nicht durchgehen und Allen kam – mit Anwalt und Bodyguard. «Wir haben ihn dann schliesslich gehen lassen und waren ganz ehrlich auch froh, ihn wieder los zu sein.»

Denn einen Vorteil hat der Promi-Status bei der Geschworenenpflicht doch: Die Stars müssen zwar bei Gericht erscheinen, werden aber so gut wie nie für eine Jury ausgewählt, weil das den Prozess zu sehr stören würde. «Stars haben besondere Persönlichkeiten. Die Menschen fühlen sich von ihnen angezogen und können von ihnen stark beeinflusst werden», sagte der Medienanwalt David Albert Pierce dem TV-Sender Fox News.

«Sehr umgänglich»: Madonna. (Foto: Keystone)
«Sehr umgänglich»: Madonna. (Foto: Keystone)

Oft müssten die Promis auch nicht gemeinsam mit den anderen Vorgeladenen warten, sondern bekämen einen Extraraum, erzählt der frühere New Yorker Aufseher Goodman, der deswegen jüngst ein paar Stunden mit Madonna verbrachte. «Sie war sehr umgänglich.»

Und am Ende bekam dann auch die Sängerin das heiss begehrte Papier mit der Aufschrift: «Das ist die Bestätigung, dass Sie Ihre Geschworenenpflicht abgeleistet haben. Mit dieser Bestätigung dürfen Sie in den kommenden mindestens sechs Jahren nicht noch einmal zur Geschworenenpflicht aufgerufen werden.»

SDA/spu

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