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#fieldworkfail oder einfach dumm gelaufen

Missgeschicke bei der Arbeit: Darüber berichten Forscher in einer neuen Art.

Stossen und ziehen: Das von medikamenten benommene Zebra steckt in einer Baumgabelung in Namibia fest. Bild: Twitter
Stossen und ziehen: Das von medikamenten benommene Zebra steckt in einer Baumgabelung in Namibia fest. Bild: Twitter

Löwen, Krokodile und Gletscherlöcher: Feldforscher leben mit den Gefahren ihrer Experimente. Denn nicht immer klappt alles wie geplant. Das Twitter-Stichwort #fieldworkfail erzählt von Missgeschicken – und von ungezähmter Leidenschaft der Wissenschaftler.

Zum Beispiel jener von Forscher Trevor Jones, der mit seinem Assistenten im tansanischen Wald Affen beobachten wollte. Und dann stand da plötzlich ein Löwe. «Wir sind schnellstmöglich auf einen Baum geklettert», sagte Jones. Doch die beiden Männer waren zu schwer für den jungen Baum und landeten wenige Sekunden später wieder auf dem Boden. Die Männer gerieten in Panik – der Löwe auch. Jedenfalls suchte er rasch das Weite.

Feldforscher weltweit schicken solche und ähnliche Geschichten ihrer Missgeschicke ins Netz. Die Tweets sind – aus sicherer Distanz – witzig zum Lesen. Doch es steckt mehr dahinter. Ein Misserfolg kann auch helfen, die Arbeit zu verbessern. Die Methode etwa, einen Funksender mit Sekundenkleber an einem Krokodil zu befestigen: Irgend­etwas muss bei Agata Staniewicz von der University of Bristol schiefgelaufen sein, jedenfalls klebte nicht der Sender am Krokodil, sondern ihre Hand. Wie sie sich aus der misslichen Lage befreit hat, ist nicht überliefert.

Der Rochen und die Sender

Ein anderer Wissenschaftler postete, dass er gekonnt einen tausend Dollar teuren Sender an einem Manta- Rochen angebracht hat – dumm nur, dass er bereits einen Tag zuvor denselben Rochen mit einem Sender ausgestattet hatte.

Wissenschaftler unterwegs: Wenn Touristen ein Auto mieten, sollte sich der Vermieter sich sein, dass es keine Forscher sind. Bild: Twitter
Wissenschaftler unterwegs: Wenn Touristen ein Auto mieten, sollte sich der Vermieter sich sein, dass es keine Forscher sind. Bild: Twitter

Wissenschaft wird meist aus öffentlichen Mitteln bezahlt und braucht deshalb auch die Gunst der Bürger. Das wüssten inzwischen auch die Forscher, sagt Wissenschaftsphilosoph Torsten Wilholt von der Leibniz-Universität in Hannover. Trevor Jones, Direktor der Organisation Southern Tanzania Elephant Program, die sich für den Erhalt von Elefanten-Populationen einsetzt, meint: «Es ist gut, ein bisschen albern sein zu können.»

Mehr als albern fühlten sich – ebenfalls in Afrika – Forscher, die ein Zebra mit Medikamenten versorgten. Das benommene Zebra fand den wohl einzigen Baum in Namibia, der eine Gabelung hatte, in den ein Zebrakopf passte. Das arme Tier blieb stecken und die Wissenschaftler konnten es nur mit Müh und Not aus der misslichen Lage befreien.

Vom Jaguar gejagt

Die Geschichten, die Feldforscher auf diese Weise der Öffentlichkeit erzählen, machen Wissenschaft persönlicher, privater. Menschen, die im Dreck waten, von Gifttieren gebissen oder gestochen werden, liefern ein ganz anderes Bild von Forschung als steril wirkende Laborarbeiter in weissen Kitteln. Sie setzen sich einer oft gefährlichen Umwelt aus – mit einer schier unglaublichen Leidenschaft fürs Schlammige, Haarige, Blutige. Der Tiermedizinerin Carrie Cizauskas explodierten zum Beispiel 65 Fläschchen mit Elefantenblut-Proben im Koffer. Und dies im Flugzeug.

«Scheitern gehört dazu», sagt Krokodil-Forscherin Staniewicz. Wissenschaft beruht ja schliesslich auch auf Versuch und Irrtum. Und auch auf manchem Missgeschick. So wurde eine kolumbianische Forscherin drei Wochen lang von einem Jaguar verfolgt, nachdem sie unter einen Baum gepinkelt hat, den die Raubkatze bereits markiert hatte. Andere Forscher wiederum wurden von der Polizei angehalten und beinahe verhaftet. Dies unter dem Verdacht, auf einem Feld Spargeln stehlen zu wollen. Eigentlich wollten sie bloss Hamster beobachten.

Das Handy im Erdloch

Zuweilen lachen die Forscher auch über sich selbst: Etwa jener, der ein sehr tiefes Loch in den Boden gegraben hatte. Pech, dass dann sein Handy in ebendieses Loch fiel. Er verbrachte dann den Rest des Tages damit, sein Telefon wieder auszubuddeln.

«Entdeckungen fallen nicht vom Himmel», sagt Wissenschaftsphilosoph Torsten Wilholt. Entdecker manchmal schon – hin und wieder auch von ­Bäumen. (Basler Zeitung)

(SDA)

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