«Hans war in der Beiz genau der Gleiche wie vor dem Mikrofon»

Porträt

Der Zürcher SVP-Nationalrat Toni Bortoluzzi traf sich jede Woche mit Hans Jucker am Stammtisch. Am Samstag ist der Sport-Kommentator überraschend verstorben.

«Er hat keine künstliche Rolle gespielt»: Hans Jucker.

«Er hat keine künstliche Rolle gespielt»: Hans Jucker.

(Bild: Keystone)

Thomas Wyss@tagesanzeiger

«Wir sind alle schockiert», sagt Toni Bortoluzzi am Sonntagmittag am Telefon. Noch am Freitag sei die bewährte Stammtischrunde, bei der Hans Jucker niemals fehlte, im Restaurant Central in Affoltern am Albis zusammengesessen, so der Zürcher SVP-Nationalrat. «Ich selbst konnte nicht dabei sein, weil ich inBern zu tun hatte. Und jetzt ist Hans tot. Ich kann es nicht fassen.»

Der ebenso populäre wie eigenwillige Sportkommentator starb am Samstagmorgen im Alter 65 Jahren; laut erster ärztlicher Diagnose an einem Herzinfarkt. Juckers Tod kommt absolut unerwartet. Es sind noch nicht einmal drei Wochen vergangen, seit ihn das Schweizer Fernsehen, bei dem er mehr als vier Jahrzehnte tätig war, mit einem «gmögigen» Auftritt in der Sonntagsabendsendung «Sportpanorama» verabschiedete.

LdU, FDP – und SVP?

Bortoluzzi sass aber nicht nur ein- bis zweimal pro Woche mit Jucker am selben Stammtisch, sie hatten von 1982 bis 1998 auch gemeinsam im Affoltemer Gemeinderat politisiert; Bortoluzzi als SVP-Mitglied, Jucker als Vertreter der FDP. «Trotzdem haben wir in all den Jahren nur wenige Male anders abgestimmt», so der Schreinermeister lachend.

Jucker sei nämlich ein «durch und durch konservativer Bürgerlicher» gewesen, erzählt Bortoluzzi weiter. Als ihm der Landesring der Unabhängigen (LdU), bei dem er seine Politikerlaufbahn begonnen hatte, Ende der 70er-Jahre zu linkslastig wurde, schloss er sich flugs den Freisinnigen an. Da er jüngst auch bei der FDP einen «Linksdrall» ausgemacht hatte, gab er vor etwas mehr als einem Jahr den Parteiaustritt. Politisch sei Jucker aber weiterhin sehr aktiv gewesen, weiss Bortoluzzi. «Sein letzter Zeitungsbeitrag im‹Anzeiger für den Bezirk Affoltern›, in dem er einen Grünen zusammengespitzt hat, um es in Hans’ Worten zu sagen, liegt kaum zwei Wochen zurück.» Auf den Einwand, weshalb er Jucker nicht in seine eigene Partei geholt habe, sagt Toni Bortoluzzi: «Wahrscheinlich wäre Hans demnächst tatsächlich der SVP beigetreten.»

Neben dem geschätzten Fernsehmann und dem umtriebigen Lokalpolitiker gab es noch den eher unbekannten Privatmenschen Hans Jucker. Bortoluzzi beschreibt den langjährigen Kumpel als gesellig, lustig, offen, sehr direkt und wortstark: «Hans war in der Männerrunde in unserer Stammbeiz genau der Gleiche wie vor dem Fernsehmikrofon, er hat keine künstliche Rolle gespielt.»

Jucker, das Witzlexikon

Dass Jucker Männer liebte, war bekannt, das hat er offen kommuniziert. Einen festen Partner aber gab es gemäss Bortoluzzi in seinem Leben nicht. «Ich denke, dass er ab und zu schon ein bisschen einsam gewesen ist.» Wohl auch deshalb, vermutet der Nationalrat, habe sich Juckers Leben vor allem bei der Arbeit im Leutschenbach sowie in politischen und geselligen Runden im Säuliamt abgespielt. «Hans war bei jedem Fest eine Attraktion, weil er ein riesiges Witzlexikon war. Er erinnerte sich sogar noch an Gags oder Anekdoten, die er vor 30 Jahren irgendwo aufgeschnappt hatte.» Dabei habe er häufig selbst am lautesten über die eigenen Sprüche gelacht, so Bortoluzzi, «das war sein Markenzeichen.»

Die Frage, ob der Fernsehprofi mit der Pensionierung gehadert oder gar darunter gelitten habe, verneint der 64-jährige SVPler. «Im Gegenteil, er war aufgestellt und hatte grosse Pläne. Wenn wir uns hin und wieder um seine Gesundheit sorgten, dann nur wegen seines‹guten Schlucks›, wie man so schön sagt. Aber das gehörte halt zu ihm.»

Tages-Anzeiger

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