Der Prinz und der Heiland

Der Saudi Bader bin Abdullah kaufte das 450-Millionen-Gemälde von Leonardo da Vinci.

Kaufte das letzte verfügbare Werk von da Vinci: Bader bin Abdullah.

Kaufte das letzte verfügbare Werk von da Vinci: Bader bin Abdullah.

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Ein Saudi wars also! Nachdem vor drei Wochen das letzte auf dem freien Markt verfügbare Gemälde von Leonardo da Vinci für atemberaubende 450 Millionen Dollar versteigert wurde, fragte sich die ganze Welt: Wer ist reich und verrückt genug, sich so etwas zu leisten?

Nun will es die «New York Times» herausgefunden haben. Ein saudischer Prinz und entfernter Verwandter der herrschenden Königsfamilie soll der neue Besitzer des «Salvator Mundi» sein: Bader bin Abdullah bin Mohammed bin Farhan al-Saud. Zwar hiess es sowohl beim Auktionshaus Christie’s wie auch beim Prinz selbst «No comment». Dafür kam am Mittwoch eine Bestätigung von dritter Seite: Nachdem die «Times» Druck gemacht hatte, twitterte die unlängst eröffnete Louvre-Filiale in Abu Dhabi, dass der «Salvator» bald ins Haus komme. Macht Sinn: Der Kronprinz von Abu Dhabi ist ein enger Verbündeter seines saudischen Amtskollegen. Und der wiederum ist gut befreundet mit Bader.

Diese Verbindung um zwei Ecken ist die einzige, die Bader bisher zur Welt der Kunst hat. Bei Christie’s, wo man erst am Tag vor der Versteigerung vom Interesse des Prinzen am Leonardo erfuhr, wurde in den Stunden vor der Superauktion fieberhaft nachgeforscht, mit wem man es da eigentlich zu tun hatte. Auf die Frage der Hausjuristen, woher die 100 Millionen Dollar kämen, die Bader als Demonstration seiner Zahlungskräftigkeit hinterlegte, lautete die Antwort schlicht: «Immobilien.»

Verleger und Tourismusentwickler

Das stimmt zwar. Der Mittdreissiger ist an diversen Immobiliengeschäften in der Golfregion beteiligt. Zudem sitzt er im Vorstand einiger Telekom-, Energieversorgungs- und Recyclingfirmen. Vor allem aber hat ihn Kronprinz Muhammad bin Salman, dem Bader seit ihrer gemeinsamen Studienzeit an der King-Saud-Universität in Riad freundschaftlich verbunden ist, zum Kopf von Forschung und Marketing in Saudiarabien gemacht. Als solcher ist Bader nicht nur Herausgeber der «Asharq al-Awsat», einer der grössten arabischsprachigen Tageszeitungen der Welt, sondern auch zuständig dafür, das Land als Touristendestination flottzumachen.

Ausländische Besucher sollens richten, wenn dereinst das Öl versiegt. Da kann es nicht schaden, schon mal mit den Nachbarn zusammenzuspannen und die grösste Attraktion aufzukaufen, die die westliche Kunst zu bieten hat. Dass es sich beim «Salvator» um ein Porträt von Jesus Christus handelt, der im Islam als Prophet gilt und als solcher nicht abgebildet werden darf, zeugt von unternehmerischer Flexibilität. Aber schliesslich hat sich auch Christie’s flexibel gezeigt. Statt, wie ursprünglich festgelegt, die Kaufsumme auf einen Klapf einzustreichen, wurde Bader Ratenzahlung gestattet: fünf Tranchen à exakt 58 385 416 Dollar und 65 Cent – und eine letzte, sechste, fällig am 14. Mai 2018, die zwei Cent günstiger ausfällt.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 07.12.2017, 19:17 Uhr

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