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Er hält sich für einen Löwen

Der Sheriff Scott Israel aus Florida wird nach dem Highschool-Amoklauf von allen Seiten kritisiert. Er sieht sich aber immer noch als Held.

Untersuchung läuft: Sheriff Scott Israel. Bild: Screenshot Youtube
Untersuchung läuft: Sheriff Scott Israel. Bild: Screenshot Youtube

Es ist erst wenige Tage her, da war Sheriff Scott Israel ein Held. Aus einem Stadion in Florida sendete CNN eine Debatte über Amerikas Umgang mit Waffen, und auf den Rängen sassen lauter Überlebende des jüngsten Massakers an einer Schule. In der Mitte hörte Israel zu, wie die Sprecherin der US-Waffenlobby auf eine Schülerin einredete. Irgendwann hatte er genug. «Sie helfen diesen Menschen überhaupt nicht», entfuhr es ihm, «solange Sie nicht aufstehen und sagen: Ich will weniger Waffen!» Beifall im Publikum, Beifall bei den Online-Kommentatoren. Der Sheriff hatte die Schurkin vom Platz gejagt.

Nun ist es Israel, der in Deckung gehen muss. 74 Senatoren des Bundesstaats Florida werfen ihm in einem Brief «Inkompetenz und Pflichtverletzung» vor. Sie fordern den Gouverneur auf, ihn zu entlassen. Unter dem Hashtag #Resign­SheriffIsrael finden sich in den sozialen Medien viele, die das Gleiche verlangen – und dabei noch viel schärfer schiessen. Als Sheriff des Broward County ist Israel zuständig für die Sicherheit im Bezirk. Dazu gehört die Marjory-Stoneman-Douglas-Schule, auf die auch Israels eigene Drillinge gegangen sind – und wo ein Amokläufer diesen Monat 17 Menschen erschossen hat. Inzwischen mehren sich die Anzeichen, dass Israels Behörde in dem Fall keine gute Rolle spielt.

«Den Löwen kümmert es nicht, was die Schafe denken.»

Da ist Israels Hilfssheriff, der mit schusssicherer Weste und Waffe in der Hand vor der Schule wartete, während der Täter drinnen um sich schoss. «Abscheulich» sei dieses Verhalten gewesen, sagte Israel, selber seit drei Jahrzehnten Polizist. Da ist aber auch der Vorwurf aus Polizeikreisen, wonach mehrere weitere Hilfssheriffs zum Tatzeitpunkt in der Nähe gewesen sein sollen, aber nicht eingegriffen hätten. Und da ist die Frage, warum Israels Behörde erwiesenermassen mehrere Warnungen vor dem Schützen ignorierte, die vor dem Amoklauf bei ihr eingegangen waren. Der Gouverneur hat eine Untersuchung angeordnet.

Israel ist in New York aufgewachsen, den dortigen Akzent hat er behalten. Er ist der erste jüdische Sheriff Floridas, und ins Amt gewählt wurde er als Kandidat der Demokraten. Letzteres erklärt einige der Angriffe, die nun von Republikanern kommen, aber nicht alle. Einiges hat sich der 61-Jährige selbst zuzuschreiben. Auf Kritik reagierte er bereits früher eher speziell: Als die Zeitung «Sun-Sentinel» 2016 aufdeckte, dass er gut bezahlte Posten an Unterstützer aus dem Wahlkampf und deren Familienmitglieder vergeben hatte, war seine Antwort: «Den Löwen kümmert es nicht, was die Schafe denken.»

Und als er am Sonntag am Fernsehen die Fehler seiner Behörden kommentieren musste, redete er von den «erstaunlichen Führungsqualitäten», die er mit seinem Krisenmanagement seit dem Amoklauf bewiesen habe. Die öffentliche Meinung mag gedreht haben – in seinen Augen ist der Sheriff noch immer ein Held.

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