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Der kiffende Rebell

Ross Rebagliati, der erste Snowboard-Olympiasieger, wurde nach dem Triumph positiv auf Cannabis getestet und profitiert heute davon.

Ross Rebagliati will, dass Cannabis wieder von der Doplingliste gestrichen wird. Bild: Eggimann Kelly
Ross Rebagliati will, dass Cannabis wieder von der Doplingliste gestrichen wird. Bild: Eggimann Kelly

Er besitzt sie noch, diese Goldmedaille, bewahrt sie in einem alten Schrank auf, unsichtbar für Besucher, und das verwundert dann doch – die meisten Leute sind stolz darauf, zumindest einmal im Leben der Beste gewesen zu sein. Doch Ross Rebagliati sagt: «Die hat mir nichts als Unglück gebracht.» Der Kanadier hat bei den Olympischen Spielen in Nagano vor 20 Jahren den Snowboard-Riesenslalom gewonnen. Kurz darauf wurde ihm der Sieg aberkannt, weil er positiv auf Cannabis getestet worden war, er kam sogar in ein japanisches Gefängnis wegen illegaler Einfuhr von Drogen.

Zwei Tage später kam er frei, weil er kein Marihuana dabeigehabt hatte, und er durfte auch seine Medaille behalten, weil Cannabis damals nicht auf der Liste verbotener Mittel stand. Rebagliati war Olympiasieger, doch er war auch das kiffende Gesicht einer Disziplin, die in Nagano zum ersten Mal olympisch war und nicht mehr als Spass-Sportart belächelt werden wollte.

Rebagliati wurde danach in der Subkultur der Skater und Boarder, in der Marihuana als Genussmittel akzeptiert war, als cooler Typ gefeiert, der Gitarrist Keith Richards rauchte bei einem Konzert der Rolling Stones hinter der Bühne mit ihm einen Joint. Die US-Satiresendung «Saturday Night Live» widmete ihm einen mittlerweile legendären Sketch. Allerdings wollte ihn niemand mehr sponsern: «Es war alles nur ein harmloser Spass, aber ich wurde dadurch zu einer Witzfigur. Marihuana war damals stigmatisiert als die Droge für faule Loser.»

Lifestyle-Unternehmen gegründet

Ein Jahr nach seinem Olympiasieg beendete er im Alter von 27 Jahren frustriert seine Karriere, verspekulierte sich als Immobilienmakler, liess sich scheiden und lebte ein paar Jahre lang in einem Campingwagen an einem See: «Es gab Tage, da konnte ich mir weder Marihuana noch Essen kaufen.» Er wollte was machen aus seinem Leben, doch was?

«Ich dachte mir: Wenn ich schon als Marihuana-Typ geächtet bin, will ich wenigstens was davon haben», sagt er nun. Der Marihuana-Typ begann also, in seinem Garten hochwertiges Kraut zu züchten. Er gründete vor kurzem ein Lifestyle-Unternehmen, tat sich mit dem kanadischen Konzern CRX zusammen und will nun Marihuana-Cremen und Cannabispflanzen zum Selberzüchten verkaufen. Der Name der Firma: Legacy. Vermächtnis.

«Wenn Alkohol und Tabak erlaubt sind, gibt es keinen Grund, Marihuana zu verbieten.»

Seit ein paar Wochen ist Cannabis in Kanada als Genussmittel erlaubt, die Branche boomt, es gibt in ganz Nordamerika einen Grünrausch, und Rebagliati ist nun nicht mehr der faule Kiffer, sondern dieser unfassbar coole Typ, der vor 20 Jahren ein bisschen Marihuana geraucht hat und trotzdem der erste Olympiasieger in der Geschichte seiner Sportart geworden ist. Er gilt nun als Rebell, der sich schon immer gegen die Stigmatisierung von Cannabis gewehrt hat und sich nun dafür einsetzt, dass es wieder von der Dopingliste genommen wird: «Wenn Alkohol und Tabak erlaubt sind, gibt es keinen Grund, Marihuana zu verbieten.»

Ross Rebagliati, der Marihuana-Typ, erlebt ein Comeback als Geschäftsmann, und er freut sich darüber so sehr, dass diese verdammte Gold­medaille erst einmal dort bleibt, wo sie seiner Meinung nach hingehört: in einen alten Schrank.

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